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04.09.2016

19:07 Uhr

Freistadt Christiania in Dänemark

Drogenkrieg im Hippie-Paradies

Von einer friedlichen Hasch-Oase haben die Gründer von Christiania einst geträumt. Doch der Drogenhandel hat Teile der Hippie-Kolonie zum Revier krimineller Banden gemacht. Einen Plan haben die Bewohner nicht.

Über die Räumung der Dealer-Straße waren sich die Bewohner von Christiania so einig wie sonst selten. AP

Aufräumaktion auf der Pusher Street

Über die Räumung der Dealer-Straße waren sich die Bewohner von Christiania so einig wie sonst selten.

Kopenhagen„Achtung! Aus dem Weg!“ Unter gewaltigem Getöse lädt der verrostete Gabelstapler eine Holzbude auf, auf der das Konterfei von Bob Marley prangt. Im Rückwärtsgang karrt der Fahrer das Ungetüm aus der berüchtigten Pusher Street, die für ihre Drogendealer bekannt ist. Die bunte Bude wackelt so gefährlich, dass einige Schaulustige aus dem Weg springen. Andere stehen in sicherem Abstand und klatschen.

Was an dem sonnigen Freitagmorgen in der Kopenhagener Hippie-Kolonie Christiania vor sich geht, ist der Versuch der Bewohner, die Kontrolle über ihren Freistaat zurückzuerlangen, indem sie die Pusher Street räumen. Der Freistaat ist alles andere als frei, seit Bandengewalt und organisierter Drogenhandel das Bild bestimmen. Am Donnerstag hatte ein 25-Jähriger auf zwei Polizisten und einen Urlauber geschossen. Das ist nur der jüngste traurige Vorfall in einer Entwicklung, die für viele Bewohner nichts mit dem friedlichen Hippie-Leben zu tun hat, von dem sie einmal geträumt haben.

„Das ist ein Statement, dass es zu weit gegangen ist“, sagt Nina Willumsen, eine Bohrmaschine in der Hand, über die Räumungs-Aktion. „Wir haben schon eine Zeit lang keine Kontrolle mehr über die Situation gehabt.“ Die Probleme mit Gewalt und Drogenhandel reichen Jahrzehnte zurück. Mitte der 80er Jahre stirbt ein Bandenfürst. Bei einer Schießerei wird 2005 ein junger Mann getötet, 2009 verletzt eine Handgranate mehrere Menschen. Mit groß angelegten Razzien versucht die Task Force Pusher Street der Polizei, dem illegalen Haschischhandel in Christiania endlich den Garaus zu machen. In einem riesigen Prozess werden Dutzende Drogendealer verurteilt.

Sieben skurrile Mikrostaaten

Sealand (Großbritannien)

Sealand liegt, wie der Name bereits verrät, mitten im Meer. Das Staatsgebiet der Mikronation umfasst die ehemalige britische Seefestung Maunsell. Das „Fürstentum“ liegt etwa zehn Kilometer vor der Küste von England in der Nordsee.

Conch Republic (USA)

Die sogenannte Conch Republic ist eine Mikronation, die am 23. April 1982 durch die Loslösung Key Wests und einigen benachbarten Inseln von den USA gegründet wurde. Am Flughafen von Key West empfängt das Schild „Welcome to the Conch Republic“ Reisende in dem Zwergstaat.

Alcatraz (Italien)

In Alcatraz leben keine Gefangenen, sondern eine kleine Gemeinschaft von Menschen, die Bäume schützt und das Leibeswohl zelebriert. Der Scheinstaat im italienischen Umbrien besitzt eine eigene Währung und Briefmarken. Eine Grundregel der Alcatraz-Bewohner: „Auch Ameisen haben Rechte.“

Fürstentum Hutt River (Australien)

Seit dem 21. April 1970 gibt es das Fürstentum Hutt River. Der Scheinstaat im äußersten Westen des australischen Kontinents wurde von dem Landwirt Leonard George Casley gegründet. Er ist der Eigentümer des 75 Quadratkilometer großen Staatsgebiets. Die australische Regierung verweigert dem Fürstentum zwar die formale Anerkennung als unabhängiger Staat, Hutt River ist dennoch beliebt bei Touristen aus aller Welt.

Republik Kugelmugel (Österreich)

In Wien liegt die Republik Kugelmugel. Das orangefarbene Kugelhaus aus Holz misst gerade einmal acht Meter im Durchmesser. Staatsgründer ist der Künstler Edwin Lipburger, der auch als Staatspräsident auftritt. Lipburger weigert sich Steuern an die österreichischen Finanzbehörden zu zahlen, was ihm bereits viel Ärger und schlechte Presse eingebrockt hat.

Freistadt Christiania (Dänemark)

Mitten in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen entstand vor mehr als vier Jahrzehnten aus einem alten Kasernengelände eine alternative Siedlung, die sich heute zu einer grünen Wohnumgebung für Familien, Künstler und Freidenker entwickelt hat. Mittlerweile dulden die dänische Behörden Christiania als autonomes Gebiet.

Königreich Deutschland (Deutschland)

Das Königreich Deutschland ist eine Mikronation, die im September 2011 vom Esoteriker Peter Fitzek in der Lutherstadt Wittenberg gegründet wurde. Fitzek sieht sich als Oberhaupt des von ihm selbst gegründeten Staates. Er betrieb ohne Erlaubnis der BaFin eine eigene Bank und mehrere Versicherungen.

Doch die Stände sind damit nicht aus der Pusher Street verschwunden. Auch jetzt werden sie wieder auftauchen, vielleicht in wenigen Tagen, vielleicht in einer Woche. Einen richtigen Plan für die Zukunft haben die „Christianitter“ noch nicht, nachdem sie die Pusher Street in Schutt und Asche gelegt haben. „Jetzt haben wir vielleicht ein paar Buden geschlossen“, sagt Anders Jørgensen, der seit 1980 in der Hippie-Kolonie lebt und dessen vier Kinder hier großgeworden sind. „Aber die Nachfrage können wir nicht verschwinden lassen.“

Nach der Überzeugung vieler Bewohner gibt es nur eine Lösung für ihr Jahrzehnte altes Problem: Dass die Regierung ihre Drogenpolitik ändert. „Wir meinen, dass es für Christiania und die dänische Jugend das Beste ist, das (Haschisch) zu legalisieren“, sagt Jørgensen.

Fünf Parteien im dänischen Parlament sind inzwischen auch dafür, die Droge zumindest versuchsweise in staatlichen Verkaufsstellen anzubieten. Doch unter anderem die drei größten – Sozialdemokraten, Rechtspopulisten und die liberale Regierungspartei – sperren sich noch gegen den Wunsch der „Christianitter“.

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