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05.03.2014

12:30 Uhr

Friedensnobelpreis

278 Namen: Neuer Rekord bei Nominierungen

Nie zuvor gab es so viele Vorschläge für den Friedensnobelpreis. Das Nobelkomitee hält die Namen geheim. Einige sind allerdings längst bekannt und sind die üblichen Verdächtigen. Ansonsten wird eifrig spekuliert.

Verdient er den Friedensnobelpreis? Norwegische Abgeordnete haben den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden vorgeschlagen. ap

Verdient er den Friedensnobelpreis? Norwegische Abgeordnete haben den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden vorgeschlagen.

OsloMit 278 Nominierungen sind in diesem Jahr so viele Menschen und Organisationen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden wie nie zuvor. Damit sei der Rekord von 259 Vorschlägen aus dem vergangenen Jahr gebrochen, teilte das norwegische Nobelkomitee nach seinem ersten Treffen in diesem Jahr mit. „Das zeigt, dass das Interesse am Friedensnobelpreis stetig wächst“, sagte der Direktor des Nobelinstituts, Geir Lundestad, dem norwegischen Rundfunk. Auf der Liste stünden 47 Organisationen.

Das Nobelkomitee verrät nicht, welche Namen auf der Liste stehen. Aus den Vorschlägen wählt das Komitee 30 bis 40 Namen aus, die in die engere Auswahl kommen. Dann schrumpft die Liste weiter, bis im Herbst der Preisträger bekanntgegeben wird. Der Friedensnobelpreis wird jedes Jahr am 10. Dezember in Norwegens Hauptstadt Oslo überreicht. 2013 wurde die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mit dem prestigeträchtigen Preis ausgezeichnet.

Der Fall Snowden

Warum verließ Snowden Hongkong?

Es wird vermutet, dass die Regierung in Hongkong Snowden zum Verlassen des Territoriums bewegen wollte, um die Beziehungen zu den USA nicht zu belasten. Er selbst befürchtete offenbar, dass die Regierung ihn in Gewahrsam nehmen würde, sollte er bleiben und Widerspruch gegen einen US-Auslieferungsantrag einlegen. Der örtliche Abgeordnete Albert Ho sagte, er habe im Auftrag Snowdens vorgefühlt, ob dieser bis zu einer Entscheidung über den Antrag auf freiem Fuß bleiben oder ausreisen könne. Von den Behörden habe er darauf keine Antwort erhalten, sagte Ho. Ein Mittelsmann, der nach eigenen Angaben für die Regierung sprach, habe Snowden aber gesagt, dass es ihm freistehe zu gehen - und dass er dies tun solle.


Warum Russland?

Präsident Wladimir Putin bietet den USA gern die Stirn. Als sich Snowden noch in Hongkong aufhielt, erklärte Putins Sprecher, Russland würde erwägen, ihm Asyl zu gewähren, sollte er einen Antrag stellen. Möglicherweise betrachtete Snowden Russland als sicheren Zufluchtsort, von wo er unter keinen Umständen an die USA ausgeliefert würde. Bislang erfüllte Putin diese Erwartung. Einen Auslieferungsantrag Washingtons wies er umgehend zurück.

Wo ist Snowden derzeit?

Putin hat erklärt, Snowden halte sich weiterhin im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa sagte der AP, der Botschafter des Landes habe Snowden in Moskau gesehen. Zahlreiche Journalisten, die sich auf dem Flughafen auf die Suche nach dem prominenten Flüchtling machten, entdeckten keine Spur von ihm. Einige Sicherheitsexperten haben spekuliert, dass sich Snowden in den Händen russischer Geheimdienste befinden könnte, die sich von ihm Informationen erhofften. Putin hat Vermutungen, dass der russische Geheimdienst Snowden befragt habe, rundweg zurückgewiesen.

Welche Beziehung hat Snowden zu WikiLeaks?

Snowden hat sich nicht an die Enthüllungsplattform WikiLeaks gewandt, um die Welt vor dem umfassenden Überwachungsprogramm des US-Geheimdienstes NSA zu warnen. Er erklärte, er wolle es mit Journalisten zu tun haben. Denn sie könnten beurteilen, was veröffentlicht werden solle und was nicht. WikiLeaks nahm sich des Falls Snowden allerdings rasch an und bot Unterstützung für das weitere Vorgehen an. Snowdens Vater bezweifelte öffentlich, dass die Internetplattform der beste Ratgeber für seinen Sohn sei.

Wer begleitet Snowden?

Nach Angaben von WikiLeaks ist die Rechtsberaterin der Plattform, Sarah Harrison, Snowdens ständige Begleiterin. Auch sie ist öffentlich nicht in Erscheinung getreten. WikiLeaks erklärte, Harrison habe am Sonntag dem russischen Konsulat auf dem Moskauer Flughafen Snowdens Asylanträge für 21 Staaten übergeben.

Warum sitzt er fest?

Zunächst erklärte WikiLeaks, Snowdens Ziel sei Ecuador, wo er Asyl beantragt hat. Er buchte einen Tag nach seiner Ankunft in Moskau einen Aeroflot-Flug nach Kuba, wo er vermutlich umsteigen wollte. Den Flug trat er jedoch nicht an, sein Sitz blieb leer. Ein Grund für die Änderung seiner Pläne war möglicherweise, dass die USA seinen Pass für ungültig erklärten. Möglicherweise befürchtete er auch, dass die USA das Flugzeug über US-Luftraum zur Landung zwingen könnten, oder er war sich über sein endgültiges Ziel im Unklaren.

Ist mit weiteren Enthüllungen zu rechnen?

Das ist möglich. Snowden hat erklärt, seine Arbeit als NSA- Systemanalyst habe ihm Zugang zu umfangreichem Datenmaterial verschafft. Von den US-Behörden liegen dazu widersprüchliche Angaben vor. Assange hat weitere Enthüllungen in Aussicht gestellt. Es seien Maßnahmen getroffen worden, damit niemand die Veröffentlichung weiterer NSA-Dokumente im Besitz Snowdens verhindern könne. Glenn Greenwald, der Journalist der britischen Zeitung „The Guardian“, der maßgeblich an den ersten Veröffentlichungen beteiligt war, ließ durchblicken, dass Medienorganisationen bereits im Besitz des gesamten Materials seien, das Snowden publik machen wollte. Greenwald deutete an, dass es an den Zeitungen liege, was sie wann veröffentlichen wollten.

Anders als das Nobelkomitee können Parlamentarier oder Organisationen ihre Vorschläge auch offiziell bekanntgeben. So haben etwa zwei norwegische Abgeordnete den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden vorgeschlagen. „Sein Tun hat dazu geführt, dass Vertrauen und Transparenz wieder zu Leitprinzipien in Sicherheitsfragen wurden“, begründeten sie ihre Entscheidung.

Der Sender NRK glaubt zu wissen, dass Papst Franziskus nach seiner Wahl auf der Liste gelandet ist. Auch Menschenrechtsaktivisten aus Russland und Uganda, die gegen die Diskriminierung von Homosexuellen protestieren, gehörten zu den Nominierten. Zudem sei die Favoritin von 2013, die pakistanische Schülerin Malala, wieder vorgeschlagen.

„Es ist klar, dass manche Kandidaten stärker dastehen als andere, aber ich glaube, dass diejenigen, die Vorschläge machen, diese immer als seriös auffassen“, sagte Lundestad. „Ich habe mal gesagt, dass Michael Jackson ein Beispiel für jemanden war, der vielleicht nicht so ein ganz ernster Kandidat war, aber diejenigen, die ihn nominiert haben, haben das zweifellos für eine ernste Nominierung gehalten.“

Von

dpa

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