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23.10.2012

21:00 Uhr

Freund oder Feind?

Wie Moskau zum US-Wahlkampf steht

VonOliver Bilger

Die Beziehungen zwischen Russland und den USA sind ein heißes Eisen. Das offenbarte sich zuletzt in der TV-Debatte zwischen US-Präsident Obama und seinem Rivalen Romney. Wen hätte Putin wohl lieber im Weißen Haus?

US-Präsident Barack Obama (r.) und Russlands Präsident Putin bei einem Treffen im Juni 2012. Reuters

US-Präsident Barack Obama (r.) und Russlands Präsident Putin bei einem Treffen im Juni 2012.

Barack Obamas Konter saß. Die letzte TV-Debatte zwischen dem US-Präsidenten und seinem Herausforderer Mitt Romney drehte sich auch um das Verhältnis zu Moskau. Romney hatte vor einiger Zeit Russland den „geopolitischen Feind Nummer eins“ genannt. Obama informierte vor laufenden Fernsehkameras seinen Herausforderer: „Die Achtziger Jahre haben angerufen, sie wollen ihre Politik zurück.“

Der Kalte Krieg ist eine immer wieder gern gespielte Karte zwischen Moskau und Washington. Auf beiden Seiten des Atlantiks sitzen Hardliner, die sich nicht damit abfinden wollen, dass die bipolare Welt, in der sich beide Seiten einst als Supermächte gegenüberstanden, nicht mehr existiert. Aber weder die Falken im Kreml noch einige Republikaner wollen sich von ihrem Lieblingsfeind trennen. Auch Präsident Wladimir Putin fällt das offenbar schwer. Er bezeichnete den Zusammenbruch der Sowjetunion einmal als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. In seiner Außenpolitik scheint oft erkennbar, dass er diesen Verlust noch nicht überwunden hat.

Zuletzt wählte Moskau aber offiziell freundliche Worte gegenüber Amerika. Russland hoffe, dass es unabhängig davon, wer bei den Präsidentschaftswahlen siege, keinen Platz für Konfrontationserklärungen geben werde, hieß es. „Wen das amerikanische Volk wählt, mit dem arbeiten wir zusammen“, erklärte Präsident Putin. Über Obama sagte der Kreml-Chef sogar: „Ich glaube, dass er ein aufrichtiger Mensch ist und wirklich viele Veränderungen zum Besseren will“. Während er Romney für seine Haltung tadelte.

Dennoch knirscht es in den Beziehungen zwischen Moskau und Washington. Und ein Sieg Romney käme Putin nicht völlig ungelegen. An einem Republikaner konnte sich der russische Präsident schon immer besser reiben, als an einem demokratischen Chef im Weißen Haus. Bei konservativen Russen kann Putin damit durchaus punkten. Amerika spiele eine wichtige Rolle für Russland, nicht nur in der Außen- sondern auch in der Innenpolitik, sagt die Politologin Lilia Schewzowa vom Moskauer Carnegie-Center.

Vom „Neustart“, den Dmitrij Medwedjew und Barack Obama einst ausriefen, ist inzwischen nicht mehr viel zu spüren. Zwar wurde der Start-Vertrag über die Abrüstung von Atomwaffen abgeschlossen. Der Streit um die Raketenabwehr in Osteuropa schwelt jedoch weiter. Auseinandersetzungen gibt es auch um den in den USA inhaftierten russischen Waffenhändler Viktor Bout, dessen Auslieferung Moskau fordert. Für Ärger sorgt die die so genannte Magnizkij-Liste, die Einreiseverbote für russische Beamte vorsieht, die in den Tod eines russischen Anwalts in Haft verwickelt sein sollen. Im Syrienkonflikt scheint eine Einigung zwischen den UN-Vetomächten USA und Russland fast unmöglich.

Kommentare (3)

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Rudimentaer

24.10.2012, 00:07 Uhr

"Romney hingegen träume offenbar von einer Rückkehr in die Zeit zweier sich feindlich gegenüberstehenden Blöcke"

Romney träumt nicht nur davon, er wird es wahr machen wenn man Ihn zum Präsidenten wählen sollte. Er und sein Buddy Netanjahu sind doch bereits ganz geil den Iran anzugreifen. Sollte dieser Schritt unternommen werden gab es die längste Zeit Beziehungen zwischen den USA und Russland...

ZaheneZusammenBeissen

24.10.2012, 03:39 Uhr

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MONEY-t-R-aDe-MARK

24.10.2012, 04:09 Uhr

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