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12.01.2005

12:24 Uhr

Frist von drei Monaten gesetzt

Indonesien will ausländische Soldaten rasch los werden

Die indonesische Regierung hat ausländischen Soldaten im Einsatz für die Flutopfer in Aceh am Mittwoch eine Frist von drei Monaten für den Abzug gesetzt. „Drei Monate sind genug, aber je eher sie gehen, umso besser“, sagte Vizepräsident Jusuf Kalla nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Antara.

HB BANDA ACEH/JAKARTA. Zuvor hatte Indonesien schon die Bewegungsfreiheit der internationalen Hilfsorganisationen in der Unruheprovinz eingeschränkt. Dort kämpft das indonesische Militär seit drei Jahrzehnten gegen Moslem-Rebellen.

Der Einsatz ausländischer Truppen einschließlich der Bundeswehr in Aceh war im indonesischen Militär von Beginn an auf Widerstand gestoßen. Derzeit sind auch Soldaten aus den USA, aus Singapur, Australien, Japan und Malaysia in Aceh an Hilfsaktionen beteiligt. Am Donnerstag wird dort das Versorgungsschiff „Berlin“ der Bundeswehr erwartet. Die Bürgerkriegs-Provinz Aceh, in der allein rund 100 000 Menschen bei der Flut am 26. Dezember ums Leben kamen, stand vor der Katastrophe unter Kriegsrecht und war weitgehend abgeriegelt.

Jakarta verschärfte am Mittwoch auch die Kontrollen ausländischer Hilfsorganisationen. Damit sollen nach Angaben der Behörden Übergriffe der moslemischen Rebellen auf die Helfer verhindert werden. Nach Aussagen der Hilfsorganisationen hat es solche Zwischenfälle bisher aber nicht gegeben.

Aus Sicherheitsgründen müssen sich jetzt alle Ausländer registrieren lassen, die in bestimmte Gebiete außerhalb der Provinzhauptstadt Banda Aceh und der Hafenstadt Meulaboh reisen wollen. Die Genehmigung kann nach Ansicht von Beobachtern Tage auf sich warten lassen.

Nach Regierungsangaben ist ein indonesischer Helfer von Moslem- Rebellen entführt worden. Die UN-Hilfsorganisation WFP (Welternährungsprogramm) sagte dagegen am Mittwoch, es habe bisher weder Angriffe auf Konvois noch Plünderungen ihrer Hilfslieferungen gegeben. I

Aufständische kämpfen seit mehr als 30 Jahren in Aceh für einen unabhängigen islamischen Staat. Bei den Auseinandersetzungen kamen bisher über 12 000 Menschen ums Leben. Nach offiziellen Angaben sind bei der Flut in Aceh und Sumatra insgesamt über 106 000 Menschen gestorben. 13 000 gelten noch als vermisst. Fast 700 000 sind obdachlos geworden.

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