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27.09.2011

10:39 Uhr

Franz Fehrenbach

Griechenland braucht einen Marshallplan

VonFranz Fehrenbach

Der Bosch-Chef findet, es ist Zeit zum Handeln: Es braucht ein klares Bekenntnis zum Euro, zur europäischen Idee und einen „Marshallplan“ für Griechenland, fordert Fehrenbach in seinem Gastkommentar.

Franz Fehrenbach ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Andreas Labes für Handelsblatt

Franz Fehrenbach ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.

DüsseldorfDie Lage ist ernst: Die Staatsschuldenkrise in Europa verschärft sich. Den Finanzmärkten fehlt jegliche Orientierung. Die Furcht vor einer Rezession wächst. Wir müssen erkennen: Es ist allerhöchste Zeit zum Handeln. Es ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen und das Festhalten an Dogmen, sondern der Neuorientierung und Führung. Entscheidend ist, dass wir deutlich machen: Europa braucht den Euro! Der Euro hat maßgeblich zu Stabilität und Wohlstand beigetragen. Er hat die Rolle Europas in der Weltwirtschaft gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen. Europa und der Euro sind ein Erfolgsmodell, das wir uns nicht von zögerlicher Politik und von hochriskant agierenden Finanzmarktakteuren kaputtmachen lassen dürfen.

Aber - und das ist ebenfalls Teil der Wahrheit - der Euro wurde von gravierenden Fehlentwicklungen begleitet. Regeln, allen voran die Verschuldungsgrenzen, wurden missachtet. Viele Länder sind der Verlockung des billigen Geldes erlegen und haben ihre Wettbewerbsfähigkeit vernachlässigt. Wir brauchen eine schonungslose Analyse der Fehler, aber auch visionäre Kraft, den Weg aus dieser Krise aufzuzeigen und zu gehen. Für mich steht fest: Die Bereinigung der Fehlentwicklungen bedarf großer Anstrengungen und wird sehr viel Geld kosten. Aber ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone wäre noch sehr viel teurer. Es käme zu einer schweren Wirtschaftskrise. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte wären unberechenbar. Fest steht auch: Es gibt keine einfachen Lösungen.

Was wir brauchen, ist ein Neuanfang. An erster Stelle muss ein klares und unverbrüchliches Bekenntnis zur europäischen Idee und zum Euro stehen. Denn nur so kann das wieder neu entstehen, was in weiten Teilen verloren gegangen ist - Vertrauen in die Verlässlichkeit von Politik und in das Funktionieren der Finanzmärkte. Ein klares Bekenntnis zum Euro erfordert, zügig und mit aller Finanzkraft einer weiteren Destabilisierung entgegenzuwirken. Überschuldeten Ländern muss geholfen werden. Nur so kann der Vertrauensverlust und eine weitere Erosion der Finanzbasis vieler Länder und Finanzinstitute gestoppt werden.

Kommentare (6)

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Querdenker

27.09.2011, 11:50 Uhr

Herr Fehrenbach, wenn Sie über einen Marshallplan für Griechenland nachdenken, dann denken Sie bitte gleich weiter an Irland, Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland usw. Oder sind Sie der Meinung, dass allein Griechenland geholfen werden muss? Dann sind Sie auf dem Holzweg!

Rainer_J

29.09.2011, 21:17 Uhr

Für einen "Marshallplan" braucht man eine Struktur mit Disziplin und ohne Korruption. Deutschland hatte das 1945. Griechenland ist durch und durch korrupt. Geld wird dort nur veruntreut und privatisiert.

Entweder Griechenland wird entmachtet und fremdgesteuert oder es funktioniert nicht.

Ohne Krieg wird das nicht möglich sein und einen Krieg ist die Fehlkonstruktion Euro sicher nicht wert.

rxm

30.09.2011, 18:21 Uhr

Soll doch bitte mal Griechenland ein klares Bekenntnis zum Euro ablegen und sich dann entsprechend verhalten. Was letztendlich bedeutet, dass die Bevölkerung und Politik (einschließlich der Opposition und der Gewerkschaften) bei der Sanierung des Landes endlich mitziehen. Wenn das die Griechen nicht wollen, dann soll Griechenland die Eurozone verlassen.

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