Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2009

13:01 Uhr

Fröhlich ausgeteilt

Merkel und Sarkozy kommen sich näher

VonHolger Alich

Viel ist geschrieben worden über das schlechte persönliche Verhältnis zwischen dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Donnerstag aber kam in die ansonsten eher routinemäßig ablaufenden Treffen der beiden Staatslenker ein wenig Leben. Das nährt die Hoffnung, dass sich Merkel und Sarkozy doch noch zu einem echten Team zusammenraufen.

Zoff beendet? Angela Merkel und Nicolas Sarkozy servierten den Journalisten am Donnerstag, neben freundschaftlichen verbalen Spitzen, auch gemeinsame inhaltliche Positionen. Foto: reuters Reuters

Zoff beendet? Angela Merkel und Nicolas Sarkozy servierten den Journalisten am Donnerstag, neben freundschaftlichen verbalen Spitzen, auch gemeinsame inhaltliche Positionen. Foto: reuters

PARIS. Schwere Teppichböden, goldglänzende Stühle mit Samtbezug, üppiger Zierrat an Wänden und Decken und zwei gläserne Stehpulte vor den Flaggen Frankreichs, Deutschlands und der EU: In diesem Bühnenbild im Elysée-Palast präsentieren Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel der Presse stets die Ergebnisse ihrer Zweier-Gipfel.

So muffig das Ambiente, so verkrampft oft die Stimmung. Über die schlechten persönlichen Beziehungen der beiden Politiker ist viel geschrieben worden: Der umtriebige Selbstdarsteller Sarkozy hier, die kühle Physikerin Merkel dort. Und Streitthemen gab es zuletzt genug: die Mittelmeerunion, Frankreichs Drängeln nach einer EU-Wirtschaftsregierung oder die Konjunkturpläne. Doch am Donnerstag kam Leben in das Routinetreffen. Es nährt gar die Hoffnung, dass sich Merkel und Sarkozy doch noch zu einem echten Team zusammenraufen. Denn beide sparten trotz aktueller Krisen nicht mit humorigen Bemerkungen. Und die Spitzenpolitiker kündigten – wenn auch vage – neue deutsch-französische Initiativen an.

So hatte Sarkozy am Donnerstag sichtlich Vergnügen daran, die neuen Pläne für ein zweites deutsches Konjunkturpaket zu kommentieren. Schließlich hatte auch Paris die Bundesregierung gedrängt, mehr gegen die Wirtschaftskrise zu tun. „Frankreich arbeitet daran, Deutschland denkt nach“, hatte Sarkozy noch Ende November kühl die unterschiedliche Bereitschaft beider Länder zur Förderung der Konjunktur zusammengefasst.

Am Donnerstag nun zog er mit einem listigen Lächeln vor Merkel seinen Hut: „Angela arbeitet daran, und ich denke darüber nach.“ Damit huldigte Sarkozy der jüngsten deutschen Idee, mit staatlichen Garantien Firmen den Zugang zu Krediten zu erleichtern. „Das ist eine exzellente Idee, das werden wir auch machen“, sagte er.

Merkel gefiel die Schmeichelei sichtlich, doch ließ sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen: „Das Krisenmanagement ist ein Prozess“, führte sie aus – logisch also, dass Deutschland nachlege, wenn weitere Hilfen nötig seien. Und die Kanzlerin schenkte Sarkozy auch einen ein: „Und auch ich wiederhole hier gerne ein Zitat von mir vom letzten Treffen: Intelligente Menschen können gleichzeitig denken und handeln.“

Doch Sarkozy und Merkel servierten den Journalisten am Donnerstag zur Mittagszeit nicht nur freundschaftliche verbale Spitzen, sondern auch gemeinsame inhaltliche Positionen. Bei der Reform des Weltfinanzsystems etwa wollen sich beide nicht noch einmal ausbremsen lassen: „Europa braucht nicht auf Amerika zu warten, wir werden den Immobilismus nicht siegen lassen“, erklärte Sarkozy.

Ebenfalls mit Blick auf Amerika wollen beide Politiker jetzt die Autoindustrien ihrer Länder stärker aneinander heranführen. „Wir streben Kooperationen für künftige Antriebstechniken an“, sagte Merkel. Im Klartext: Deutschland und Frankreich machen bei der Entwicklung von Elektro-Autos gemeinsame Sache, um nicht von der hochsubventionierten US-Industrie abgehängt zu werden.

Darüber hinaus wollen Merkel und Sarkozy im Zuge der Münchener Sicherheitskonferenz Ende Februar neue gemeinsame Verteidigungsprojekte vorschlagen. Für ein angeblich zerstrittenes Paar ist das doch gar nicht schlecht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×