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16.04.2012

04:33 Uhr

„Frühjahrsoffensive“

Kämpfe in Kabul gehen ohne Pause weiter

Die Taliban haben ihren Großangriff in der Nacht weitergeführt. Auch am Morgen waren Schüsse und Explosionen zu hören. Es scheint als hätte die angekündigte „Frühjahrsoffensive“ begonnen.

Heftige Gefechte in Kabul

Video: Heftige Gefechte in Kabul

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Islamabad/Kabul/Neu DelhiIn der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montagmorgen erneut Explosionen und Gewehrfeuer zu hören gewesen. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums erklärte, ein Aufständischer habe sich in einem Gebäude im Stadtzentrum verschanzt.

Die Gefechte hatten am Sonntag in Kabul und drei östlich gelegenen Städten begonnen. Die Taliban hatten Botschaften, Regierungsgebäude und NATO-Stützpunkte angegriffen. Dabei waren ein Polizist und mindestens 17 Extremisten getötet worden.
„Zwei Angreifer kämpfen in der Nähe des Parlaments gegen die Sicherheitskräfte und drei Angreifer sind in einem Gebäude im Bereich Wasir Achbar Khan“, einem hoch gesicherten Diplomatenviertel. Dort befindet sich auch die deutsche Botschaft, wo es bei dem Angriff am Morgen zu leichten Schäden gekommen war.
Fünf Angreifer und zwei Polizisten wurden dem Polizeisprecher zufolge getötet. Dazu kämen zehn verwundete Polizisten. Das Innenministerium sprach von mindestens 19 getöteten Aufständischen.
Außer an sieben Stellen in Kabul griffen die Aufständischen Ziele in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, in Pul-e-Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar, und in Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, an. In Dschalalabad schlugen Isaf-Soldaten einen Angriff auf eine Militärbasis zurück.

Im vergangenen September war der afghanische Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani ermordet worden, als er eine Aussöhnung mit den Taliban herbeiführen wollte. Am Samstag wurde sein Sohn Salahuddin Rabbani zu seinem Nachfolger im Vorsitz des Hohen Friedensrates (HPC) bestimmt. Vize-Präsident Marshal Fahim sagte dazu, man dürfe nicht aufhören, der „bewaffneten Opposition“ die Hand zu reichen. Diese Hand schlugen die Taliban am Sonntag ein weiteres Mal aus. Sie verkündeten den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive - und unterstrichen das mit spektakulären Kommandooperationen.

In einer offenbar koordinierten Aktion griffen Aufständische am Sonntag Regierungsgebäude, Botschaften und Militärstützpunkte in mehreren Städten des Landes an. Im Kabuler Diplomatenviertel Wasir Akbar Chan waren über zehn Explosionen und schweres Maschinengewehrfeuer zu hören. Neben einem Stützpunkt der NATO-Truppen befinden sich in dem Stadtteil zahlreiche Botschaften, darunter auch die deutsche. Rauch stieg aus einigen Gebäuden auf, Sirenen waren zu hören.

Bei den Angriffen seien mindestens fünf Menschen verletzt worden, sagte der Leiter der Kabuler Krankenhäuser, Kabir Amir. Die NATO teilte in einer Stellungnahme mit, allein in Kabul befänden sich sieben Einrichtungen unter Beschuss.

Auch die deutsche Botschaft geriet unter Beschuss. Die Diplomaten mussten Schutz im Bunker suchen, sie blieben unversehrt. „Alle Botschaftsangehörigen sind an einem sicheren Ort“, sagte Westerwelle. Der Anschlag werde keine Konsequenzen für das deutsche Vorgehen in dem Land haben, die Regierung werde an ihrer Afghanistan-Politik festhalten: „Wir werden der Gewalt der Terroristen nicht nachgeben“, sagte Westerwelle. An dem Gebäude, das schon Anfang 2009 bei einem Selbstmordanschlag vor dem Areal erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden war, entstand geringer Schaden. Einige Geschosse schlugen ein. Über die diplomatische Vertretung knatterten Maschinengewehr-Salven hinweg. Die Aufständischen setzten auch Panzerfäuste ein.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Neben zahlreichen Botschaften befindet sich in dem Stadtteil auch ein Stützpunkt der NATO-Truppen. Rauch stieg aus einigen Gebäuden auf, Sirenen waren zu hören. Unter anderem waren in der Nähe der US-Botschaft mehrere schwere Explosionen und Schüsse zu hören. Die US-Botschaft löste Alarm aus und forderte ihre Mitarbeiter auf, sich in Sicherheit zu bringen. Mehrere Kämpfer drangen nach offiziellen Angaben außerdem in das Parlament in Kabul ein, es wurde eine Rakete auf das Gebäude abgeschossen. Zudem sei die russische Botschaft angegriffen worden.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu den Angriffen. Mehrere Selbstmordattentäter hätten NATO-Stützpunkte, Wohnsitze von Diplomaten und das Parlament angriffen, hieß es in einer Erklärung, die der AP vorlag.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

15.04.2012, 13:42 Uhr

Die radikalislamischen Taliban haben die Verantwortung übernommen.
Ein Bericht der Vereinten Nationen zeigt, dass die Taliban in den Jahren 2009 und 2010 für über 3/4 der zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich waren. Menschenrechtsgruppen haben den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag dazu veranlasst, eine vorläufige Untersuchung gegen die Taliban wegen systematischer Kriegsverbrechen durchzuführen.

Taliban sind Terroristen die mit allen mitteln handlungsunfähig gemacht werden müssen !
Keinesfalls sollte man sich mit diesen Leuten an einen tisch setzen um irgendwelche Verhandlungen zu führen . Das trifft dann natürlich auch für den Herrn Karzai zu.

Account gelöscht!

15.04.2012, 13:47 Uhr

--- Blödsinn ---

Chat

15.04.2012, 13:51 Uhr

Wo jetzt wir Menschen leben, haben mal Dinos gegrast. Heute leben die Dinos im Museum. Wird es der Mensch schneller ins Museum schaffen?

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