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26.03.2013

07:05 Uhr

Frühestens Donnerstag

Zyperns Banken öffnen auch heute nicht

Erst herrschte allseits Erleichterung: Nach der Zusage des EU-Rettungspakets für Zypern sollten die Banken des Inselstaats am Dienstag wieder öffnen. Doch nun überwiegt bei der Regierung die Angst für einem Banken-Run.

Zyprische Banken bleiben länger geschlossen

Video: Zyprische Banken bleiben länger geschlossen

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Brüssel/NikosiaTrotz der Einigung auf ein milliardenschweres Rettungspaket für Zypern bleibt die Lage in dem kleinen Euro-Staat ungewiss. Die zyprische Zentralbank kündigte zunächst für Dienstag die Wiederöffnung der meisten Banken an, verschob dies dann aber kurzfristig auf Donnerstag. Auch die Finanzmärkte beruhigten sich nach dem Kompromiss der Euro-Staaten am Montag nur kurz.

Die Finanzminister hatten in der Nacht ausgehandelt, dass Zypern Beistandskredite über zehn Milliarden Euro erhält und selbst 5,8 Milliarden Euro einbringt. Der kleine Inselstaat muss dafür seinen übergroßen Bankensektor zusammenstutzen und Anleger kräftig zur Kasse bitten.

Mit diesem Rettungspaket im Rücken wollte die Regierung die meisten der seit 16. März geschlossenen zyprischen Banken am Dienstag wieder öffnen lassen. Doch dann erklärte Präsident Nikos Anastasiades, die Zentralbank wolle nach der Öffnung den Kapitalverkehr übergangsweise beschränken. Schließlich ordnete das Finanzministerium an, doch alle Banken bis Donnerstag geschlossen zu halten.

Das sollte für die beiden größten Banken – Laiki und die Bank of Cyprus – ohnehin gelten. Denn sie sind Teil des Rettungsplans. Laiki soll zerschlagen werden: Konten mit garantierten Einlagen bis 100.000 Euro werden an die Bank of Cyprus überführt, verlustreiche Geschäftsteile in einer sogenannten Bad Bank gebündelt.

Bei der Bank of Cyprus werden Guthaben über 100.000 Euro eingefroren, bis geklärt ist, wie viel für das Rettungspaket gebraucht wird. Schätzungen zufolge können die Besitzer von Guthaben über 100.000 Euro davon 40 bis 50 Prozent einbüßen. Bis zu dieser Summe sind Einlagen hingegen garantiert.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Zypern bestritt bisher mit dem Finanzsektor einen erheblichen Teil seiner Wirtschaftsleistung. Nun muss es seine Wirtschaft völlig umbauen. „Diese Entscheidung ist schmerzlich für das zyprische Volk“, sagte der zyprische Parlamentspräsident Yiannakis Omirou.

Zyperns Arbeitsminister Harris Georgiades warnte nach dem Beschluss des Rettungspaketes für sein Land via „Bild“-Zeitung vor einer stark schrumpfenden Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit gewarnt. „Dieser einmalige Akt der Korrektur des Bankensystems wird die produktiven Sektoren der Wirtschaft in große Schwierigkeiten bringen, sagte er. „Wir erwarten tiefe Rezession und steigende Arbeitslosigkeit.“ Georgiades, der auch zyprischer Vize-Finanzminister ist, sieht in den Eurogruppen-Beschlüssen eine „schwere und schmerzhafte Entscheidung“. „Wir werden von der Eurogruppe gebeten, alle Ungleichgewichte der Wirtschaft Zyperns auf einmal zu korrigieren. Das schafft Probleme für die Bürger Zyperns und die Unternehmen.“

Kommentare (16)

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Klaus

26.03.2013, 00:35 Uhr

Immer schön ruhig. Bis Donnerstag müssen zunächst die russ. Milliarden von Zypern in andere Nichtsteuerstaaten überwiesen werden. Dann erst darf der gemeine Pöbel an sein eigentlich nicht mehr vorhandenes Geld. Wer zahlt?

Vicario

26.03.2013, 00:35 Uhr


Zitat : Schließlich ordnete das Finanzministerium an, doch alle Banken bis Donnerstag geschlossen zu halten.



- Da haben die Zyprioten wohl kapiert, was ihre Zustimmung in der Nacht und Nebelaktion eigentlich bedeutet :


Zypern ist "de Jura" gerettet worden, "de Fakto" ist das Land aber durch den NEUEN "ZYPRO-€", der nicht mehr frei ist durch die Beschränkungen, aus der €-Zone raus.

Mit diesem Zypro-€ wird kein Mensch etwas anfangen wollen, zumal es eine unterbewertete, unfreie Währung ist und kein Investor läßt sich in diese Währung ein. Das Bankengeschäft in Zypern ist damit TOT !!!


Ob die Zyprioten bis Donnerstag diese Rettung wieder rückgängig machen ?


Wir haben jetzt definitiv den ANFANG des ZERFALLS der EUTOPIA !!!!


Und das ist gut so, für das freie EUROPA !!!!

Insider

26.03.2013, 04:50 Uhr

Selten so Blödsinn gelesen. Die Maßnahmen müssen erst einmal praxisnah umgesetzt werden. Alles halb so wild, wenn da nicht ein paar schlauberger immer unnötige Panickmache verursachen würden. Sija sija.

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