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28.06.2011

15:20 Uhr

Frankreichs Finanzminister

Lagarde lässt Sarkozy die Qual der Wahl

VonHolger Alich

Mit dem Wechsel von Christine Lagarde an die Spitze des IWF wird in Paris der Posten des Finanzministers frei. Ein attraktiver und in der Euro-Krise für ganz Europa wichtiger Job, für den es bereits drei Kandidaten gibt.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Quelle: dpa

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.

In Paris laufen sich die Kandidaten warm, das prestigeträchtige Amt des Finanzministers von Christine Lagarde zu übernehmen. Das Amt hat derzeit für Frankreichs Regierung besondere Bedeutung, schließlich präsidiert Frankreich derzeit die G20; und dank dessen wurde Lagarde de facto zur Wirtschafts-Außenministerin.

Drei Namen werden am häufigsten genannt, wenn es um Lagardes Nachfolge geht: Agrarminister Bruno Le Maire, Budgetminister Francois Baroin und Forschungsministerin Valérie Pecresse.

Haushaltsminister Francois Baroin (l). mit der Noch-Finanzministerin Christine Lagarde. Quelle: Reuters

Haushaltsminister Francois Baroin (l). mit der Noch-Finanzministerin Christine Lagarde.

Bruno Le Maire wird als Außenseiter gesehen. Denn der Minister, der fließend Deutsch spricht, macht einfach einen zu guten Job im Agrarministerium; einem Ministerium, das für Frankreichs bürgerliche Rechte mit Blick auf die Wahlen Schlüsselfunktion hat. "Sarkozy mag nicht Leute versetzen, die in ihren Ämtern gute Arbeit leisten", meint ein Beobachter. Vergangene Woche hatte Le Maire einen Achtungserfolg erzielt, als er die 20 Agrarminister der G20 zu einem Kompromiss geführt hatte, erste Maßnahmen gegen die Preisschwankungen bei Agrarrohstoffen zu beschließen. 

Bruno Le Maire spielt bei der G20 bereits eine Rolle, bislang als Agrarminister. Quelle: dpa

Bruno Le Maire spielt bei der G20 bereits eine Rolle, bislang als Agrarminister.

Die Benennung von Haushaltsminister Francois Baroin wäre für Sarkozy die technisch naheliegenste Wahl; denn mit seiner Nominierung könnte Sarkozy das Haushaltsministerium wieder mit dem Finanzministerium zusammen führen und damit die Regierungsumbildung auf das absolut notwendigste beschränken. UMP-Fraktionsschef Christian Jacob macht sich für den 46jährigen Ex-Journalisten stark: "Francois kennt das Ministerium und wäre sofort einsatzbereit." Nachteil für Baroin: Er ist der Ziehsohn von Sarkozys Vorgänger und Erzfeind Jacques Chirac. Außerdem spricht Baroin nur mäßiges Englisch, ein echtes Handicap für jemanden, der mit den Finanzgrößen der Welt im Zuge der G20 verhandeln muss.

Forschungsministerin Valerie Pecresse mit Christine Lagarde. Quelle: dapd

Forschungsministerin Valerie Pecresse mit Christine Lagarde.

Steigende Chancen scheint daher Forschungsministerin Valérie Pécresse zu haben. Zum einen ist sie eine Frau und wird von der Noch-Amtsinhaberin Lagarde unterstützt. Zudem hat sie an der angesehen Wirtschafts-Uni HEC studiert und spricht neben Englisch auch Russisch und Japanisch. Auf der politischen Haben-Seite hat die 43jährige die Universitäts-Reform, die als eine der wichtigsten Reformen der Sarkozy-Regierung gilt. Dank dieses Gesetz-Pakets sind Frankreichs Uni unabhängig und können nun selbst über Lehrpläne und ihr Personal verfügen und Kooperationen mit der Wirtschaft eingehen.

Doch niemand will für diese Namen seine Hand ins Feuer legen; denn bei Sarkozy ist man sich nie vor Überraschungen sicher. Fest zu stehen scheint nur, dass Sarkozy die voraussichtliche Benennung von Christine Lagarde an die Spitze des IWF nicht für eine größere Regierungsumbildung nutzen will.

Kommentare (1)

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28.06.2011, 17:17 Uhr

Und nicht nur das, Lagarde empfiehlt sich somit auch als zukünftiger Sarkozy-Erbe also den ultimative Griff nach der Macht.

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