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22.09.2014

16:58 Uhr

Französischer Premier zu Besuch

Manuel Valls bittet in Berlin um Vertrauen

Zuhause durchlebte er unruhige Zeiten, bildete das Kabinett um und stimmte die Regierung auf Reformen ein. Nun erhält Frankreichs Premier Manuel Valls Lob für seine Anstrengungen. In Berlin wirbt er für Unterstützung.

Sie scheinen sich auch abseits des harten Geschäfts gut zu verstehen und ab und an Zeit für ein Witzchen zu finden: Angela Merkel und Manuel Valls. AFP

Sie scheinen sich auch abseits des harten Geschäfts gut zu verstehen und ab und an Zeit für ein Witzchen zu finden: Angela Merkel und Manuel Valls.

BerlinDer französische Premierminister Manuel Valls hat bei einem Berlin-Besuch um Vertrauen in die Reformwilligkeit seiner Regierung geworben. „Frankreich wird auf jeden Fall seiner Verantwortung gerecht werden“, sagte Valls am Montag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. „Wir werden die Reformen umsetzen, denn das liegt im Interesse Frankreichs.“ Er bekräftigte auch sein Festhalten am Sparkurs. Es sei „absolut notwendig“, die Haushaltsanstrengungen beizubehalten.

Er verstehe die „Fragen“ und „Zweifel“ von deutscher Seite, betonte der Sozialist. Die Deutschen müssten aber „mehr Vertrauen“ in Frankreich haben. „Frankreich ist ein großes Land.“ Zugleich forderte Valls von Deutschland mehr Anstrengungen für das Wachstum in Europa: „Die Franzosen werden Deutschland mögen, wenn es sich für Wachstum in Europa einsetzt.“

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Merkel lobte das „anspruchsvolle, ambitionierte französische Reformprogramm“. Sie wünsche der französischen Regierung „sehr viel Erfolg“ bei der Umsetzung. Die Kanzlerin mahnte zugleich, beide Länder müssten die „Anstrengungen unternehmen, die notwendig sind, um den Euro zu einer dauerhaft stabilen Währung zu machen, das Wachstum in Europa anzustoßen und die Glaubwürdigkeit europäischer Beschlüsse zu untermauern, wie zum Beispiel den Stabilitäts- und Wachstumspakt“.

In Deutschland wird dem wirtschaftlich angeschlagenen Frankreich immer wieder vorgeworfen, nicht die notwendigen Reformen umzusetzen. Kritik wird auch daran laut, dass Frankreich immer wieder seine Defizitziele nicht einhält. Paris dagegen pocht auf mehr Investitionen, um die lahmende Wirtschaft in Europa anzukurbeln, und sieht dabei insbesondere Deutschland in der Pflicht.

Von

afp

Kommentare (4)

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Herr Peter Spiegel

22.09.2014, 17:18 Uhr

„Wir werden die Reformen umsetzen, denn das liegt im Interesse Frankreichs.“

Welche Reformen Valls meint, sagt er nicht und seine Vorgänger auch nicht.

Herr Salvatore Bonpensiero

22.09.2014, 18:06 Uhr

Altdeutsche Weisheit:
"Vor zwei Dingen sollte man sich im Leben in Acht nehmen: vor Schlitzpissern und vor den Franzosen!" Zitat Ende.

Die Franzosen haben von 1949 bis 1990 jährlich Kriegs-Reparationszahlungen in Milliardenhöhe erhalten. Wir Deutschen haben deren Haushalt schon immer kräftig subventioniert und für die Franzosen mitgearbeitet. Glaubt denn wirklich jemand allen Ernstes, diese Interessenslage der Franzosen hätte sich geändert? Die wissen von Anfang an sehr genau, wozu sie den Euro nutzen wollen, nähmlich als Umverteilungs-Instrument. Und wer glaubt schon daran, dass selbst wenn man den Griechen, Italienern, Franzosen usw. die Schulden erlassen würde (oder Euro-Bonds o.ä.), dass die dann auf einmal sparsam und seriös haushalten würden. Niemals. Die Deutschen werden heute, morgen, und danach IMMER für die anderen mitarbeiten! Der Franzose leistet sich 45 Tage Urlaub, geht spätestens mit 60 in Rente, und die Personalkosten in Frankreich liegen 10-15% über den Deutschen! Das werden die niemals ernsthaft aufgeben und stattdessen dürfen wir Deutschen bis 67 oder gar noch länger arbeiten - für die Franzosen. Ja klar, was denkst du denn!

Und der Italiener? Und der Grieche? Lach... Ach Herrje, hör mir auf...

Frau Margrit Steer

22.09.2014, 18:52 Uhr

Frau Merkel ist doch zufriden, sie hat das Gefühl, die Franzosen tun genau das was sie befiehlt.
Alo lassen wir sie doch in diesem Glauben.
Merkel kennt halt das französ. Volk nicht

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