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15.01.2004

14:34 Uhr

Freundin schildert Mordhergang

Lindh-Mord: Augenzeugin spricht von "perverser" Tat

Anna Lindhs ehemalige Mitarbeiterin und Freundin Eva Franchell sagte am Donnerstag als wichtigste Zeugin gegen den geständigen Angeklagten Mijailo Mijailovic in Stockholm aus. Sie schilderte die Tat als "pervers wirkenden“ Angriff. Der Täter sei bei seinen Messerstichen in einem Stockholmer Kaufhaus „mit fürchterlicher Aggressivität“ gegen das Opfer vorgegangen.

HB STOCKHOLM. Mijailovic verweigerte am zweiten Tag des Prozesses jede Aussage zur Tat, nachdem er am Vortag den Angriff gestanden, aber jede Tötungsabsicht bestritten hatte. Der Arzt, der die Leiche obduziert hatte, sagte aus, die 46-jährige ermordete schwedische Außenministerin sei von sieben oder acht Messerstichen in Bauch, Brust und Arme getroffen worden. Den Tod führte dabei ein Stich in die Leber herbei. Ein anderer Stich in einen Arm sei mit solcher Kraft geführt worden, dass das Messer den Knochen glatt durchschlagen habe.

Die populäre Politikerin wollte am 10. September letzten Jahres ohne Begleitung durch Leibwächter im NK-Kaufhaus Kleidung für einen TV-Auftritt am Abend einkaufen. Franchell berichtete, der groß wirkende Mijailovic sei plötzlich auf die kleingewachsene Ministerin zugestürmt und habe sie mit seinem Körper in einen Kleiderständer gedrängt. „Auf mich wirkte das erst pervers.“

Dass der Angreifer ein Messer hatte, habe sie erst nach dessen Verschwinden erkannt. Juristische Experten erklärten nach der nur anderthalbtägigen Verhandlung, die Aussage des als psychisch gestört geltenden und drei Mal vorbestraften Mijailovic sei sehr lückenhaft gewesen und lasse entscheidende Fragen offen. Vor allem mit Blick auf die Möglichkeit eines Helfers bei der Flucht unmittelbar nach der Tat gebe es widersprüchliche Angaben.

Der Angeklagte ist als Sohn serbischer Zuwanderer in Schweden geboren. Nach eigenen Aussagen will er aus einem augenblicklichen Impuls und ohne jedes politische oder persönliche Motiv gegen Lindh gehandelt haben. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hat Mijailovic den Mord etwa 15 Minuten lang geplant und gezielt durchgeführt, nachdem er Lindh in dem Kaufhaus erstmals erblickt hatte.

Bei den am kommenden Montag anstehenden Abschlussplädoyers will Mijailovics Verteidiger, Peter Althin, eine rechtspsychiatrische Untersuchung beantragen. Deren Ausgang gilt als ausschlaggebend für das Ende Februar zu erwartende Urteil. Experten waren fast einhellig der Meinung, Mijailovic werde entweder zu lebenslanger Haft oder zu Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Station verurteilt.

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