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13.01.2010

15:43 Uhr

Freihandelszonen

In Asien formiert sich ein neuer Block

VonAndreas Rinke , Andreas Hoffbauer

Beim Freihandel mit den Asean-Staaten hat China Europa den Rang abgelaufen. Die Europäische Union will nun bilaterale Abkommen schließen. Währenddessen will Peking mit der Öffnung seiner Märkte seine Abhängigkeit von westlichen Ländern verringern.

PEKING/BERLIN. China setzt bei der Suche nach einem neuen Wachstumsmodell stärker als bisher auf die Region Asien. Der Wirtschaftsriese hat zum Jahresbeginn mit der Gemeinschaft Südostasiatischer Nationen (Asean) die - nach Wirtschaftsleistung - drittgrößte Freihandelszone der Welt gestartet. Damit fallen zunächst die Zölle auf 90 Prozent aller Waren im Handel zwischen China und Indonesien, Brunei, Malaysia, Singapur, Thailand und den Philippinen weg. Laos, Vietnam, Kambodscha und Birma sollen 2015 der zollfreien Zone beitreten.

Noch ist unklar, welche Auswirkungen der Schritt auf die Beziehungen zur Europäischen Union haben wird, die seit Jahren ebenfalls, aber vergeblich versucht hat, mit den Asean-Staaten eine ähnliche Vereinbarung zu treffen. Nach Angaben europäischer Diplomaten wird man nun versuchen, bilaterale Freihandelsabkommen mit einzelnen Asean-Staaten wie Singapur zu schließen. Ein solcher Vertrag soll dann Blaupause für andere Staaten und am Ende für eine Einigung mit der Asean als Ländergruppe sein. Solche Abkommen sind trotz der neuen Freihandelszone in Asien möglich, weil die Asean-Staaten die nationale Zuständigkeit für die Handelspolitik behalten haben.

Während die EU bisher mit ihrem Ziel eines umfassenden Handelsabkommens gescheitert war, setzte China bei der Freihandelszone vor allem auf den Zollabbau - und kam schneller zum Ziel. "In den nächsten zehn Jahren wird China seine Märkte weiter öffnen. Damit wird der gesamte Handel mit den asiatischen Staaten wachsen und die Abhängigkeit von den Exporten in westliche Länder abnehmen", beschreibt Tan Khee Giap, in der Regierung von Singapur für die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Asien-Pazifik-Raum zuständig, den Kern von Pekings Strategie.

Chinas Regierung hat vor allem mit der jüngsten Wirtschaftskrise erkannt, wie gefährlich es für die Exportnation ist, stark von Kunden in Europa und Amerika abhängig zu sein. Peking propagiert seit längerem eine Neuausrichtung des Wirtschaftsmodells mit einer stärkeren Konzentration auf die Märkte der heimischen Region.

Mit zahlreichen Staaten in Asien wurden bereits bilaterale Handelsabkommen geschlossen. Auch mit der Asean-Gruppe wurde 2002 ein erster Freihandelsvertrag unterzeichnet, seit 2005 wurden die Zölle gesenkt, um Wachstum und Stabilität in der Region zu sichern. Und die neue, fast zollfreie Partnerschaft mit China, von der mit 1,9 Mrd. Menschen fast ein Drittel der Weltbevölkerung profitieren soll, ist noch lange nicht das Ende: Vorbereitet sind ähnliche Abkommen mit Japan und Korea, aber auch mit Indien und Australien.

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