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29.03.2016

15:49 Uhr

Friedensgespräche zu Syrien

„Welcher Waffenstillstand?“

Syrer haben wenig Hoffnung in die Friedensgespräche in Genf. Viele fühlen sich von der internationalen Gemeinschaft allein gelassen. Auch an der Waffenruhe gibt es Zweifel. Was Syrer in diesen Tagen umtreibt.

Die Hoffnung auf Frieden ist im Bürgerkriegsland Syrien gering. Die Friedensgespräche im fernen Genf werden kaum verfolgt. AFP; Files; Francois Guillot

Syrische Schulkinder

Die Hoffnung auf Frieden ist im Bürgerkriegsland Syrien gering. Die Friedensgespräche im fernen Genf werden kaum verfolgt.

Kilis, Genf3500 Kilometer liegen zwischen Genf und diesem staubigen Ort in der Türkei, an dem sich eine Mutter mit ihren Söhnen und Töchtern auf gepackten Taschen niedergelassen hat. Dort, in der fernen Schweiz, ringen Syriens Regierung und Opposition um Frieden, doch davon weiß die Frau, die hier am Grenzübergang nahe der Stadt Kilis wartet, nur wenig.

Die Lage der Flüchtlingsfamilie aus Syrien ist in der Türkei so trübe, dass sie zurück nach Syrien will, obwohl dort noch immer Bomben fallen. Das beschäftigt die Mutter jetzt, nicht das Gezerre in Genf. Nein, sagt sie, sie verfolge die Verhandlungen nicht: „Ich habe gar keinen Fernseher.“

Grenzübergang Öncüpinar, Südtürkei. Wie die Frau mit ihrer Familie warten an diesem Tag zwei Dutzend Syrer darauf, dass sie zurück in ihre Heimat können. Lastwagen auf dem Weg nach Syrien rauschen vorbei und wirbeln Staub auf. Fliegende Händler verkaufen Wasser, Kaffee und Zigaretten. Öncüpinar ist kein schöner Ort zum Warten.

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Waffenruhe

In dem Text heißt es, eine Feuerpause werde binnen einer Woche in Kraft treten, und zwar „nach der Bestätigung durch die syrische Regierung und die Opposition“. Obwohl es eine solche bislang von beiden Seiten nicht gegeben hat, gehen Diplomaten davon aus, dass die Frist für die Waffenruhe an diesem Freitag ausgelaufen ist.

Allerdings ging die Gewalt in mehreren Teilen Syriens weiter. In den Tagen zuvor hatte vor allem die russische Luftwaffe nach Angaben von Aktivisten ihre Angriffe intensiviert, um die Regime-Anhänger gegen Rebellen zu unterstützen. Ausgenommen von der Feuerpause sind nur Kämpfe gegen Extremisten etwa der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der Al-Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida.



Hilfslieferungen

Die Einigung sieht zudem humanitäre Hilfe für sieben belagerte Gebiete vor, in denen Zehntausende Menschen akut unter Mangelversorgung leiden. In fünf Orten kamen in dieser Woche Hilfskonvois mit Nahrung und Medizin an. Die Lieferungen sollen nach UN-Angaben in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen. Zudem laufen Vorbereitungen, die vom IS eingeschlossenen Teile der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur aus der Luft zu versorgen.

Friedensverhandlungen

Die Anfang Februar ausgesetzten Gespräche zwischen Regierung und Opposition sollen vorangetrieben werden. Allerdings ist völlig unklar, wann sie weitergehen können. Der zunächst angedachte Termin 25. Februar ist unrealistisch.

Mittlerweile hat das sechste Jahr des syrischen Bürgerkrieges begonnen. Mehr als 250.000 Menschen sind ihm zum Opfer gefallen, große Teile des Landes zerstört, Millionen Syrer vertrieben, die Menschen erschöpft. In jedem Gespräch mit ihnen ist ihre Verzweiflung rauszuhören. Die Friedensverhandlungen in Genf geben ihnen keine Hoffnung.

Die zweite Runde der Gespräche war in der vergangenen Woche geendet. Am 9. April sollen die Friedensverhandlungen fortgesetzt werden. Der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, zeigte sich nach den bisherigen Gesprächen zwar ermutigt. Doch beim Ringen um eine dauerhafte Friedenslösung sind bisher keine erkennbaren Fortschritte in Sicht.

Der Arzt Muhammad Derbas verschwendet nur wenige Gedanken an das Geschehen in der Schweiz. Er versucht den Menschen zu helfen, die vor Bomben in das syrische Grenzgebiet geflohen sind und festsitzen, weil die Türkei die Grenze geschlossen hat. Zehntausende lebten dort in Zelten, erzählt der 30-Jährige. „Es gibt keinen Strom, es mangelt an Wasser und Toiletten“, klagt er. Heftiger Regen habe den Boden aufgeweicht und die Zelte unterspült. Durchfallerkrankungen verbreiteten sich.

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