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22.01.2014

14:04 Uhr

Friedenskonferenz

Assad-Anhänger und Opposition attackieren sich heftig

Fast 40 Außenminister aus der ganzen Welt sind nach Montreux gereist, um über den Frieden in Syrien zu verhandeln. Doch die Gräben zwischen der Assad-Regierung und der Opposition sind tief. Sehr tief.

Friedensgespräche in Montreux: „Alle Welt schaut auf Sie, die Sie heute hier versammelt sind, um das unsägliche Leiden zu beenden.“ dpa

Friedensgespräche in Montreux: „Alle Welt schaut auf Sie, die Sie heute hier versammelt sind, um das unsägliche Leiden zu beenden.“

MontreuxZum Auftakt der Friedenskonferenz zum Syrien-Konflikt haben sich Vertreter der Staatsführung und der Opposition heftig attackiert. Der syrische Außenminister Walid al-Muallim warf den Gegnern von Staatschef Baschar al-Assad am Mittwoch im schweizerischen Montreux vor, „Verräter“ und „Agenten im Dienst von Feinden des syrischen Volks“ zu sein. Die Opposition bekräftigte ihre Forderung nach einem Rücktritt Assads.

„Wenn man im Namen des syrischen Volkes sprechen will, darf man nicht Verräter am syrischen Volk sein“, sagte al-Muallim. Den internationalen Unterstützern der Opposition warf er bei der Konferenz am Genfer See vor, „Blut an den Händen“ zu haben. Sie wollten „Syrien destabilisieren“.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Ahmed Dscharba, Chef des wichtigsten Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition, rief Assads Führung dazu auf, „unverzüglich die Genf-1-Vereinbarung zu unterzeichnen“. Nach deren Vorgabe müsse die „Macht einschließlich der Armee und der Sicherheitskräfte von Assad an eine Übergangsregierung“ übergeben werden.

Zu der Syrien-Friedenskonferenz reisten die Außenminister von fast 40 Staaten und Regionalorganisationen auf Einladung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in die Schweiz. Bei den Verhandlungen sollen Lösungen für ein Ende des blutigen Bürgerkriegs gesucht werden. Deutschland wird von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vertreten.

Erstmals sitzen sich auch Vertreter der syrischen Führung und der Oppositionsgruppen gegenüber. Beide Seiten sind vor allem in der Frage der Zukunft Assads gespalten. Der Iran, eine wichtige Macht in dem Konflikt auf der Seite Assads, ist nach diplomatischen Verwicklungen um seine Teilnahme nicht vertreten.

Ban sagte zur Eröffnung der Konferenz, „nach fast drei schmerzhaften Jahren des Konflikts und des Leidens in Syrien“ gebe es nun „einen Tag der Hoffnung“. Es gebe keine Alternative zu einem Ende der Gewalt, appellierte er an die Teilnehmer. „Alle Welt schaut auf Sie, die Sie heute hier versammelt sind, um das unsägliche Leiden zu beenden“, sagte Ban.

Kommentare (1)

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N_K

22.01.2014, 17:28 Uhr

»Assad-Anhänger und Opposition attackieren sich heftig«

Müssen sie ja, sonst stimmt das Drehbuch nicht mehr. Der ganze »Syrien-Konflikt« ist doch nichts anderes als ein blutiges und menschenverachtendes Theater, ein weiterer Versuchs-Schritt der USA, eine »Neue Weltordnung« unter US-Diktat zu installieren. Nachdem sich aber China und Rußland 2011 vom »Großen Bruder« mit der lybischen Flugverbotszone (die in Wirklichkeit eine westliche Bombardierungszone war) über den Tisch ziehen ließen, sind sie inzwischen aufgewacht und haben ihrerseits eine rote Linie bisher erfolgreich verteidigt.

Der britische »Daily Telegraph« wird sich die Meldung, nach der die USA, Katar und Saudi-Arabien der bewaffneten syrischen Opposition, die gegen islamistische Gruppierungen kämpft, geheime Unterstützung leisten, wohl kaum aus den Fingern saugen.

Auffallend ist zudem, daß am 18.August 2013 die UN-Giftgaskommission in Damaskus eintraf und 3 Tage später, am 21. August, der »ASSAD-Giftgasangriff« erfolgte. Hätte Assad diesen Angriff wirklich befohlen, wäre er total bescheuert – was er ganz sicher nicht ist.

Und jetzt? Pünktlich zum 2. Genfer Konferenz-Theater berichtet die FAZ unter Bezug auf den britischen „Guardian“ sowie den amerikanischen Fernsehsender CNN von systematischer Folter an Häftlingen. Ein übergelaufener syrischer Militärpolizist will rund 55.000 Bilder von 11.000 toten Häftlingen selbst fotografiert haben.

Wer soll denn das noch glauben? Nach ÄGYPTEN, IRAK, LYBIEN, TUNESIEN usw.. ?

Wie weit soll denn die Kriegshetzerei noch gehen? Kann denn der AMI außer Kriegspielen (Aufstände schüren, Revolutionen anzetteln) und Schulden machen noch etwas anderes? (Damit meine ich NICHT die Bevölkerung!)

Hoffentlich bleiben China und Rußland hart und vereiteln die USA-Pläne einer ORWELL- oder HUXLEY’schen Weltdiktatur.

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