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18.01.2014

03:03 Uhr

Friedenskonferenz

Syrische Opposition verschiebt Beratungen

Mit Drohungen und Versprechungen wollen die USA und Russland die syrischen Bürgerkriegsparteien an den Verhandlungstisch zwingen. Die Opposition vertagte die Beratungen am Freitag kurzfristig.

Der Chef der Syrischen Oppositionsbewegung, Ahmad al-Jarba, bei einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry im Januar in Paris. Reuters

Der Chef der Syrischen Oppositionsbewegung, Ahmad al-Jarba, bei einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry im Januar in Paris.

Moskau/IstanbulDie zerstrittene syrische Opposition hat ihre Beratungen über eine Teilnahme an der Friedenskonferenz für das Bürgerkriegsland auf Samstag verschoben. Am Freitag seien in Istanbul zunächst die Bedenken von etwa 40 Delegierten diskutiert worden, sagte der Sprecher der Syrischen Nationalen Koalition, Chaled Saleh, im türkischen Istanbul. Diese hatten die mangelnde Transparenz innerhalb des Oppositionsbündnisses kritisiert und mit ihrem Rücktritt gedroht.

Nach intensiven Gesprächen habe sich die Hälfte von ihnen entschieden, an der Vollversammlung teilzunehmen, die nun am Samstagmorgen offiziell eröffnet wird, verlautete aus Diplomatenkreisen.

Die Beratungen, die eigentlich am Freitagmittag beginnen sollten, finden hinter geschlossenen Türen in einem Hotel statt. Ein Vertreter aus dem Umfeld des Präsidenten der Syrischen Nationalen Koalition, Ahmad Dscharba, hatte zuvor gesagt, es sei "nicht einfach", zu einer Entscheidung zu kommen. Der zu dem Bündnis gehörende Syrische Nationale Rat drohte für den Fall, dass die Opposition sich in der Schweiz mit der Regierung an einen Tisch setzt, bereits mit einem Rückzug aus der Koalition.

Die Friedenskonferenz soll am Mittwoch im Schweizerischen Montreux beginnen. Die meisten Beobachter erwarten, dass die Allianz die Einladung zu den Friedensgesprächen annehmen wird.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Kurz vor Beginn der Verhandlungen hatte das syrische Regime erste Zugeständnisse gemacht. Damaskus bot den Regierungsgegnern am Freitag eine Waffenruhe für die Stadt Aleppo und einen Gefangenenaustausch an. Beides hatte das Regime von Präsident Baschar al-Assad bislang abgelehnt. Möglicherweise sei es jetzt von seinen russischen Verbündeten umgestimmt worden, so Beobachter.

Außenminister Walid al-Muallim sagte in Moskau, er habe seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow einen Vorschlag für Sicherheitsmaßnahmen unterbreitet, die eine Waffenruhe in Aleppo begleiten sollten. Ein Teil von Aleppo wird momentan von Rebellen kontrolliert, ein Teil von den Regierungstruppen.

Kommentare (1)

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17.01.2014, 13:21 Uhr

Ich hoffe für Syrien das die gemäßigten Rebellen und Assad zu einer Lösung kommen. Für Syrien wäre es das beste die beiden Gruppen legen ihren Streit schnell bei und kümmern sich zusammen um die dritte Kriegspartei, die Islamisten.

Gegen die gerne auch mit westlicher Waffenhilfe.

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