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14.08.2014

12:37 Uhr

Franziskus in Korea unterwegs

Kim Jong Un begrüßt den Papst mit Raketen

Eine solche Begrüßung hat sich Papst Franziskus sicher nicht vorgestellt: Bei seiner Ankunft in Südkorea feuert Nordkoreas Militär Raketen ab. Das Kirchenoberhaupt sprach von „unergiebigen“ Demonstrationen von Stärke.

Papst Franziskus trifft in Seoul auf Präsidentin Park Geun Hye. dpa

Papst Franziskus trifft in Seoul auf Präsidentin Park Geun Hye.

SeoulNordkorea hat am Donnerstag kurz vor und nach Ankunft von Papst Franziskus in Südkorea Kurzstreckengeschosse ins Meer gefeuert. Insgesamt fünf Projektile seien von der Küstenstadt Wonsan aus abgeschossen worden und 220 Kilometer weit geflogen, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Papst Franziskus rief nach seiner Ankunft in Seoul die beiden Koreas auf, auf Frieden hinzuwirken und „unergiebige“ Demonstrationen von Stärke zu vermeiden.

Unklar blieb zunächst, um welche Art von Geschosse es sich handelte. Seit Jahresbeginn hat das abgeschottete kommunistische Nordkorea ungewöhnlich viele Raketentests ausgeführt, es protestiert damit gegen gemeinsame Manöver der USA und Südkorea, die demnächst wieder beginnen.

Ungeachtet dieses Vorfalls begann Franziskus wie geplant seinen fünftägigen Aufenthalt in Südkorea. Es ist der erste Besuch eines katholischen Kirchenoberhaupts in dem Land seit 25 Jahren, in dem etwa zehn Prozent der Bevölkerung Katholiken sind.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.


Franziskus sagte, die Diplomatie zwischen den beiden Koreas müsse verstärkt werden, damit der Dialog „die gegenseitigen Beschuldigungen, die unergiebige Kritik und die Demonstrationen von Stärke“ ersetzen könne. Frieden erfordere Vergebung und gegenseitigen Respekt.

Kurz nach der Landung auf einem Flughafen südlich der Hauptstadt begrüßte Franziskus zunächst vier Hinterbliebene von Opfern des Fährunglücks vom April mit mehr als 300 Toten. Auch zwei Nachfahren von katholischen Märtyrern, die für ihren Glauben starben, schüttelte der Papst die Hand.

Ältere Katholiken unter den Wartenden wischten sich Tränen aus den Auen und verbeugten sich tief vor dem Papst. Ein Junge und ein Mädchen in traditioneller koreanischer Tracht überreichten ihm einen Strauß Blumen.

Anschließend fuhr der Papst in einem kleinen, in Südkorea gebauten Auto nach Seoul. Im Präsidentenpalast fand im Beisein von Präsidentin Park Geun-hye eine Begrüßungszeremonie statt. Höhepunkt von Franziskus' Aufenthalt in Südkorea wird die Teilnahme an einem katholischen Jugendfest sowie die Seligsprechung von 124 Märtyrern sein.

Von

ap

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