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13.01.2005

21:58 Uhr

Freitag stehen Schlussplädoyers auf dem Programm

US-Zeugen zeichnen widersprüchliches Bild über Misshandlungen

Der US-Militärprozess gegen den mutmaßlichen Rädelsführer der Gefangenenmisshandlungen von Abu Ghoreib, Charles Graner, nähert sich dem Ende.

HB FORT HOOD/WASHINGTON. Die Verteidigung schloss am Donnerstag ihre Beweisführung ab, so dass an diesem Freitag die Schlussplädoyers stattfinden können. Danach haben die Geschworenen das Wort.´

Von der Verteidigung aufgebotene Zeugen hatten zuvor ein teilweise widersprüchliches Bild von den Vorgängen und Verhältnissen in dem irakischen Gefängnissen gezeichnet. Die meisten von ihnen bestätigten, dass Graner an vielen Misshandlungen teilgenommen habe. Sie äußerten sich aber unterschiedlich zur Frage, ob es tatsächlich Befehle von Vorgesetzten gab, den Willen der Gefangenen durch Gewaltanwendung und Erniedrigung zu brechen. Graners Anwalt stützt seine Verteidigung hauptsächlich auf das Argument, dass sein Mandant nichts anderes getan habe als Anweisungen zu folgen. Dafür sei er auch mehrfach gelobt worden.

Am Donnerstag sagte eine ebenfalls der Misshandlung beschuldigte Gefreitin in dem Prozess auf dem Stützpunkt Fort Hood (Texas) aus, Geheimdienstoffiziere hätten den Befehl gegeben, die Gefangenen „weich zu klopfen“. Auf Fragen der Staatsanwaltschaft musste sie dann einräumen, dass sie früher eine sexuelle Beziehung zu Graner hatte und weiterhin eng mit ihm befreundet sei.

Ein weiterer Zeuge, ein ehemaliger Gefangener, schilderte mehrere Fälle, in denen er von Graner schwer geschlagen worden sei, nachdem dieser in seinem Beisein eine Anweisung dazu erhalten habe. Im folgenden Kreuzverhör durch die Anklage sagte er dann aber, er könne sich nicht mehr genau erinnern, ob es sich wirklich um einen direkten Befehl gehandelt habe.

Ein Geheimdienstoffizier hatte bereits am Mittwoch ausgesagt, Wachsoldaten seien aufgefordert wurden, „den Willen der Gefangenen für die Verhöre zu brechen“. Es habe aber keine Befehle zum Foltern gegeben. Ein weiterer Zeuge der Verteidigung gab an, dass Graner von einem hochrangigen Geheimdienstoffizier in Abu Ghoreib „ein guter Job“ bescheinigt worden sei, nachdem der Gefreite einen Gefangenen bewusstlos geschlagen habe. Im Kreuzverhör porträtierte er dann Graner als einen Mann, der mehrfach Befehle von Vorgesetzten missachtet habe und 2003 gemaßregelt worden sei, weil er bei den Misshandlungen zu weit gegangen sei.

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