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13.02.2012

00:00 Uhr

Freihandelszone

Hohe Hürden zwischen EU und Indien

VonStefan Mauer

Fünf Jahre, 14 Verhandlungsrunden - und kein Ende in Sicht: Europas Industrie drängt auf eine Freihandelszone mit Indien, doch dort fürchtet man eine zu starke Liberalisierung und hohe Kosten für Medikamente.

Gewürz-Laden in Mumbai: Im Handel mit der EU wird Indien noch immer wie ein Entwicklungsland behandelt. dpa

Gewürz-Laden in Mumbai: Im Handel mit der EU wird Indien noch immer wie ein Entwicklungsland behandelt.

MumbaiMit großen Worten versucht EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Neu-Delhi den nächsten Mini-Schritt in Richtung dessen, was einmal die größte Freihandelszone der Welt werden soll, zu feiern. „1,7 Billionen Menschen wird das EU-Indien Freihandelsabkommen nutzen; es wird das größte Abkommen dieser Art in der ganzen Welt sein.“ Im Herbst solle das Abkommen endlich unterschriftsreif sein - hofft zumindest Barroso.

Denn auch nach fünf Jahren und mehr als einem Dutzend Verhandlungsrunden sind Indien und die EU in vielen Punkten noch meilenweit von einer Einigung entfernt. Zudem kritisieren Menschenrechtsorganisationen, das geplante Abkommen könnte die Versorgung der armen indischen Bevölkerung mit Nahrung und Arzneimitteln gefährden.

Das Handelsvolumen zwischen der EU und Indien beträgt rund 86 Milliarden Euro, was die EU zum wichtigsten Handelspartner Indiens macht. Doch das Land wird im Handel mit der EU immer noch wie ein Entwicklungsland behandelt und genießt deshalb einige Privilegien beim Export in die EU. Im Zuge der Wachstums- und Entwicklungsstrategie der EU sollen diese Privilegien nach und nach durch bilaterale Abkommen und fallende Zollschranken ersetzt werden.

Die zu überwindenden Hürden sind in einigen Branchen extrem hoch: Wenn ein europäischer Autobauer einen seiner Pkw nach Indien exportiert, wird 60 Prozent Zoll fällig. Umgekehrt verlangt die EU von den indischen Exporteuren nur 6,5 Prozent. Auch bei alkoholischen Getränken schlagen sich die Abgaben extrem in den Preisen nieder. Auf importiertem Schnaps lastet je nach Bundesstaat bis zu 150 Prozent Zoll. Hinzu kommen regulatorische Besonderheiten wie zum Beispiel die, dass europäische Pharmafirmen einen besseren und längeren Schutz vor Generika verlangen oder die Einzelhandelskonzerne gerne eigene Supermärkte in Indien aufbauen würden.

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