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15.01.2014

10:48 Uhr

Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz

Kein Grüezi für die Deutschen

VonHolger Alich

Während die Deutschen über „Armutszuwanderung“ diskutieren, will die Schweizer Volkspartei die „Masseneinwanderung“ stoppen. Sind Deutsche Opfer Schweizer Ressentiments? Wie unser Korrespondent die Schweizer erlebt.

Ouvrir la porte aux abus? Offen für Missbrauch? Die Schweizer Volkspartei will die „Massenzuwanderung“ stoppen. dpa

Ouvrir la porte aux abus? Offen für Missbrauch? Die Schweizer Volkspartei will die „Massenzuwanderung“ stoppen.

ZürichAls ich nach meinem Umzug im August 2011 zum ersten Mal meinen Briefkasten in der Schweiz aufmachte, musste ich lachen. Denn als erste Postsendung bekam ich den Aufruf der SVP, der Schweizer Volkspartei, ihre Initiative gegen „Masseneinwanderung“ zu unterzeichnen. „Zu spät, ich bin schon da“, dachte ich – und schmiss das Ding gleich in den Korb für Altpapier.

Bei der vorangegangenen Wohnungssuche hatte mir tatsächlich einmal ein Vermieter seine Wohnung verweigert, mit der Begründung, „dass es in dem Viertel schon genug Ausländer hat.“ Das war es dann aber auch schon mit meinen Erfahrungen zu Anti-Deutschen-Ressentiments in der Schweiz – und jetzt wohne ich schon fast drei Jahre hier und bin auch viel im Land unterwegs.

Es gibt aber auch andere Stimmen. Ein geteiltes Bild zum Beispiel ergeben erste Zwischenergebnisse einer Studie des Ökonomen Thomas Köllen von der Wiener Wirtschaftsuniversität, der sich mit der Situation von Deutschen in der Schweiz und Österreich beschäftigt. „Als Tendenz kann auf jeden Fall schon festgehalten werden, dass ihr Deutsch-Sein ein großes Thema ist für die meisten Deutschen in der Schweiz, das häufig mit unterschiedlichen, eher negativen, Alltagserlebnissen oder Erlebnissen am Arbeitsplatz verbunden ist“ erklärt er.

Die Schweiz in Zahlen

Bevölkerung

Bevölkerung: Acht Millionen, der Anteil von Männern und Frauen liegt bei je 50 Prozent.

Ausländer

Ausländer:1,86 Millionen, 2013 zählte das Land netto 80 000 Zuwanderer.

Durchschnittsalter

Durchschnittsalter der Schweizer: 41, 6 Jahre. Zum Vergleich: Deutsche sind im Schnitt 43 Jahre alt.

Grenzen

Die Landesgrenze bildet die Schweiz mit Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Liechtenstein

Bruttoinlandsprodukt

Bruttoinlandsprodukt: 2010: 574,3 Milliarden Schweizer Franken, 2011: 586,8 Milliarden Schweizer Franken 2012: 593,0 Milliarden Schweizer Franken

Die größten Städte

Zürich (1,2 Millionen Einwohner), Genf (530.000), Basel (500.562), Bern (355.000), Lausanne (342.000), Luzern 211. 000), St. Gallen (151.000)

Sprachen

Sprachen: Deutsch 65,6 Prozent, Französisch 22,8 Prozent, Italienisch 8,4 Prozent, Rätoromanisch 0,6 Prozent.

Doch bisher haben nur 145 Deutsche, die in der Schweiz wohnen, an der Umfrage mitgemacht – die Ergebnisse sind also nicht repräsentativ. Deutsche mit Wohnsitz Schweiz lädt Ökonom Köllen daher ein, an der Studie noch mitzumachen. Von denen, die mitgemacht haben, stimmen rund 42 Prozent der Aussage zu, dass viele Leute am Arbeitsplatz Vorurteile gegenüber Deutschen hätten und sie die Deutschen behandeln würden, als wären diese Vorurteile wahr. 44 Prozent stimmen der Aussage wiederum nicht zu. Und immerhin rund 69 Prozent fühlen sich in der Schweiz tendenziell willkommen, ähnlich viele fühlen sich in der Schweiz aber auch als Fremde.

Die ersten Tendenzen der Untersuchung zeigen, wie vielschichtig das Thema ist. Als ich im vergangenen Herbst die Veranstaltung des bayrischen Wirtschaftsministeriums besuchte, das gezielt deutsche Hochqualifizierte nach Bayern locken wollte, hat mir indes keiner der Teilnehmer davon erzählt, dass er wegen einer Ablehnung der Schweizer überlege zu gehen. „Das hat sich gebessert, von vier oder fünf Jahren waren die Spannungen größer“, berichtete mir zum Beispiel der Informatiker Volker M., der schon zwölf Jahre in der Schweiz lebt.

Kommentare (56)

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15.01.2014, 11:26 Uhr

Lieber Herr Alich,
Sie sind offenkundig nicht auf dem neuesten Stand, was die Zahl der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland betrifft. Nach jüngst veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung waren es 2012 bereits 176000, davon 117000 Rumänen und 59000 Bulgaren, also relativ als mehr als die Zuwanderung durch Deutsche in die Schweiz, Tendenz stark steigend. Ob die die große Zahl von Rumänen und Bulgaren ein qualitatives Äquivalent zu den gleichzeitig abgewanderten hoch qualifizierten Deutschen ist, darf angesichts des hohen Anteils an Menschen aus prekären Lebensverhältnissen ernsthaft bezweifelt werden. Fragen Sie mal in Duisburg oder Dortmund nach!

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15.01.2014, 11:27 Uhr

das stimmt nicht! Gerade die deutschen stellen in der Schweiz ein Problem dar. Sie arbeiten weitaus billiger. Nur die Schweiz regelt das über die Arbeitserlaubnis. Ab gewissenen Jahren gibt es die nicht mehr. Deutschen müßen sich meist privat Krankenversichern. Keine Rentenansprüche bzw. nur wenig. Alles etwas kompliziert.

Kein Eurpoäisches Land ist so Ausländerunfreundlich wie die Schweiz!

Von daher Herr Gurkenmurkser, stimme ich Ihren Kommentar in keinster Weise zu!

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15.01.2014, 11:31 Uhr

Ich wohne nahe der Grenze und kenne einige Deutsche, die in der Schweiz wohnen und arbeiten, sowie Pendler. Aber alles sagen das gleiche: sehr gute Bezahlung und angenehmes Arbeitsklima. An die Verfasser: Verwechselt doch den "Sozialtourismus" in der schlafmützigen BRD mit der Arbeitsmigration in die Schweiz. Die Deutschen dort sind Fachkräfte und sogar "High Potentials". Hier bei uns bekommen wir Windows-Fachkräfte und Schlüsseltechnologen. Nebenbei, laut Polizeibericht ist die Anzahl der Einbrüche hier in 2 Jahren um 30 % gestiegen.

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