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15.03.2013

20:32 Uhr

Franziskus

Vatikan vermutet Kampagne gegen Papst

Die Vergangenheit des neuen Papstes sorgt für Diskussionen. Der Vatikan wies nun Medienberichte über seine Rolle in der Militärdiktatur zurück – und sprach gar von einer verleumderischen Kampagne gegen Franziskus.

Die Vergangenheit des neuen Papstes sorgt für Unstimmigkeiten. Der Vatikan vermutet eine Kampagne gegen den neuen Pontifex. dpa

Die Vergangenheit des neuen Papstes sorgt für Unstimmigkeiten. Der Vatikan vermutet eine Kampagne gegen den neuen Pontifex.

Rom/MünchenMit ungewöhnlicher Schärfe hat der Vatikan Medienberichte über das Verhalten des neuen Papstes Franziskus in der Militärdiktatur (1976-1983) in Argentinien zurückgewiesen. Es handle sich um eine rufschädigende und verleumderische Kampagne, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag vor der internationalen Presse. Bergoglio habe damals viel getan, um Menschen zu schützen. Medienberichten zufolge soll Bergoglio als Jesuiten-Provinzial sich damals nicht hinreichend für zwei Jesuitenpater eingesetzt haben, die monatelang in Haft kamen und gefoltert wurden.

Francisco Jalics, einer der beiden Patres, betonte am Freitag in einer persönlichen Erklärung, er habe sich lange mit den Geschehnissen versöhnt und mit Bergoglio bereits vor vielen Jahren eine Messe gefeiert und sie hätten sich umarmt.

Fahrplan für den neuen Papst

Nach der Wahl

Direkt nach der Wahl ist Franziskus in die Suite im Gästehaus Santa Marta im Vatikan eingezogen. In den kommenden Wochen wird die traditionelle Papstwohnung im Apostolischen Palast über dem Petersplatz nach seinen Wünschen eingerichtet.

Audienz für die Kardinäle

Am zweiten Tag nach der Wahl empfängt der Papst um 11 Uhr alle Kardinäle in seiner Residenz, dem Apostolischen Palast, zu einer Audienz.

Treffen mit Korrespondenten

Am Samstag, 16. März, um 11 Uhr trifft der Papst die Vatikan-Korrespondenten und die Sprecher des Vatikans.

Erstes Angelus-Gebet

Am Sonntag, 17. März, spricht Papst Franziskus um 12 Uhr sein erstes Angelus-Gebet mit den Pilgern auf dem Petersplatz.

Feierliche Amtseinführung

Für Dienstag, 19. März, ist die feierliche Amtseinführung von Franziskus geplant. In einer Messe um 9.30 Uhr erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium (eine Art Stola) und den Fischerring.

Erste Generalaudienz

Für Mittwoch, 20. März, ist die erste Generalaudienz des neuen Pontifex vorgesehen.

Palmsonntag

Am Palmsonntag, 24. März, steht eine große Messe auf dem Programm, an der traditionell auch der Papst teilnimmt. Danach spricht Franziskus erneut das Angelus-Gebet.

Ostern

Ende März nimmt er an Ostern an der Karfreitagsprozession in Rom und der Feier der Osternacht am Samstag teil. Am Ostersonntag stehen für den neuen Papst Franziskus die Messe auf dem Petersplatz und der traditionelle Segen „Urbi et orbi“ auf dem Programm.

Erste große Reise

Die erste große Auslandsreise des neuen Papstes könnte ihn im Juli zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro in Brasilien führen.

Der 1927 in Budapest geborene Pater lebt seit 1978 in Deutschland - 20 Jahre lang leitete er das Exerzitienhaus Gries im oberfränkischen Wilhelmsthal (Landkreis Kronach), wo er auch seinen Lebensabend verbringt. Die deutsche Provinz der Jesuiten in München veröffentlichte die schriftliche Stellungnahme Jalics. Dieser befinde sich zu Exerzitien in Ungarn, hieß es auf dpa-Nachfrage. Der andere Pater starb im Jahr 2000 in Uruguay an Herzversagen.

Papst Franziskus: Ein Mann mit Vergangenheit

Papst Franziskus

Ein Mann mit Vergangenheit

Die Argentinier sind in Feierlaune, mit Franziskus wurde einer von ihnen Papst. Aber die Vergangenheit der katholischen Kirche in Argentinien ist nicht unbelastet – und wirft auch auf Franziskus einen Schatten.

Jalics kam 1957 nach Buenos Aires. 1974 sei er mit Erlaubnis des damaligen Jesuiten-Provinzials Bergoglio mit einem Mitbruder in ein Elendsviertel der Stadt gezogen. „Wir zwei im Elendsviertel hatten weder mit der Junta noch mit der Guerilla Kontakt“, schreibt Jalics. Durch Fehlinformationen und ein Missverständnis seien er und sein Mitbruder in Verdacht geraten, mit der Guerilla zu tun zu haben.

Nach fünftägigem Verhör haben ihnen ein Offizier die Freilassung versprochen. „Dieser Zusage zum Trotz wurden wir dann, auf eine für uns unerklärliche Weise fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten“, schreibt Jalics weiter. Und: „Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen.“

Erst Jahre nach der Befreiung und nachdem er Argentinien verlassen hatte, sprach Jalics mit dem inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio über die Geschehnisse. „Danach haben wir gemeinsam öffentlich Messe gefeiert und wir haben uns feierlich umarmt. Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen.“ Der Jesuitenpater schließt seine Stellungnahme mit den Worten: „Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt.“

Kommentare (20)

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Oliver42

15.03.2013, 21:27 Uhr

Ein weiterer zu alter Mann an der Spitze des Vatikans. In der Wirtschaft sind Menschen dieses Alters längst in Rente.

Ein weiterer Mann im katholischen Klerus, der die Gleichstellung der Frau und deren Zulassung zum Priesteramt blockiert.

Ein weiterer Mann im katholischen Klerus, der die gleichgeschlechtliche Liebe homosexueller Menschen angreift.


---> Fazit: Von diesem alten Mann ist nichts Gutes zu erwarten, weder akzeptiert er, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, noch akzeptiert er, dass homosexuelle Menschen einander lieben und ihnen ebenso die gleichen Rechte zustehen.

Er ist ein Mann, der Frauen und homosexuelle Paare als Bürger "zweiter Klasse" ansieht und verstößt zentral dadurch gegen die Lehre Jesus, der die Gleichheit der Menschen in ihren Rechten predigte. Er hält sich als Mann für wichtiger als eine Frau und er greift die LIEBE, das höchst Gottesgeschenk an, in dem er homosexuelle Paare angreift.

roterkaufmann

15.03.2013, 22:23 Uhr

schon der ausschluss der beiden pfaffen aus seinem orden durch den neuen vorstandsvorsitzenden der vatikan ag hat der militärjunta signalisiert, dass diese vogelfrei sind und entführt, gefoltert und bei bedarf auch ermordet werden dürfen.

ein weiterer ehrenwerter mann an der spitze der sekte mit den meisten verbrechen in bezug auf kindesmißbrauch.

cashca

15.03.2013, 22:27 Uhr

Man könnte fasst meinen, alles auf dieser Welt dreht sich nur noch um die Sexualität.
Es kann sie doch jeder leben wie er will, unabhängig davon, was der Papst davon hält .
Oder wurde schon mal einer daran gehindert?
Dazu gibt es halt verschiedene Meinungen, aber es gibt keinen Geistlichen, der Menschen diesbezüglich kontrolliert. Bei mir war noch keiner und hat nachgeschaut, was ich mache.
Der Papst gibt Empfehlungen, was jeder damit macht, bleibt ihm doch selber überlassen. Warum regt man sich darüber so auf?
Ich denke, wir haben derzeit ganz andere Probleme, die wirklich von existenzieller Bedeutung
sind, die das Leben der Menschen tagtäglich betreffen.
wEnn es der papst schafft, im Vatikan mal gründlch aufzuräumen, dann ist das schon mal was.
Als Jesuit dürfte er da wohl qualifiziert sein. Erst mal wieder Ordnung im eigenen Haus schaffen, dann sehen wir weiter. Von der bevorstehenden politischen Entwicklung ist ja immer auch der Vatikan betroffen.
Ich habe das Gefühl, man hat nicht ohne Grund, ohne reife Überlegung dazu ausgerechnet einen Jesuiten nach Rom geholt.
Nur so ein Gedanke!!

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