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12.11.2012

13:31 Uhr

Frankreichs Reformen

Paris kritisiert „French Bashing" deutscher Medien

VonThomas Hanke

Eigentlich seien die Beziehungen zwischen beiden Ländern gut, dementiert Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici Gerüchte über Reformvorgaben aus Berlin. Nur über den Ton in deutschen Medien ärgere er sich.

Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici. Reuters

Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici.

ParisFrankreichs Finanzminister Pierre Moscovici hat als erstes Regierungsmitglied zu den angeblichen Verstimmungen wegen deutscher Kritik am Nachbarn und wegen eines angeblichen Reform-Ukas Stellung genommen, den die deutschen Wirtschaftsweisen im Auftrag von Wolfgang Schäuble erarbeiteten. „Ich will nicht, dass sich da irgendwelche Misstöne einschleichen: Die deutsch- französischen Beziehungen sind gut, auf der anderen Rheinseite wird wahrgenommen, dass wir uns für stabile Finanzen einsetzen.“ stellte Moscovici Montagmorgen bei einer Unternehmerkonferenz im französischen Finanzministerium klar.

Es sei „verständlich, dass die deutsche Seite Strukturreformen erwartet“. Wenn sie gemacht würden, solle man gemeinsam vorangehen. Die französische Regierung trete jetzt in eine „neue Phase ihrer Politik ein“. Es gehe dabei um eine „langfristige Wirtschaftspolitik und Strukturreformen.“

Vor Journalisten fügte der Minister später hinzu, dass die angebliche deutsche Reformvorgabe für Frankreich glaubwürdig dementiert worden sei. Er habe sich gleich mit Berlin in Verbindung gesetzt. Das Ganze sei „ein Sturm im Wasserglas“. Es gebe keine deutsch-französische Verstimmung und dürfe sie auch nicht geben, dafür sei die Zusammenarbeit der beiden Länder viel zu wichtig. Er spreche sehr oft mit Schäuble und habe ein exzellentes Verhältnis zu ihm, es sei selbstverständlich, dass man sich gegenseitig keine Ratschläge erteile über die Politik, die zu verfolgen sei.

Während er die politischen Beziehungen verteidigte, kritisierte der Minister mediale Attacken auf Frankreich: „Es gibt ein furchterregendes ‚french bashing‘ in den deutschen Medien.“ Moscovici war die Verärgerung anzusehen, als er sich in seiner Rede über negative Berichterstattung beschwerte. Der Minister machte allerdings nicht deutlich, worauf genau er sich bezieht. Vor Journalisten fügte er hinzu, es gebe „hier und da eine Neigung, Frankreich als den kranken Mann Europas darzustellen, als nächstes Ziel der Finanzmärkte, erfundene Missverständnisse zwischen Frankreich und Deutschland hochzuspielen.“

Bislang hatte noch kein französischer Minister zu der angeblichen deutschen Reformvorgabe für Frankreich Stellung genommen. In den Medien spielte das Thema am Wochenende keine Rolle, heute allerdings macht Libération damit auf, unter der martialischen Schlagzeile „Berlin an Paris: ‚Achtung!‘“ Die der Regierung nahestehende Tageszeitung zitiert verschiedene Stimmen, die Spannungen im Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich bestreiten, aber bestätigen, dass es unterschiedliche Vorstellungen über den richtigen Umfang der Staatsausgaben geben könne. Libération bildete ein Titelblatt der „Bild-Zeitung“ ab, mit der Überschrift „Wird Frankreich das neue Griechenland?“ – eine Unterstellung, die in Paris auf Unverständnis stößt, auch wenn sie bislang von niemand besonders ernst genommen wurde.

Offenbar ist die französische Regierung irritiert, weil sich die kritische Darstellungen der schwierigen französischen Wirtschaftslage gerade in dem Moment häufen, in dem die Hollande-Mannschaft sich endlich zu ersten Reformen durchgerungen hat. Morgen wird der Staatspräsident sein erstes Interview geben, in dem er seine auch in Frankreich umstrittene Politik erläutern wird.

Kommentare (26)

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Franzoesisches_Doppelspiel

12.11.2012, 14:01 Uhr

Die Franzosen sollten doch mal ehrlich eingestehen, dass sie schlicht nicht führen können.
Die Euro- (schnaps) Idee war ein Mitterand-sozialistischer Wunschtraum die deutsche Bundesbank Hegemonie in Europa zu beseitigen.
Ok, der Wunsch wurde von H.Kohl für die die Genehmigung der Wiedervereinigung erfüllt. Das Chaos, die Schuldenlawinen und Haftungsgefahren waren von der Bundesbank EXAKT vorhergesagt worden. Daraufhin hatte man die Maststrich-Kriterien als Beruhigungspille umgesetzt und bekanntlich gebrochen mit allen Folgen heute.
JETZT stehlen sich die Franzosen aus der Verantwortlung und verbrüdern sich klammheimlich mit dem Süden und fordern energisch SOLIDARITÄT. Egal ob ESM, Bankenunion, EU-Rabattabschaffung (zum Nutzen für deren Agrarförderung)
uw. um deren sozialischten Wohlfühlstaat aufrecht erhalten zu können.
ES MUSS ENDLICH KLARTEXT GESPROCHEN WERDEN!
Die Franzosen sind zu nachhaltiger, gesunder und fairer europäischer Verantwortung nicht in der Lage!
Sie sollten endlich in die 2. Reihe treten oder den Euro-Verbund verlassen. Dieses hintenrum aufhetzen und
gleichzeitige Auspressen der Geberländer ist ein gemeines Doppelspiel mit politischer Brisanz!
Jeder weiß wer das meiste Geld aus dem Nichts für Südeuropa geschöpft hat: die Franz. Banken.

Zahlmeister

12.11.2012, 14:32 Uhr

Hier wird die Politik von Versailles fortgesetzt, nichts anderes. Gegen Deutschland wird ein Finanzkrieg geführt und unsere Politiker stehen auf der anderen Seite !

Account gelöscht!

12.11.2012, 14:43 Uhr

zitat....Libération bildete ein Titelblatt der „Bild-Zeitung“ ab, mit der Überschrift „Wird Frankreich das neue Griechenland?“ – eine Unterstellung, die in Paris auf Unverständnis stößt,.....

Die Franzosen haben es noch nie geblickt. Mann ..., das "neue Griechenland" ist gemeint, das Starke, das .....
jedenfallst nicht das Alte. Tja ..., Deutsche Sprache, schwere Sparche...

Mal Pampers rübereich^^

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