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16.07.2012

03:44 Uhr

Friedensplan für Syrien

UN-Sondervermittler Annan reist nach Moskau

UN-Vermittler Annan reist nach Moskau, um für die Umsetzung des Friedensplans zu werben. Wie viele Menschen in Tremseh getötet wurden, ist auch nach zwei Besuchen der UN-Inspekteure in dem syrischen Ort noch unklar.

Nach seinem Besuch beim iranischen Außenminister Ali-Akbar Salehi reist Kofi Annan (L) nach Moskau. dpa

Nach seinem Besuch beim iranischen Außenminister Ali-Akbar Salehi reist Kofi Annan (L) nach Moskau.

Damaskus/IstanbulSyrien-Sondervermittler Kofi Annan besucht nach Bagdad und Teheran nun Moskau. Dort ist an diesem Montag ein Treffen mit Außenminister Sergej Lawrow und am Dienstag eine Begegnung mit Kremlchef Wladimir Putin geplant.

Dabei werde Russland seine Unterstützung für den Annan-Friedensplan bekräftigen, teilte der Kreml mit. „Die russische Seite ist der Ansicht, dass der Plan die einzige realisierbare Grundlage für die Lösung der innersyrischen Probleme ist.“ Im UN-Sicherheitsrat blockierte die Veto-Macht Russland bislang jede Resolution, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würde. Annan war zuletzt Ende März in Moskau.

Unterdessen ist immer noch unklar, was sich in dem Dorf Tremseh abgespielt hat. Beim Sturm auf den Ort hatten die Soldaten nach Angaben der UN-Beobachter wohl vor allem Regimegegner im Visier. „Die Attacke richtete sich offenbar gegen bestimmte Gruppen und Gebäude vor allem von Armee-Deserteuren und Aktivisten“, teilten die Blauhelme am Samstagabend nach einer ersten Untersuchung in Tremseh mit.

Sie kehrten am Sonntag an den Ort zurück und befragten Dorfbewohner. Wie viele Menschen bei den Kämpfen getötet wurden, ist nach UN-Angaben vom Sonntag weiter unklar. Der Angriff begann nach Aussagen von Bewohnern am Donnerstag um 5.00 Uhr. Das Dorf sei zunächst mit Granaten beschossen worden, dann seien Bodentruppen eingesetzt worden. Die Armee habe Häuser durchsucht und nach Männern und ihren Ausweisen gefragt. Nach der Überprüfung der Papiere seien viele getötet worden. Andere Männer seien aus Tremseh weggeführt worden. Es seien mehr als 50 Häuser zerstört worden. In vielen Häusern seien Blutlachen und Gehirnmasse gefunden worden, hieß es in dem am Sonntag verbreiteten UN-Bericht weiter.

In mehreren Vierteln der syrischen Hauptstadt Damaskus soll es am Sonntag Razzien und Schüsse auf Regimegegner gegeben haben. Das berichteten Aktivisten. Ihren Angaben zufolge konzentrierten sich die Operationen der Regierungstruppen auf die Viertel Al-Tadhamun und Kabr Atika.


Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete das Blutbad von Tremseh als „versuchten Völkermord“, wie türkische Medien berichteten. Die Taten seien Beleg dafür, dass das Regime dem Untergang geweiht sei. Das syrische Volk werde sich für diese Verbrechen rächen wollen, warnte er. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle warf dem Assad-Regime vor, einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen. Jetzt müsse der UN-Sicherheitsrat dem Regime endlich seine Grenzen aufzeigen, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad al-Makdisi, sagte am Sonntag vor der Presse in Damaskus, die Armee habe in dem Dorf am vergangenen Donnerstag 37 Kämpfer getötet. Bei der Operation seien nur zwei Zivilisten ums Leben gekommen. Die Kämpfer der Opposition hätten vor dem Angriff in dem Bezirk Menschen entführt und die Bevölkerung terrorisiert. Regimegegner warfen den Truppen von Präsident Baschar al-Assad dagegen vor, ein Massaker mit mehr als 200 Toten an den Dorfbewohnern verübt zu haben.

Teheran bot sich als Vermittler und Gastgeber von Friedensgesprächen zwischen dem syrischen Regime und der Opposition an. „Der Iran ist bereit, die syrische Opposition für Gespräche nach Teheran einzuladen und auch dafür, Gespräche zwischen ihr (der Opposition) und der syrischen Regierung vorzubereiten“, sagte Außenminister Ali Akbar Salehi laut Nachrichtenagentur Isna. Der Iran unterstütze Annans Friedensplan, allerdings nur, wenn Assad an der Macht bleibe. Dies gilt jedoch als größtes Hemmnis für eine Einigung mit der Opposition.

Das Blutvergießen in Syrien geht derweil unvermindert weiter, nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter kamen allein am Wochenende etwa 200 Menschen ums Leben. Am Samstag wurden demnach 133 Menschen getötet, darunter 77 Zivilisten. Am Sonntag gab es nach diesen Angaben mehr als 60 Tote.

Von

dpa

Kommentare (1)

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16.07.2012, 09:38 Uhr

Die Bemühungen von Kofi-Annan sollten stärker unterstützt werden. Es kann nicht sein, dass immer mehr Waffen in das Krise Land geliefert werden.

Es kann auch nicht sein, dass die bewaffneten Aufständischen alle Verhandlungen boykottieren - auf kosten der Zivilbevölkerung. Zu was die Rebellen fähig sind, haben wir ja in Homs gesehen, wo sie 10000 Christen aus deren Häusern vertrieben haben und wer weiß wie viele ermordet haben.


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