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19.02.2013

11:35 Uhr

Frankreichs Außenminister

„Wir müssen die Wachstumsprognose senken“

Frankreich war bei seiner Wachstumsprognose zu optimistisch. Nun gesteht dies auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius ein. Anstatt 0,8 Prozent sollen es nur noch 0,2 bis 0,3 Prozent sein.

Frankreichs Außenminister Fabius geht von einer Wachstumsprognose von nur noch 0,2 bis 0,3 Prozent aus. AFP

Frankreichs Außenminister Fabius geht von einer Wachstumsprognose von nur noch 0,2 bis 0,3 Prozent aus.

ParisFrankreich wird nach den Worten von Außenminister Laurent Fabius seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr voraussichtlich deutlich absenken. Fabius ging am Dienstag im Radiosender RTL von einem Wachstum von rund 0,2 bis 0,3 Prozent statt der bisher erwarteten 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Mit Blick auf die bisherige Wachstumsprognose ließ er keinen Zweifel: „Wir werden sie absenken müssen.“

Die sozialistische Regierung in Paris war bereits in der vergangenen Woche von ihrer von vielen Experten als zu optimistisch kritisierte Wachstumserwartung für 2013 abgerückt.

Vergleich: Deutschland vs. Frankreich

Wachstum

Frankreich: Die Wirtschaft wächst viel langsamer. Die EU-Kommission traut der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr lediglich ein Plus von 0,2 Prozent zu, das 2013 mit 0,4 Prozent nur einen Tick größer ausfallen soll. Grund dafür ist der maue Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren.
Deutschland: Jeweils 0,8 Prozent Wachstum sagt die EU-Kommission für 2012 und 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er wird nach der Prognose in beiden Jahren um jeweils ein Prozent zulegen. Dafür sollen die Rekordbeschäftigung und spürbare Lohnzuwächse sorgen.

Schulden

Frankreich: Frühestens 2015 wird die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder eingehalten. Das erwartet zumindest die EU-Kommission. Demnach wird das Defizit in diesem Jahr bei 4,5 Prozent liegen, 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent. Der Schuldenberg soll im kommenden Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.
Deutschland: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts rückt in greifbare Nähe. 2012 und 2013 soll das Defizit angesichts rekordhoher Steuereinnahmen jeweils 0,2 Prozent betragen, ehe 2014 ein Haushalt ohne neue Schulden stehen soll. Der Schuldenstand soll bis dahin auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, wie das World Economic Forum bei seinem weltweiten Standortvergleich befand. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.
Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland im globalen Standortvergleich des World Economic Forum seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können - von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minus-Punkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde "Flexibilität der Lohnfindung": Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

Industrie

Frankreich: Zwar kann unser Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder der Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise im Euro-Raum durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

Arbeitskosten

Frankreich: 34,20 Euro kostet eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt. In der EU ist Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer. In der Industrie sind es sogar 35,91 Euro.

Deutschland: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro - das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

Eine „Anpassung“ der bisher angekündigten 0,8 Prozent könne „wenn nötig in den kommenden Tagen“ erfolgen, sagte Staatschef François Hollande. Danach räumte Regierungschef Jean-Marc Ayrault ein, dass infolge des schwächeren Wachstums auch das Defizitziel von drei Prozent des BIP in diesem Jahr „nicht exakt“ erreicht werde.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.02.2013, 11:55 Uhr

Looool die sollten statt solcher Phrasen, gestehen dass sie genau wissen dass sie auf die komplette Pleite zusteuern und seit 2009 davon wissen.

Super-Angie

19.02.2013, 12:22 Uhr

völlig korrekt @Karsten ist sch

die steuern direkt auf ESM-Subventinen zu wie dieses Jahr SP es tut.

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