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27.09.2016

15:01 Uhr

French German Business Forum

Ein eingespieltes Team

VonThomas Hanke

Bei wichtigen Fragen wie dem Brexit sind sich Finanzminister Schäuble und sein französischer Amtskollege Sapin einig. Die Achse Deutschland/Frankreich funktioniert – aber nur auf Sparflamme, wie ein Wirtschaftsforum zeigt.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Sapin und  Bundesfinanzminister Schäuble in Paris:  Dort findet das 3. French German Business Forum statt. Quelle: Sébastian d'Halloy

Sapin und Schäuble

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Sapin und Bundesfinanzminister Schäuble in Paris: Dort findet das 3. French German Business Forum statt.

Quelle: Sébastian d'Halloy

ParisHärte gegenüber Großbritannien beim Brexit, Geduld, Pragmatismus und mehr Phantasie im deutsch-französischen Verhältnis und bei der Stärkung der Eurozone: Auf diese ganz knappe Formel kann man die Diskussionen des 3. French German Business Forums bringen, das in diesem Jahr in Paris stattgefunden hat. Eingeladen hatten das Handelsblatt und die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

Das Forum begann mit einem Dinner, bei dem Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Michel Sapin und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sich nicht nur beim Thema Brexit als eingespieltes Team erwiesen. Die Chefs von Axa und Roland Berger, Thomas Buberl und Charles-Edouard Bouée, setzten ihre eigene Akzente.

Frankreich und Deutschland: Enge Partner in unterschiedlicher Lage

Wirtschaft

Bei der Wirtschaftslage liegen zwischen den beiden Seiten des Rheins Welten. In Frankreich ist der Konjunkturmotor nach der Finanzkrise nicht wieder so recht in Fahrt gekommen, in den vergangenen beiden Jahren lag das Wachstum mit 0,2 und 1,2 Prozent spürbar niedriger als in Deutschland (1,6 und 1,7 Prozent). Richtig dramatisch tief ist der Graben am Arbeitsmarkt: In Frankreich sind 10,2 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Job; die Quote ist nach Eurostat-Zahlen mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (4,3 Prozent).

Flüchtlinge

Während Deutschland zum Zielland für Hunderttausende geworden ist, spürt Frankreich die Flüchtlingskrise deutlich weniger. Die Flüchtlingsbehörde registrierte 2015 knapp 73.500 Asyl-Erstanträge, 23,9 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland waren es fast 442.000, gut 150 Prozent mehr als 2014 – und viele Anträge waren da wegen des Andrangs noch gar nicht aufgenommen worden.

Demografie

In Deutschland bringt jede Frau im Schnitt 1,47 Kinder zur Welt. In Frankreich liegt die Geburtenquote dagegen bei zwei Kindern pro Frau, der höchste Wert in der EU. Das hat langfristig Auswirkungen beispielsweise auf Arbeitsmarkt und Rentensysteme, Wohnungsbedarf und Bevölkerungsentwicklung.

Staatshaushalt

Frankreich reißt seit Jahren die Brüsseler Drei-Prozent-Grenze für das Haushaltsdefizit – auch wenn das Minus dank der Niedrigzinsen zuletzt mit 3,5 Prozent etwas kleiner ausfiel als erwartet. Die Frist für das Erreichen der Zielmarke wurde mehrfach verschoben. Der deutsche Staat dagegen nimmt derzeit mehr Geld ein, als er ausgibt.

Terror

Frankreich steht unter dem Eindruck einer blutigen Terrorserie, die mit den Pariser Anschlägen vom November einen Höhepunkt fand. Die Debatte um Sicherheit ist deshalb zentral, das Land verunsichert. Auch in Deutschland ist Terrorismus nach den Anschlägen von Paris und Brüssel Thema; das Land blieb aber bislang von Anschlägen verschont.

Weder für die deutsche noch für die französische Regierung kommt es in Frage, sich von einer möglichen britischen Salami-Taktik übertölpeln zu lassen. Es sei absehbar, dass die britische Regierung verschiedene Branchen wie die Autoindustrie oder die Agrar- und Ernährungswirtschaft mit Zusagen eines vollen Marktzugangs auf ihre Seite zu ziehen versuche, um anschließend optimale Bedingungen für den eigenen Finanzsektor und eine möglichst geringe Arbeitgeber-Freizügigkeit zu erreichen. Genau deshalb werde man sich nicht auf sektorale oder nationale Vorab-Gespräche einlassen. Die britische Regierung müsse sich entscheiden, was sie wolle, und dann darüber die Verhandlungen mit der EU-Kommission beginnen.

Der britische Außenminister Boris Johnson irre sich, wenn er glaube, die Freizügigkeit der EU-Bürger zähle nicht zum Binnenmarkt. Man könne ihm gerne ein Vertrag des EU-Vertrags von Lissabon zuschicken und es ihm persönlich erklären, sagte einer der Minister.

Auffallend ist, dass die Politiker sich für konkrete, pragmatische Schritte aussprechen, um die Eurozone und die EU zu stärken, während die Unternehmenschefs eine „neue Vision für Europa“ verlangen, die vor allem die Jugend ansprechen müsse. Worin die bestehen kann, wird allerdings nicht ausgeführt, nur Stichworte wie die digitale Wende oder die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit fallen.

Kommentare (8)

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27.09.2016, 15:29 Uhr

Die Franzosen bleiben weiterhin im Euro und in der EU solange Deutschland den Sponsor für die EU und den EURO gibt. Weder Frankreich noch Deutschland macht sich aber aus lange Sicht damit einen Gefallen. Frankreich wird immer von Deutschland abhängig bleiben und Deutschland wird Schritt für Schritt in den Abgrund gezogen.

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27.09.2016, 17:03 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

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27.09.2016, 17:11 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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