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25.10.2013

12:39 Uhr

Frauen-Fahrverbot in Saudi-Arabien

Frau am Steuer – Abenteuer

Die Polizei ist alarmiert, die Religionspolizei steht Knüppel bei Fuß: An diesem Samstag wollen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren. In dem islamischen Königreich ist das ein revolutionärer Akt.

Eine saudische Frau sitzt am Steuer des Familien-Autos. Saudi-Arabien ist das weltweit einzige Land, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. dpa

Eine saudische Frau sitzt am Steuer des Familien-Autos. Saudi-Arabien ist das weltweit einzige Land, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen.

Riad/Istanbul„Das ist ein Werk des Teufels und der Amerikaner“, wettern konservative Religionsgelehrte. Das Innenministerium wittert sogar eine Gefahr für die „Sicherheit und Stabilität“ des Landes. In Saudi-Arabien sind fünf verschiedene Organe der Sicherheitskräfte und der Religionspolizei in Alarmbereitschaft versetzt worden. Droht dem islamischen Königreich etwa eine Invasion? Nein, der Grund für die Aufgeregtheit ist – zumindest auf den ersten Blick – ganz harmlos. Eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen hat diesen Samstag zum Aktionstag gegen das Frauenfahrverbot erklärt. Sie wollen in verschiedenen Städten Auto fahren und Demonstrationen organisieren.

Alleine schon die Ankündigung lässt das Königreich in seinen Grundfesten erzittern. Daran ändern auch die Beteuerungen der Feministinnen nichts, die mit ihrer Kampagne nach eigener Aussage keine politischen Ziele verfolgen. Die Frauen haben sich sogar extra einen Slogan ausgedacht, in dem sie Respekt für ihre konservativen Widersacher ausdrücken: „Das Autofahren der Frau ist eine Option und keine Verpflichtung.“ Mit anderen Worten: Frauen, die auch in Zukunft nicht selbst fahren wollen, können sich auch weiterhin von einem männlichen Familienmitglied oder einem Chauffeur herumkutschieren lassen. Das Logo der Kampagne ist selbstironisch-lustig. Es zeigt ein Lenkrad, über dem ein Paar schwarz umrandete Augen zu sehen sind – eine Muslimin mit Gesichtsschleier.

Infrastruktur: Saudi-Arabien modernisiert sich

Industrie

Elf neue Industriestädte sollten ab 2012 und in den kommenden Jahren entstehen. Allein die 14 Millionen Quadratmeter große King Abdullah Economic City kostet 86 Milliarden Dollar und soll einen Hafen so groß wie Rotterdam bekommen. Das soll Hunderttausende Jobs bringen, denn die Arbeitslosigkeit bei den 20- bis 25-Jährigen liegt bei 40 Prozent.

Wohnungsbau

67 Milliarden Dollar sind für Bauprojekte vorgesehen. Allein 500 000 neue Häuser sollen errichtet werden. Neuer günstiger Wohnraum soll die Wohnungsnot beenden.

Gesundheit

19 Prozent des Staatshaushalts sollten ab 2012 in den Gesundheitssektor fließen. Für 65 Milliarden Dollar werden seitdem 121 Spezial-Kliniken gebaut und 66 Krankenhäuser modernisiert. Die Zahl der Krankenhausbetten sollte dabei von 54 000 in 2012 auf 97 500 im Jahr 2014 steigen.

Autoindustrie

Die Experten von „Business Monitor International“ haben errechnet, dass der Autoabsatz in Saudi-Arabien allein 2011 um zehn Prozent auf 688 900 Fahrzeuge zugelegt hat. Die Nachfrage soll künftig nicht mehr allein durch Importe gedeckt werden. Bis 2020 soll eine heimische Autoindustrie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 650000 Fahrzeugen aufgebaut werden.

Bildung

Für vier Milliarden Dollar wurde die Princess Nora Bint Abdul Rahman Universität in Riad für 60 000 Studentinnen gebaut. Zuvor war schon die King Abdullah University for Science & Technology gegründet worden. Für weitere Milliarden sind andere große Unis in Planung. Zudem sollen Schulen und Kindergärten massiv ausgebaut werden.

Verkehr

38 Milliarden Dollar sollten von 2012 an allein bis 2014 in den Ausbau des Schienennetzes und in Straßen gesteckt werden. Ganz neue Eisenbahnlinien sollen auch künftig entstehen, Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen vor allem für Rohstofftransporte gebaut werden. Weitere 11,3 Milliarden Dollar kostet aktuell der Flughafenausbau.

Energie

Der Strombedarf wächst rapide. Um den Energiehunger dauerhaft stillen zu können, müssen künftig 40 Prozent des bisher zur Stromgewinnung eingesetzten Öls eingespart werden. Dazu sollen 16 Atomkraftwerke durch die französische Areva und die saudische Bin Laden Group im Wert von über 100 Milliarden Dollar gebaut werden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollen binnen zehn Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden.

Öl und Gas

Dieser Sektor nimmt sich mit aktuell geplanten Investitionen von 37 Milliarden Dollar fast schon bescheiden aus. Allein 25 Milliarden verschlingen zwei neue Raffinerien für Saudi Aramco in Jubail und Yanbu.

Doch die islamisch-konservativen Hardliner sind der Meinung, der Platz der Frau sei ausschließlich am heimischen Herd. Sollten sich die Frauen ohne männliche Kontrolle von dort wegbewegen können, würde dies ihrer Ansicht nach der Unmoral Tür und Tor öffnen. Eher eine skurrile Randnotiz ist das Argument eines Islam-Gelehrten, der kürzlich behauptet hatte, das Lenken von Fahrzeugen wirke sich negativ auf die Eierstöcke aus.

Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, das Frauen das Autofahren verbietet. Saudi-Arabien ist das einzige Land weltweit, das Frauen das Autofahren verbietet. Frühere Versuche, das von vielen islamischen Religionsgelehrten unterstützte Verbot zu kippen, waren fehlgeschlagen. Auch die ersten weiblichen Mitglieder des „Schura-Rates“, die König Abdullah im vergangenen Januar ernannt hatte, waren mit einem Versuch gescheitert, eine Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

25.10.2013, 13:27 Uhr

"Doch die islamisch-konservativen Hardliner sind der Meinung, der Platz der Frau sei ausschließlich am heimischen Herd. Sollten sich die Frauen ohne männliche Kontrolle von dort wegbewegen können, würde dies ihrer Ansicht nach der Unmoral Tür und Tor öffnen."
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Ach Du grüne Neune!
Stewardess zu den Passagieren:
"Wir landen in 10 Minuten in Riad. Stellen Sie Ihre Sitze in aufrechte Position, das Rauchen ein und Ihre Uhren 600 Jahre zurück!"

"Eher eine skurrile Randnotiz ist das Argument eines Islam-Gelehrten, der kürzlich behauptet hatte, das Lenken von Fahrzeugen wirke sich negativ auf die Eierstöcke aus."
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Ob da irgend jemand klar ist, wie lächerlich das auf einen aufgeklärten, gebildeten Menschen wirkt? Das ist doch finsterstes Mittelalter!

Missi

25.10.2013, 14:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Schmalix

25.10.2013, 14:15 Uhr

Für alle Männer aus Saudi Arabien Einreiseverbot nach Deutschland erteilen und dieses menschenunwürdige Wertegefüge aus unserem Land zu halten.

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