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30.10.2013

20:35 Uhr

Französische Geiseln im Niger

Glückliches Ende eines dreijährigen Leidenswegs

VonThomas Hanke

Gut 36 Monate befand sich eine Gruppe Franzosen im Niger in den Händen einer Al-Kaida-Splittergruppe. Nun sind die Männer frei – offenbar gegen Lösegeld. Die Geschichte der Befreiung liest sich wie ein Politthriller.

Vier Franzosen aus Geiselhaft befreit

Freiheit nach drei Jahren in den Händen von Terroristen

Vier Franzosen aus Geiselhaft befreit: Freiheit nach drei Jahren in den Händen von Terroristen

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ParisMehr als drei Jahre litten vier Franzosen als Geiseln einer Splittergruppe von Al Kaida, die zwischen Niger, Mali, Libyen und Algerien operiert. Am Dienstagabend wurden überraschend ihre Freilassung bekannt gegeben. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, der sie zusammen mit Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Niger begrüßte, betonte bei dieser Gelegenheit, dass Frankreich getreu seiner Doktrin keinerlei Lösegeld gezahlt habe. Seit Mittwoch wird genau daran gezweifelt: Mehrere französische Medien berichten übereinstimmend, dass zwischen 20 und 25 Millionen Euro an die Geiselnehmer geflossen seien. Die Details der Verhandlungen und Freilassung lesen sich wie ein Thriller: Angeblich taten die Soldaten und Geheimdienstagenten, die im äußersten Norden von Mali die befreiten Geiseln aufnahmen, alles dafür, die Geiselnehmer vor einem möglichen Vergeltungsangriff durch die Amerikaner zu schützen.
Im September 2010 waren sieben Franzosen in Arlit im Norden von Niger entführt worden. Dort liegt eine der größten Uranminen des staatlichen französischen Atomkonzerns Areva. Schnell wurde klar, dass es sich bei den Geiselnehmern um die Gruppe Al Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi auf Französisch) handelte. 2011 wurden drei der Entführten freigelassen. Doch danach stagnierten die Verhandlungen. Die französische Regierung bestand auf einer harten Linie, wollte kein Lösegeld (mehr) zahlen. Darauf ließen die Geiselnehmer sich nicht ein.

Die Gespräche kamen offenbar erst zu Beginn dieses Jahres wieder in Gang, kurz vor dem Start der „Operation Serval“, mit der Staatschef Francois Hollande verhinderte, dass die Terrorgruppe ganz Mali in Beschlag nahm. Der Elysée gab grünes Licht für den Versuch der Regierung von Niger, mit Aqmi Kontakt aufzunehmen, selbst wenn den Entführeren Geld in Aussicht gestellt würde. Über sechs Monate hinweg wurde verhandelt. In dieser Zeit töteten die französischen Soldaten Abu Zeid, den damaligen Chef von Aqmi, mit dem die Agenten von Niger über die Freilassung der Geiseln verhandelten.
Der Gesprächsfaden riss dennoch nicht ab. Die Vertrauensleute des Präsidenten von Niger erreichten eine Übereinkunft mit Aqmi: Freilassung gegen Zahlung eines Lösegeldes von 20 bis 25 Millionen Euro. Im Oktober fuhr eine Gruppe von 18 Franzosen und Tuareg in den Nordwesten von Mali. Aqmit hatte sich verpflichtet, die vier Geiseln mit Vorräten versorgt in der Wüste auszusetzen. Nach Übergabe des Lösegeldes stellten sie den Franzosen die GPS-Koordinaten von deren Aufenthaltsort zur Verfügung. Am 21. Oktober konnte die kleine Eingreiftruppe die vier Männer finden, für die damit eine Jahre lange Tortur zu Ende ging.
Ein weiteres Problem aber lag noch vor der Expedition: Den Aqmi-Kämpfern war versprochen worden, dass ihr Abzug gedeckt würde. Um die Ortung durch die US-Geheimdienste zu verhindern – und damit einen möglichen Drohnenangriff – ließen die Franzosen ihr Kommunikationsmaterial an Ort und Stelle zurück. Ein weiteres Hindernis bestand darin, dass die französische Armee gemeinsam mit UN-Truppen einen Tag vorher eine neue Offensive gegen versprengte Terrorgruppen in Mali gestartet hatte. Auch denen musste man ausweichen. Am 29. Oktober endlich kam der Konvoi in Kidal in Zentral-Mali an, von wo aus die vier Ex-Geiseln nach Niamey, Hauptstadt des Niger, flogen. Auf einer improvisierten Pressekonferenz mit Außenminister Fabius und dem Präsidenten von Niger Issoufou nahmen sie noch in lange Djellabahs gekleidet teil, einer hatte sein Gesicht verhüllt wie ein Tuareg.
Am Mittwochvormittag landeten sie mit einem französischen Regierungsflieger auf dem Militärflughafen Villacoublay südlich von Paris. Hollande nahm sie in Empfang.

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