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13.01.2017

18:40 Uhr

Frankreichs Sozialisten

Mon amour, ich verschlinge Dich!

VonThomas Hanke

Frankreichs Sozialisten drohen bei der Wahl entkernt und ausgequetscht zu werden: vom Linken Jean-Luc Mélenchon auf der einen Seite, vom Sozialliberalen Emmanuel Macron auf der anderen. Hoffnung haben nur die anderen.

„Im Moment ist Deutschland die dominante Wirtschaft Europas, aber es wird nicht so lange dominieren, wie es glaubt.“ AFP; Files; Francois Guillot

Jean-Luc Mélenchon

„Im Moment ist Deutschland die dominante Wirtschaft Europas, aber es wird nicht so lange dominieren, wie es glaubt.“

ParisDer Linke Jean-Luc Mélenchon ist alles andere als ein Investmentbanker. Aber was er als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl vorhat, ist nichts weniger als eine feindliche Übernahme: „Die Bewegung der Sozialisten ist ideologisch tot, wenn (Ex-Premier)Valls kandidiert, kommen die Sozialisten zu mir, wenn (Ex-Wirtschaftsminister ) Montebourg es macht, schlage ich ihn.“ Eine sozialistische Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl ergebe eh‘ keinen Sinn: „Wer auch immer es macht, sie kommen in allen Umfragen nur auf die Hälfte meiner Stimmen“, ist sich der Freund von Oskar Lafontaine sicher. Wer seine Stimme sinnvoll abgeben wolle, der werde deshalb ihn, Mélenchon wählen und keinen Sozialisten.

Was der Linkspolitiker, der selber 30 Jahre bei den Sozialisten war, im Gespräch mit einer kleinen Gruppe europäischer Journalisten sagt, ist alles andere als die Prahlerei eines Halbstarken. Den Sozialisten droht tatsächlich, entkernt und ausgequetscht zu werden: vom Linken Mélenchon auf der einen Seite, vom Sozialliberalen Emmanuel Macron auf der anderen. Die Lage der Sozialistischen Partei (PS), deren oberster Repräsentant François Hollande nicht einmal mehr eine Kandidatur wagt, ist aussichtslos.

Die Debatte der sieben Kandidaten, die an der Vorwahl der Sozialisten teilnehmen, hat daran nichts geändert. Weniger als vier Millionen TV-Zuschauer sahen sich die Diskussion am Donnerstagsabend an, die zur besten Zeit auf dem größten Sender lief. Die vergleichbare Veranstaltung vor fünf Jahren verfolgten noch mehr als fünf Millionen. Und bei der ersten TV-Runde der Konservativen schalteten sich im Oktober vergangenen Jahres 5,6 Millionen Franzosen zu.

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Mit der ersten TV-Debatte der französischen Sozialisten tritt der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur in die heiße Phase ein. Die Kandidaten gaben sich ungewohnt zurückhaltend. Der gemeinsame Feind kommt von rechts.

Diejenigen, die am Donnerstag zusahen, empfanden mehrheitlich Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg als Sieger. Der 54-Jährige träumt von „wirtschaftlichem Patriotismus“, Grenzkontrollen, Nationalisierungen und lässt kein gutes Haar an den bescheidenen Reformen, die Hollande unternommen hat. Dessen Arbeitsmarktreform will er komplett zurückdrehen. Wer damit liebäugelt, wird direkt das Original Mélenchon wählen. Und wem das zu realitätsfremd ist, der geht zu Macron – wie es bereits einige PS-Abgeordnete getan haben. Sogar Ségolène Royal, Umweltministerin, frühere Präsidentschaftskandidatin und Ex-Partnerin von Hollande, spricht lobend über Macron: Der denke „über die Zukunft nach“ und verkörpere sie. Valls dagegen kritisiert sie.

Dessen Alptraum ist, dass Royal und danach sogar Hollande selber zur Wahl Macrons aufrufen könnten und anschließend die Hälfte der sozialistischen Parlamentsfraktion oder mehr mit fliegenden Fahnen ins Lager des erst 39 Jahre alten früheren Wirtschaftsministers wechselt. Völlig auszuschließen ist das nicht. Mitte der Woche stieß Jean Pisani-Ferry, französischer Top-Ökonom, der bislang den Premierminister beriet, zu Macron. „Hollande sieht Emmanuel als seinen Ziehsohn an“, ist Aquilino Morelle überzeugt, ein früherer enger Berater des Präsidenten.

Die Proeuropäer unter den Sozialisten dürften sich bei dem Jungstar gut aufgehoben fühlen. Als einziger Kandidat fährt er eine dezidiert proeuropäische Linie. „Europa ist unsere Zukunft, wir lieben Europa“ ruft er bei seinen Meetings und erntet dafür begeisterten Applaus.

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