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28.09.2015

14:23 Uhr

Frauenquote in Japan

Firmen wollen keinen Bonus für Frauenförderung

Die japanische Regierung hat ein Förderprogramm für Firmen ins Leben gerufen, das die Quote von Frauen in Führungspositionen erhöhen soll. Allerdings hat sich kein einziges Unternehmen um diese Förderung beworben.

In Japan ist der Anteil an Frauen, die berufstätig sind, geringer als in den meisten anderen Industrieländern. ap

Frau vor der Börse in Tokio

In Japan ist der Anteil an Frauen, die berufstätig sind, geringer als in den meisten anderen Industrieländern.

TokioKein Interesse an Frauenförderung: Nicht eine einzige Firma hat sich in Japan für ein Regierungsprogramm beworben, dass eine höhere Quote von Frauen in Führungspositionen mit Geldprämien belohnen wollte. Offensichtlich seien die Bedingungen für die Förderung zu streng gewesen, sagte eine Sprecherin des zuständigen Gesundheitsministeriums am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Das Programm sei „nicht gut“.

Die japanische Regierung hatte mit etwa 500 Interessenten gerechnet. Die ausgewählten Firmen sollten umgerechnet etwa 2200 Euro erhalten, wenn sie Ziele für Frauen in Führungspositionen erreichten und weibliche Angestellte für den Aufstieg trainierten.

Nach Angaben der Ministeriumssprecherin soll das Programm im Oktober neu gestartet werden. Die Bedingungen für die Unternehmen werden demnach gelockert, die Prämien in bestimmten Fällen verdoppelt.

Die Frauenquote in den EU-Staaten

Deutschland und der EU-Durchschnitt

Deutschland hat die Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen eingeführt. Demnach sollen Frauen ab 2016 30 Prozent der Mitglieder von Aufsichtsräten großer Unternehmen stellen. Derzeit liegt dieser Anteil nach einer Erhebung der Brüsseler Kommission in Deutschland bei rund 24,4 Prozent und damit über dem EU-Durchschnitt (20,3 Prozent).

Frankreich

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein. Die Vorschrift gilt für börsennotierte Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Auch im Staatsdienst hat Frankreich eine Frauenquote eingeführt, mit der bis 2018 ein Anteil von 40 Prozent Frauen in Spitzenpositionen erreicht werden soll. Schon heute liegt Frankreich mit einem Frauenanteil von mehr als 32 Prozent in den Vorständen börsennotierter Unternehmen deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Italien

Italien führte im Sommer 2011 eine Quote ein, die für börsennotierte sowie vom Staat kontrollierte Unternehmen gilt und Anfang des Jahres in Kraft trat. Demnach müssen demnach beide Geschlechter je mindestens ein Drittel der Vorstände stellen. Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, drohen Sanktionen.

Belgien

Belgien hat im Sommer 2011 eine Quote festgeschrieben. Sie sieht einen Anteil von jeweils mindestens einem Drittel Frauen in Führungsgremien von staatlich kontrollierten und börsennotierten und Unternehmen bis 2017 beziehungsweise 2019 vor. Für erstere sind laut Brüssel Sanktionen vorgesehen. Danach wäre jede Neubesetzung eines Postens automatisch nichtig, falls ein Unternehmen die Quote verletzt.

Niederlande

Im Mai 2011 wurde von den niederländischen Nachbarn ein Gesetz verabschiedet, das mindestens 30 Prozent Frauen und Männer in Vorständen vorsieht. Es bezieht sich auf börsennotierte Firmen sowie sonstige Unternehmen, wenn diese mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Österreich, Griechenland, Spanien

Alle drei EU-Länder haben zwar laut EU-Kommission Frauenquoten eingeführt. Sie gelten aber nur für Unternehmen, die komplett oder teilweise vom Staat kontrolliert werden. Zudem merkt die Kommission zur spanischen Regelung an, dass es sich wegen fehlender Konsequenzen, wenn die Quote nicht erfüllt werde, eher um eine Empfehlung handle. Beim Frauenanteil in den Vorständen privater Unternehmen hinkt vor allem Griechenland mit gerade mal sieben Prozent deutlich hinter dem EU-Durchschnitt hinterher.

Norwegen

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach verschiedenen Gesetzen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen, müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu rund 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen.

Island

Der nordische Staat, der vor einem Jahr die Beitrittsverhandlungen mit der EU auf Eis legte, hat 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sah vor, dass bis September 2013 Männer und Frauen mit jeweils mindestens 40 Prozent in den Vorständen bestimmter Unternehmen vertreten sind. Wie in anderen Ländern gelten dabei Schwellen bei der Mitarbeiterzahl. Heute ist die Quote in Island nach Angaben der Europäischen Frauenlobby bereits überschritten - demnach sind 46 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den von der Regelung betroffenen Unternehmen Frauen

Das Scheitern des ersten Programms kommt für Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe zur Unzeit: Erst am Sonntag hatte er sich vor der UNO in New York erneut zur Frauenförderung bekannt.

Abe hat die Berufstätigkeit von Frauen immer wieder als Schlüsselfaktor für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Japan bezeichnet. Im August trat ein Gesetz in Kraft, das große Firmen dazu verpflichtet, ihre Ziele für die Einstellung und die Beförderung von Frauen offenzulegen.

In Japan ist der Anteil von Frauen, die berufstätig sind, niedriger als in den meisten anderen Industrieländern. Als Hauptgründe gelten mangelnde Betreuungsangebote, zu geringe Förderung berufstätiger Frauen und allgemein ein tief verwurzelter Seximus.

Von

afp

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