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02.10.2016

10:40 Uhr

Friedensvertrag für Kolumbien

Farc-Rebellen wollen Opfer entschädigen

Der kolumbianische Bürgerkrieg ist nach mehr als fünf Jahrzehnten beendet: Die Regierung und die Farc schlossen einen Friedensvertrag. Nun wollen die Rebellen ihre Opfer mit Vermögenswerten entschädigen.

Ein historisches Bild: In Kolumbien ist der Bürgerkrieg beendet. dpa

Friedensvertrag

Ein historisches Bild: In Kolumbien ist der Bürgerkrieg beendet.

BogotaDie Farc-Rebellen in Kolumbien wollen nach Abschluss des Friedensvertrags mit der Regierung ihre Opfer entschädigen. Dazu sollen alle Vermögenswerte der Rebellen herangezogen werden, teilte die marxistische Organisation am Samstag mit. Nach Angaben der kolumbianischen Regierung verfügen die Farc über große Ländereien, Rinderfarmen, Geschäfte und Bauunternehmen. Diese Firmen seien dazu benutzt worden, um Geld zu waschen, das mit dem Drogengeschäft oder Menschenhandel eingenommen worden sei. Am Sonntag stimmt die kolumbianische Bevölkerung in einem Referendum über den Friedensvertrag ab, mit einer Zustimmung wird gerechnet.

Was Santos mit den Farc-Rebellen ausgehandelt hat

Landreform

Die extreme Konzentrierung des Landbesitzes war einer der Auslöser des Konflikts zwischen der Regierung und den Farc. Mit dem Friedensvertrag sollten Grund und Boden gerechter verteilt werden. Ein Fonds sollte in den kommenden zehn Jahren drei Millionen Hektar Land verteilen. Außerdem sah der Plan unter anderem den Bau von Häusern, Schulungen für Bauern und den Aufbau von Vertriebsstrukturen für landwirtschaftliche Produkte vor. Doch das kolumbianische Volk hat den Friedensvertrag in einem Referendum abgelehnt.

Politische Teilhabe

Die Ex-Guerilleros sollten künftig politisch für ihre Ziele eintreten. Für die kommenden zwei Wahlperioden hätten sie mindestens fünf Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer garantiert bekommen. Danach hätten sie ihre Mandate im normalen Wahlprozess gewinnen müssen. Der Staat hätte die freie politische Beteiligung der ehemaligen Rebellen garantiert.

Endgültiger Waffenstillstand

Die Farc sollten laut Vertrag alle militärischen Operationen einstellen und den bewaffneten Kampf aufgeben. Die Kämpfer sollten sich in 28 Zonen im ganzen Land sammeln und ihre Waffen den Vereinten Nationen übergeben. Die ehemaligen Farc-Mitglieder hätten bei einem erfolgreichen Referendum für zwei Jahre eine monatliche Basisrente und eine Einmalzahlung von zwei Millionen Pesos (610 Euro) erhalten.

Neue Drogenpolitik

Prävention, Schutz der Menschenrechte und Hilfe für die Bauern statt Repression hätten im Zentrum der Drogenpolitik stehen sollen. Schritt für Schritt sollten die Koka- und Marihuana-Plantagen durch Anbauflächen für legale landwirtschaftliche Produkte ersetzt werden. Die Bauern wären bei der Umstellung unterstützt, Drogenanbauflächen aufgeforstet worden.

Sonderjustiz und Entschädigung der Opfer

Ein Sondertribunal hätte die während des Konflikts verübten Verbrechen aufgeklärt. Geständige Täter hätten für maximal acht Jahre in Haft gemusst. Die Suche nach Verschleppten wäre intensiviert worden. Auch eine Entschädigung für die Opfer war in der Vereinbarung vorgesehen.

Die Regierung des lateinamerikanischen Staats und die Marxisten haben sich Ende September nach 52 Jahren Guerillakrieg auf ein Ende der Kämpfe geeinigt. In dem Abkommen erklärten sich 7000 Aufständische dazu bereit, die Waffen innerhalb von sechs Monaten abzugeben und fortan als Partei mit friedlichen Mitteln für ihre Ziele zu streiten. Der längste bewaffnete Konflikt Lateinamerikas forderte mindestens 220.000 Menschenleben. Millionen wurden vertrieben und die wirtschaftliche Entwicklung des öl- und kohlereichen Landes gebremst.

Von

rtr

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