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21.11.2013

00:18 Uhr

Frostiger Empfang

Lunch mit Obama gibt es im Schlussverkauf

VonAxel Postinett

Mit der Popularität sinkt auch der Marktwert. Tickets für ein Essen mit Barack Obama in San Francisco verkaufen sich offenbar so schlecht, dass jetzt die Preise halbiert werden.

US-Präsident Barack Obama hat nicht mehr so viel spendierfreudige Bewunderer: Veranstalter in San Francisco mussten die Preise für ein Lunch mit ihm halbieren. dapd

US-Präsident Barack Obama hat nicht mehr so viel spendierfreudige Bewunderer: Veranstalter in San Francisco mussten die Preise für ein Lunch mit ihm halbieren.

San FranciscoHier hat er den größten Rückhalt genossen, Kalifornien hat ihn geliebt, das Internet hat ihn zum Präsidenten gemacht. US-Präsident Barack Obama kehrt am kommenden Montag zurück nach San Francisco, das neue Herz des Silicon Valley. Doch der Empfang bei seinem neunten Besuch in etwas über zwei Jahren wird frostiger ausfallen als früher.

In der Tat verkaufen sich die Karten für sein großes Spenden-Lunch im Jazz Center von San Francisco offenbar so schlecht, dass jetzt die Preise um 50 Prozent reduziert wurden, wie aus einer E-Mail des Organisators hervorgeht.

Die billigsten Karten sind jetzt vom Veranstalter Buell Private Political Management für 500 Dollar statt 1000 Dollar zu haben. Wer bereits ein Ticket für 1000 Dollar gekauft hat, der wird hochgestuft, füllt also leere Plätze in den teureren Kategorien näher am Präsidenten.

Nach der Krise ist vor der Krise

Wie geht es an den Börsen weiter?

Anleger haben den Haushaltsstreit abgehakt – vorerst. Trotz der Freude über die Übergangslösung in letzter Minute hätten viele Anleger bereits die künftige Entwicklung im Blick, erklärt Experte Desmond Chua von CMC Markets: „Der Kompromiss bringt nur wenig Zeit, bevor es erneut zu einem Debakel kommen kann.“ Das fröhliche Treiben an den Börsen werde fortgesetzt, die Probleme ausgeblendet, meint Analyst Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. Die Frage ist nur, wie lange noch. Aus Sicht des Ökonomen Torsten Schmidt vom Essener Forschungsinstitut RWI sind Verbraucher und Investoren bereits nachhaltig verunsichert.

Sind die Probleme gelöst?

Der Kompromiss zur Entschärfung des US-Finanzstreits ist keine Dauerlösung. Die Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze, ohne die der Supermacht das Geld ausgegangen wäre, stellt die Finanzierung nur bis zum 7. Februar sicher. Der Übergangshaushalt, der die öffentliche Verwaltung am Laufen hält, ist sogar nur bis zum 15. Januar gültig. Dann droht erneut der Stillstand. Das heißt: Schon in den nächsten Wochen müssen sich Republikaner und Demokraten auf eine längerfristige Lösung einigen. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet, so dass der Stress für die Anleger schon bald wieder losgehen wird.

Wie lange reicht die Geduld der Investoren?

Trotz Einigung in letzter Minute – die Supermacht ist angezählt. „Der Schaden für die USA und ihre Glaubwürdigkeit ist beträchtlich“, meint Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „In den kommenden Tagen und Wochen wird die Diskussion aufkommen, ob die USA noch uneingeschränkt als Hort der Sicherheit einzuschätzen sind – und das zu Recht“, sagt auch Metzler-Experte Sachs. Sollte das Vertrauen in amerikanische Anlagen schwinden, hätte das auch erhebliche Folgen für deutsche Sparer.

Was bedeutet das für Lebensversicherungen?

Das Geld der Lebensversicherungen steckt vor allem in festverzinslichen Wertpapieren mit guter Bonität, beispielsweise deutschen Staatsanleihen oder US-Bonds. Sollten ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA aufkommen, müssten sich die Lebensversicherer von den US-Anleihen trennen. Bei einer Flucht der Investoren in Bundesanleihen würden deren ohnehin schon mickrigen Renditen aber noch weiter sinken. Das dürfte den Druck auf die Lebensversicherer weiter verstärken. Viele Anleger erhalten bereits heute weit weniger Geld als sie sich ursprünglich beim Abschluss ihres Vertrages erhofft hatten.

Was steht Sparern bevor ?

Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, weil die Notenbanken die Zinsen auf Rekordtiefstände gesenkt haben. Mit ihrer Geldflut wollen die Währungshüter die Konjunktur ankurbeln. Ein rascher Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes ist angesichts der schwachen Konjunktur in Europa kein Thema. Bei der US-Notenbank könnte sich der geplante Anfang vom Ende des Billiggelds wegen der Folgen des Haushaltsstreits verzögern. „Die Fed muss nun erst einmal abwarten. Das wird für neue Unsicherheit an den Weltmärkten sorgen“, meint Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance. Die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) schätzt den ökonomischen Schaden durch den zweiwöchigen Zwangsurlaub in der öffentlichen Verwaltung auf 24 Milliarden Dollar. Erste Ökonomen haben bereits die Konjunktur-Prognosen für die USA gesenkt.

Michael Czin, ein Sprecher des Democratic National Committee, sieht das jedoch ganz anders. Er erklärte gegenüber der Lokalzeitung SFGate, man solle in die Preissenkungen nicht zu viel hineininterpretieren. Im Gegenteil, man habe „zusätzlichen Platz“ aufgrund der hohen Nachfrage schaffen müssen und erwarte ein ausverkauftes Haus, so seine Stellungnahme.
Allerdings werden auch die Preise für den deutlich exklusiveren Empfang mit dem Präsidenten kräftig von 15.000 auf 10.000 Dollar pro Person gesenkt.
Ein schwindendes Interesse an der präsidialen Gegenwart wäre allerdings nicht ganz verwunderlich. Zum ersten ist Obama in seiner zweiten Amtszeit und nicht mehr weit von „lame duck“-Status, der lahmen Ente, entfernt. Diesen Status ereilt jeden Präsidenten in der zweiten Amtszeit irgendwann. Ganz einfach deshalb, weil er kein drittes Mal gewählt werden kann.

Kommentare (4)

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pro-d

21.11.2013, 09:44 Uhr

Vieöle haben es nicht begriffen, aber die Zeit der Amis ist beendet.

Seit Syrien ist es eigentlich auch den Spatzen auf dem Dach klar, dass die Zeit der Geld-Fresser und Papiergeld-Tiger vorbei ist.

RumpelstilzchenA

21.11.2013, 09:50 Uhr

Wer möchte schon ein Essen auf einem sinkenden Schiff einnehmen??

werner

21.11.2013, 09:59 Uhr

die kenianer in kenia sind noch billiger und dahin tendieren die OBAMA preise,warum wohl????

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