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28.07.2015

15:21 Uhr

Führungskampf bei Labour

Der Angriff der Radikal-Linken

VonMatthias Thibaut

In der britischen Labour-Partei tobt ein Machtkampf: Ultralinke wollen die Partei übernehmen und den Altlinken Jeremy Corbyn zum neuen Parteichef machen. Der Partei droht eine zerstörerische Spaltung.

Jeremy Corbyn, für britische Verhältnisse ein Ultralinker, könnte neuer Labour-Chef werden. AFP

Der Revolutionär

Jeremy Corbyn, für britische Verhältnisse ein Ultralinker, könnte neuer Labour-Chef werden.

Sie sind verzweifelt und sehen nur noch einen Ausweg. Mehrere Abgeordnete der britischen Labour-Partei fordern den Abbruch des laufenden Führungswahlkampfs um die Position des Parteichefs. „Es ist eine Farce. Der Wahlprozess ist völlig außer Kontrolle“, so der Abgeordnete John Mann in einer Botschaft an die amtierende Parteichefin Harrier Harman.

Der Grund: „Corbynmania“. Laut Medienberichten wird die Partei von bis 140 000 neuregistrierten Parteimitgliedern unterlaufen, von denen viele von ultralinken Gruppierungen wie den Kommunisten und Grünen kommen. Sie alle unterstützen den Kandidaten der extremen Labour-Linken, Jeremy Corbyn. Nach einer Umfrage von Yougov liegt Corbyn klar in Führung und würde selbst dann gewinnen, wenn als Alternative nur noch der gemäßigte bisherige Spitzenkandidat Andy Burnham übrig bliebe.

Das sind die Parteien in Großbritannien

Neues Parlament wird gewählt

In wenigen Tagen wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Dabei werden sich Premierminister David Cameron und der Labour-Chef Ed Miliband voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Traditionell wünscht man sich einen klaren Sieger, eine Partei, die absolute Mehrheit im Unterhaus hat. Stattdessen sich alle möglichen Kombinationen denkbar. Das sind die Parteien in Großbritannien:

Die Konservativen

Weniger Arbeitslose und eine gute Konjunktur, Senkung des Haushaltsdefizits um ein Drittel – eigentlich müsste Premierminister David Cameron die Wahl entspannt angehen. Die Konservative Partei (Conservative Party) liegt derzeit bei 33 Prozent, wie aus einer Umfrage des Instituts YouGov hervorgeht. Ein Sieg könnte zu einer Niederlage für Europa werden.

Labour Partei

Im Gegensatz zu Cameron bekennt sich sein größter Herausforderer Labour Parteichef Ed Miliband klar zur EU. Die Sozialdemokraten kommen aktuell auf 34 Prozent. Sollte er bei der Unterhauswahl neuer Premierminister werden, will Miliband kein Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten.

Ukip

Die UK Independence Party ist eine EU-skeptische und rechtspopulistische Partei, deren Hauptziel der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU ist. Parteivorsitzender ist Nigel Farage. Die EU-Gegner der Ukip liegen der Umfrage zufolge bei 14 Prozent.

Die Liberaldemokraten

Die Liberaldemokraten (Liberal Democrats), mit denen David Cameron bei einem Sieg koalieren würde, liegen bei acht Prozent. Vorsitzender ist Nick Clegg. Er warnte zum Beispiel vor den schwerwiegenden Folgen eines EU-Ausstiegs für die britische Wirtschaft.

Die schottischen Nationalisten (SNP)

Die schottischen Nationalisten (Scottish National Party) setzen sich für ein unabhängiges Schottland ein. Die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, wirbelt derzeit Großbritanniens Politik durcheinander. Die Partei kommt auf nur vier Prozent.

Die Grünen

Wenn es nach den Plänen der britischen Grünen (Green Party) geht, soll die Monarchie abgeschafft werden, die Mitgliedschaft in Terrororganisationen strafffrei sein und Drogen legalisiert werden. Im Wahlprogramm der Vorsitzenden Natalie Bennet geht es natürlich um den Umweltschutz. Die Grünen liegen der Umfrage zufolge bei fünf Prozent.

Andere Parteien

Außerdem stellen sich zur Wahl: die walisische Regionalpartei Plaid Cymru sowie die nordirischen Parteien Democratic Unionist Party, Social Democratic and Labour Party, Alliance Party und Unabhängige und die katholische nordirische Partei Sinn Féin. Laut der YouGov-Umfrage liegen diese Parteien insgesamt bei drei Prozent.

Bei der Parlamentswahl Anfang Mai erlitt die Labour-Partei die schwerste Wahlschlappe seiner Nachkriegsgeschichte, weil, so die meisten Analysen, Labour-Chef Ed Miliband die Partei zu weit aus der Mitte nach links geführt hatte. Die zentristischen „Blairites“ hofften daher auf eine Renaissance. Aber Corbyns Analyse lautet anders: „Wir waren nicht links genug“.

Corbyn und seine Anhänger, oft Frauen und jüngere Wähler, sehen sich als Teil einer Renaissance der antikapitalistischen Linken, die von Tsiriza bis zur schottischen SNP reicht und Hoffnungen auf eine volksnahe Politik gegen Krieg, Austerität und die Macht der Banken weckt. Der Altlinke Corbyn, 66 Jahre alt, ein von Generationen von Labour-Parteichefs wegen seines Dauer-Rebellentums gemiedener Hinterbänkler, soll die authentische Stimme dieser neuen Volkserhebung sein.

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