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06.10.2017

12:41 Uhr

Friedensnobelpreis 2017

Atomwaffengegner erhalten Nobelpreis

VonHelmut Steuer

Der Friedensnobelpreis 2017 wird an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) verliehen. Die Organisation habe „die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Folgen“ von Atomwaffen gelenkt.

Friedensnobelpreis für ICAN

„Das ist eine Verneigung vor den Opfern der Nuklear-Angriffe“

Friedensnobelpreis für ICAN: „Das ist eine Verneigung vor den Opfern der Nuklear-Angriffe“

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OsloDer Friedensnobelpreis 2017 geht an die Internationale Kampagne gegen Atomwaffen, ICAN. Die Organisation erhält den Preis, weil „sie die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Folgen jeglichen Gebrauchs von Atomwaffen“ gelenkt hat, heißt es in der Begründung des Nobelkomitees in Oslo. ICAN ist eine Dachorganisation für rund 450 Gruppen aus 100 Ländern, die sich für Abrüstung einsetzen. Der Name der Organisation ist eine Abkürzung für International Campaign to Abolish Nuclear Weapons.
„Wir leben in einer Welt, in der die Gefahr, dass Atomwaffen benutzt werden, größer als seit Langem geworden ist“, schreibt das Komitee in der Begründung. „Einige Staaten modernisieren ihre Arsenale, und es besteht eine realistische Gefahr, dass weitere Länder auf nukleare Waffen setzen, wie beispielsweise Nordkorea“, heißt es weiter. Und das norwegische Nobelkomitee forderte die Atommächte auf, „ernsthafte Verhandlungen“ über die Vernichtung von rund 15 000 Atomwaffen in der Welt zu starten, erklärte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen.

In einem ersten Kommentar bezeichnete die ICAN-Chefin Beatrice Fihn die Ehrung ihrer Organisation als „unglaublich“. Die 34-jährige hatte nicht mit der wichtigsten politischen Auszeichnung gerechnet. „Wow, ich bin geschockt, das ist phantastisch. Welch eine Ehre“, sagte sie. Schwedens Außenministerin Margot Wallström zeigte sich zufrieden mit der Wahl von ICAN. „Es ist hochverdient und an der Zeit“, sagte sie in Stockholm.

Auch aus Berlin kamen positive Reaktionen. Deutschland unterstütze den Gedanken an eine Welt ohne Atomwaffen, erklärte ein Regierungssprecher in Berlin und gratulierte dem norwegischen Nobelkomitee für die Entscheidung. Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, die selbst zu den Favoritinnen für den diesjährigen Friedensnobelpreis gehörte, zeigte sich zufrieden. „Gut zu sehen, dass der Nobelpreis 2017 an @nuclearban geht“, twitterte sie.

Unter der Leitung der Schwedin Beatrice Fihn organisiert die Organisation von Genf aus ihren Arbeit für Abrüstung. Die Organisation ist noch recht jung, sie wurde erst vor zehn Jahren gegründet. Seitdem setzt sich ICAN für Abrüstung ein und erreichte im Juli dieses Jahres, dass 122 Staaten einen Vertrag gegen Atomwaffen unterzeichneten. Das Abkommen verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von nuklearen Waffen. Allerdings sprachen sich die neun Atommächte und weitere Staaten, darunter Deutschland, gegen das Abkommen aus. Unter anderem weisen sie darauf hin, dass das Abkommen nicht mit der Mitgliedschaft im Nordatlantischen Verteidigungsbündnis vereinbar sei.

In diesem Jahr musste das Osloer Nobelkomitee unter 318 Vorschlägen auswählen. Die Frist, bis zu der ehemalige Friedensnobelpreisträger, Parlamentarier, Regierungsmitglieder und Wissenschaftler ihre Kandidatenvorschläge einreichen konnten, endete am 1. Februar dieses Jahres. Seitdem haben sich die Mitglieder des Osloer Nobelkomitees mehrere Male getroffen, um zusammen mit externen Beratern die Liste auf rund zehn Namen zusammenzustreichen. Wer auf der Liste steht, ist eines der bestgehütetsten Geheimnisse in der norwegischen Hauptstadt. Alle Namen von Einzelpersonen oder Organisationen, die in den Medien kursierten, beruhten auf Spekulationen, beziehungsweise auf Angaben von den Personen, die Kandidaten vorschlagen dürfen.

Zu den Favoriten zählten in diesem Jahr die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, der iranische Außenminister Javad Zarif und der ehemalige US-Außenminister John Kerry. Sie hatten 2015 die Verhandlungen zum Atomabkommen mit dem Iran maßgeblich organisiert.

Kommentare (10)

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Herr Donald Ta

06.10.2017, 11:41 Uhr

Wieder mal für Atomwaffengegner!
Am Tag der Verkündung, dass Obama eine Nobelpreis erhalten werde,
hat er schlicht und einfach einen Befehl über die Modernesierung der amerikanischen Atombomben unterschrieben!!!
Diese Preis ist mittlerweile mehr ein Witz, als glaubwürdige Sache....

Herr Holger Narrog

06.10.2017, 12:12 Uhr

Das Nobel Preiskomitee ist eben sehr stark linksideologisch dominiert. Ich vermute, dass sich Herr Nobel mittlerweile im Grabe dreht.

Die Aktivitäten der linken NGO die angeblich die "Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Folgen“ von Atomwaffen gelenkt" haben, habe ich als intensiver Nutzer von Qualitätsmedien nicht mitbekommen. Schade, dass der Artikel nicht näher auf diese Aktivitäten eingeht.

Das ein Atomwaffeneinsatz - als Flächenwaffe - möglicherweise katastrophale Folgen für die Zivilbevölkerung haben kann, ist ein No - Brainer und bedürfte nicht der linken NGO.

Die Zahl der Todesopfer kann bei einem Einsatz einer solchen Waffe gegen eine Stadt von 100erten Toten (taktische Waffe, Regenwetter) bis hin zu 10.000enden Menschen (Hiroshima) reichen. Durch die Zerstörung der Infrastruktur, Stromversorgung, Wasserversorgung, Verkehr...können noch mehr Opfer entstehen.

Herr Herbert Maier

06.10.2017, 12:40 Uhr

BRAVO, Nobel Kommittee! Egal wie erfolgreich jetzt gerade ICAN in diesem Bereich arbeitet: Der Symbolwert dieser Verleihung ist hoch, gerade in Zeiten, wo in der Weltpolitik mit den Säbeln gerasselt anstatt kommuniziert und zivilisiert verhandelt wird. Als habe man vergessen, wie katastrophal der Krieg für Menschen und Familien ist.

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