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10.12.2013

12:09 Uhr

Französischer Einsatz

Zwei Soldaten in Zentralafrika getötet

Nur wenige Tage nach Beginn der Militärintervention beklagt Frankreich die ersten toten Soldaten. Präsident François Hollande will heute noch in das Krisenland reisen. In den vergangenen Tagen starben 400 Menschen.

Ein Konvoi der französischen Armee im zentralafrikanischen Bossangoa. dpa

Ein Konvoi der französischen Armee im zentralafrikanischen Bossangoa.

ParisBei ihrem ersten Nachteinsatz im Kampf gegen Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik sind zwei französische Soldaten gefallen. Die beiden Fallschirmjäger seien in der Nacht zum Dienstag in der Hauptstadt Bangui getötet worden, teilte das französische Präsidialamt in Paris mit. „Sie haben ihr Leben verloren, um das vieler anderer zu retten.“ Die beiden Soldaten seien bei Gefechten in der Nähe des Flughafens ums Lebens gekommen. Hollande sprach den Angehörigen der Soldaten sein tiefes Beileid aus und bekräftigte sein Vertrauen in die französischen Streitkräfte, um die Sicherheit in dem Krisenland wieder herzustellen.

Hollande wollte noch am Abend nach der Trauerfeier für Nelson Mandela in Johannesburg das Krisenland besuchen, in das er 1600 Soldaten geschickt hat. Diese sollen an der Seite der afrikanischen Union dem bedrängten Übergangspräsidenten Michel Djotodia im Kampf gegen muslimische Rebellen beistehen. Erst am Montag hatten die französischen Soldaten mit der Entwaffnung der Aufständischen begonnen. Bei Kämpfen zwischen Armee und Rebellen sind in Bangui in den vergangenen Tagen 400 Menschen umgekommen.

Rohstoffe aus Nordafrika

Mali

In dem Land, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, werden Bodenschätze vor allem im Norden vermutet. Abgebaut wird bisher nur Gold, weltweit belegt das Land hier den 18. Rang. Doch in der Region zwischen den bisherigen Islamistenhochburgen Kidal und Gao gibt es auch Uran. "Es handelt sich um eine ähnliche geologische Formation, wie die, die im benachbarten Niger die Uranminen des französischen Atomkonzerns Areva beherbergt", sagte die Afrikaexpertin Gaelle Aerson vor einiger Zeit dem Deutschlandfunk. Erdöl- und Erdgas-Projekte wurden laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) inzwischen wieder eingestellt.

Niger

Das Land stand 2011 bei der Uranproduktion weltweit an vierter Stelle, wie aus einer Energiestudie 2012 der Deutschen Rohstoffagentur hervorgeht. Frankreich, der größte Atomstromproduzent Europas, ist von dem Rohstoff abhängig. Und auch für die französischen Atomwaffen ist Uran unerlässlich. Nach Kasachstan ist Niger für Frankreich das zweitwichtigste Land, um seinen Uran-Bedarf zu decken. Deutschland wiederum deckt einen guten Teil seines Uranbedarfs aus Frankreich.

Im Niger baut der staatliche französische Atomkonzern Areva, 2011 der zweitgrößte Uran-Produzent weltweit, seit 40 Jahren Uran ab. Ende 2014 will Areva dort eine dritte Mine eröffnen, die nach Unternehmensangaben zur zweitgrößten weltweit werden soll. Derzeit sind vier Franzosen, die bei der Uranmine Arlit im Norden des Landes im September 2010 entführt wurden, nach wie vor Geiseln von Al-Kaida in Nordafrika (Aqmi). Neuerdings sichern auch Spezialkräfte der französischen Armee diese Areva-Anlagen. Mit den Minen machte Areva 2011 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Darüber hinaus gibt es im Niger auch Erdöl, das von einer chinesischen Firma gefördert wird. China ist dort auch im Uran-Abbau aktiv.

Algerien

Das nördliche Nachbarland Malis, in dem im Januar ein islamistisches Kommando hunderte Menschen in einer Gasanlage als Geiseln nahm, gehört für die deutsche Wirtschaft unter den zehn wichtigsten Ländern Afrikas für Raffinerieproduktion. Zwar liegen bei der Erdölproduktion weltweit andere Länder wie Saudi-Arabien weit vor Algerien. Doch für das nordafrikanische Land machen der Export von Erdöl, Erdgas und Raffinerieprodukten laut Auswärtigem Amt rund 98 Prozent seiner Deviseneinnahmen aus. Zudem verläuft von dort aus eine wichtige Pipeline zur Versorgung Südeuropas mit Erdgas.

Der Angriff der Islamisten auf das Gasfeld von In Aménas in Südalgerien wurde denn auch als Attacke auf die vitalen Interessen und als Versuch einer Destabilisierung Algeriens angesehen.

Libyen

Ähnlich ist die Lage in Libyen. Auch dort machen Energieexporte fast den gesamten Erlös im Außenhandel aus. Nach dem Umsturz im Jahr 2011 hat sich laut einem Bericht der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft die Erdölproduktion Anfang 2012 wieder weitgehend normalisiert. Die Produktion von Erdöl und Erdgas soll künftig deutlich ausgeweitet werden. Rund 40 Prozent der Landesfläche gelten demnach noch als unerforscht, es werden noch große Vorkommen in Libyen vermutet. Viele Großprojekte stehen wegen der politischen Unsicherheit aber still.

Derzeit vergeht in Libyen kaum ein Tag ohne einen Anschlag oder Angriff von Islamisten, die oft mit Gruppen in Algerien, Mali oder Niger zusammenarbeiten.

Quelle: dpa

Die von den Franzosen begonnene Entwaffnung der Milizen sei Voraussetzung für ein Ende der Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik, bekräftigte Steffen Krüger, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Demokratischen Republik Kongo in einem Interview mit dem WDR. Zur Zeit gebe es keine Alternative. Nur das schnelle Eingreifen der französischen Truppen könne kurzfristig die Gewalt beendet werden, erklärte Krüger.

Der Militäreinsatz wurde nach einer roten Schmetterlingsart „Sangaris“ genannt und soll „Minimum an Sicherheit“ schaffen, um einen humanitären Einsatz in der französischen Ex-Kolonie zu ermöglichen. Die Soldaten sollen so lange wie nötig bleiben.

Von

dpa

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