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13.11.2012

19:49 Uhr

Frankreichs Konservative

Wer wird der neue Sarkozy?

Nach dem Rücktritt von Nicolas Sarkozy müssen die Mitglieder der größte französische Partei UMP einen neuen Chef wählen. Die beiden Kandidaten liefern sich seit Wochen einen erbitterten Kampf um die Stimmen.

Der langjährigen Fraktionsführer der französischen UMP, Jean-François Copé (links) und französische Ex-Premierminister François Fillon.

Der langjährigen Fraktionsführer der französischen UMP, Jean-François Copé (links) und französische Ex-Premierminister François Fillon.

Der Machtkampf um das politische Erbe von Nicolas Sarkozy geht in die entscheidende Phase. Sechs Monate nach der Niederlage des 57-Jährigen bei der Präsidentenwahl müssen die Mitglieder der größten französischen Partei UMP am Wochenende über eine neue Führungsfigur entscheiden. Die Anhänger der bürgerlich-rechten „Union für eine Volksbewegung“ haben die Wahl zwischen Ex-Premierminister François Fillon und dem langjährigen Fraktionsführer Jean-François Copé. Sarkozy will nicht mehr im politischen Geschäft mitmischen - zumindest vorerst.

Statt Aufbruchstimmung verspüren viele der rund 300 000 Parteimitglieder derzeit aber vor allem Sorge. Das Duell zwischen dem 58 Jahre alten Fillon und dem zehn Jahre jüngeren Copé hat sich zu einem erbitterten Lagerkampf entwickelt, der die Partei zu spalten droht. Statt inhaltlicher Auseinandersetzungen dominieren persönliche Attacken und Tiefschläge die Debatte.

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Der von vielen Parteigrößen und Abgeordneten unterstützte Copé wirft seinem Kontrahenten mangelnde Schärfe in der politischen Auseinandersetzung und Hinterlistigkeit vor. Der als Basisliebling geltende Favorit Fillon hingegen kritisiert Copés Brutalität und seine Respektlosigkeit. „Diese Kampagne ist eine Schande“, beklagen Mitglieder. Am Ende werde die Partei noch uneiniger sein als sie bislang.

Das Misstrauen zwischen den Kandidaten ist so groß, dass schon vorgeschlagen wurde, am Sonntag in jedem Wahllokal einen Notar einzubestellen, um Wahlfälschungen zu verhindern. „Vertrauen schließt Kontrolle nicht aus“, sagte der UMP-Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi.

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Der lachende Dritte ist bislang Sarkozy. Einer aktuellen Umfrage zufolge träumen schon jetzt 64 Prozent der UMP-Sympathisanten davon, dass er für die Präsidentenwahl 2017 aus dem politischen Ruhestand zurückkehrt. Im August waren es nur 53 Prozent. „Die Wähler sagen sich, dass Sarkozy den Laden zusammengehalten hat (...) und dass er es war, der für einen Ideensturm gesorgt hat“, kommentierte der Politikwissenschaftler Roland Cayrol im „Journal du Dimanche“. Die rechte Wählerschaft verabscheue derartigen Führungsstreit.

Als Grund nennt Cayrol vor allem die fehlenden inhaltlichen Differenzen. Copé gilt zwar rechtsgerichteter als Fillon, auch er hat allerdings Wahlbündnisse mit der Front National von Marine Le Pen ausgeschlossen. Beide Spitzenkandidaten sind gegen sozialistische Regierungsprojekte wie die Homo-Ehe oder das Kommunalwahlrecht für Ausländer.

Die lange Jahre unangefochtene Sarkozy hat sich bislang nicht öffentlich zum Führungsstreit geäußert. Für wen der Ex-Präsident im Hintergrund die Strippen zieht, ist allerdings offensichtlich. Copé bedankt sich auf seine Weise: „Egal welche Wahl Nicolas Sarkozy trifft - ich werde an seiner Seite sein“, antwortet er auf Fragen zu einer möglichen Rückkehr Sarkozys.

Ob Copé oder Fillon - der Gewinner der Wahl muss darauf hoffen, dass er den Führungsstreit in den nächsten Wochen und Monaten vergessen machen kann. Die Voraussetzungen dafür sind eigentlich gut. Die sozialistische Regierung unter François Hollande gilt bereits nach sechs Monaten im Amt als inhaltlich zerstritten und bietet mit Projekten wie der Einführung der Homo-Ehe und Steuererhöhungen reichlich Angriffspunkte. „Was zählt ist, dass wir nach dem 18. November wieder unsere Geschlossenheit wiederfinden“, kommentiert Ex-Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire.

Von

dpa

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