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07.03.2012

21:50 Uhr

Führungsgremium

Spanien will nicht auf EZB-Posten verzichten

Spanien sieht nicht ein, seinen Anspruch auf einen Sitz im Direktorium der EZB aufzugeben. Das verlautete aus dem dortigen Wirtschaftsministerium. Der Posten stehe dem Land wegen seiner Bedeutung in Europa zu.

Das Euro-Zeichen leuchtet vor der Europäischen Zentralbank (EZB). dpa

Das Euro-Zeichen leuchtet vor der Europäischen Zentralbank (EZB).

MadridSpanien stemmt sich gegen den Verlust seines Postens im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Regierung in Madrid sei nicht bereit, nach dem Ausscheiden des Spaniers Jose Manuel Gonzalez-Paramo aus dem sechsköpfigen Führungsteam der EZB ihren Anspruch auf einen Sitz in dem Gremium aufzugeben, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Der Posten stehe Spanien wegen seines Gewichts in Europa zu. Im Ringen um die Besetzung des EZB-Direktoriums ist Frankreich nach Reuters-Informationen auf den Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch eingeschwenkt. Vorher hatte die Pariser Regierung den Favoriten Spaniens unterstützt: den derzeitigen EZB-Chefjustitiar Antonio Sainz de Vicuna.

„Wir halten an unserem Kandidaten fest und werden dies auch in Zukunft tun“, sagte die Ministeriumssprecherin in Madrid weiter. Bei einer Entscheidung für den Luxemburger Mersch wäre Spanien - die viertgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion - erstmals nicht mehr im obersten EZB-Führungsgremium vertreten. Nach ungeschriebenem und bisher nicht gebrochenem Gesetz steht seit der Gründung der EZB vor 14 Jahren den vier größten Euro-Länder - Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien - ein Sitz im Direktorium zu.

Bislang hatte Frankreich den spanischen Kandidaten unterstützt. Der studierte Ökonom Sainz de Vicuna gilt jedoch in Kreisen der Euro-Zone im Kampf gegen die Schuldenkrise als ungeeignet, weil er sich in seinem Berufsleben ganz auf die Rechtsberatung konzentriert hat. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy kämpft Regierungskreisen zufolge aber weiter für Sainz de Vicuna.

Viel Zeit bleibt ihm dafür aber möglicherweise nicht, denn die Entscheidung könnte schon beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel fallen. Wie aus Kreisen der Euro-Zone verlautete, wird die EZB-Personalie von der Politik offenbar als Teil einer umfassenderen Personalrochade gesehen, die auch durch den absehbaren Rückzug von Jean-Claude Juncker als Chef der Euro-Gruppe mit angestoßen wurde.

Von

rtr

Kommentare (4)

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bedetsammerschuldenstaat

07.03.2012, 22:35 Uhr

Aber wirklich: wegen seiner Bedeutung steht Spanien ein EZB Direktoriumsposten zu. Immerhin zählt Spanien zu den großen der PIIGS - Staaten und muß wegen seiner unsoliden Finanzsituation gerettet werden. Und da sind wir schon bei Deutschland. Deutschland ist nicht so bedeutsam und hat daher für seinen von Frau Merkel und Wolfgang Schäuble in das EZB-Direktorium entsandten Vertreter, Herrn Assmussen, die Zuständigkeiten für internationale Beziehungen und den Neubau des EZB Gebäudes von den franz. + Itl. Verttretern zugewiesen erhalten. Herr Assmussen darf also die Kacheln für die Toiletten aussuchen, wöhrend die franz, -span. - italienischen Vertreter deutsches Geld ausgeben. Deutschland darf dafür - ebefalls wegen seiner Bedeutung - hier aber entsprechend seinem Anteil von 27% am Kapital der EZB, die Verschuldungsstaaten retten. Hinzu kommt noch der Anteil der zu rettenden Staaten, die sich ja nicht selber retten können. Das bedeutet etwa 40% beim Zahlen. Zu sagen hat D nach dem Willen unserer pol. Klasse aber nichts!
Übrigens, die schwachen italienischen Banken werden über die von dem italienischen EZB Häuptling Drachi für 3 Jahre zu 1% begebenen Tender gerettet, Deutschland durfte seine durch die Finanzmarktkrise ins Straucheln geratenen deutschen Banken (Comerzbank, Landesbanken, HRW) selber retten.
Nun, mit der politischen Klasse, die uns vertritt kann mans ja machen.

Rainer_J

07.03.2012, 23:07 Uhr

Deutschland sollte (muß) austreten und dann können die PIGS soviel Inflation generieren wie sie wollen, aber ohne deutsches Sparvermögen zu vernichten.

Account gelöscht!

08.03.2012, 00:32 Uhr

Natürlich kann Spanien auf den Posten nicht verzichten. Das wäre ja ein Arbeitsloser mehr und sehr inflationär.

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