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18.09.2016

12:39 Uhr

Fünf Jahre danach

Was wurde aus Occupy Wall Street?

Im September 2011 erlebte New York seinen Tahrir-Moment: Für kurze Zeit schien es, als könne die westliche Welt ihre Version des Arabischen Frühlings erleben. Doch die Revolution fiel aus. Was macht die Bewegung heute?

November 2011: Proteste in New York.  Über Zehntausend Demonstranten versetzten damals den New Yorker Finanzdistrikt in einen Ausnahmezustand. dpa

Occupy Wall Street

November 2011: Proteste in New York. Über Zehntausend Demonstranten versetzten damals den New Yorker Finanzdistrikt in einen Ausnahmezustand.

New YorkEs waren Szenen, die die Welt in Atem hielten: Über Zehntausend Demonstranten versetzten im Herbst 2011 den New Yorker Finanzdistrikt in Ausnahmezustand. Aus wenigen Besetzern entstand in kurzer Zeit die größte Protestbewegung Nordamerikas: Occupy Wall Street, Schlachtruf: „Wir sind die 99 Prozent“, ein Aufstand gegen soziale Ungleichheit und die die Macht der Finanzelite. Doch ebenso rasch, wie das Phänomen bekannt wurde, schien es auch wieder von der Bildfläche verschwunden zu sein. Oder doch nicht?

„Seid ihr bereit für einen Tahrir-Moment? Strömt am 17. September nach Lower Manhattan, baut Zelte, Küchen, friedliche Barrikaden und besetzt die Wall Street“ lautete – in Anlehnung an den Arabischen Frühling und sein Epizentrum, den Tahrir-Platz in Kairo – der Appell, mit dem alles begann. Initiiert von der Non-Profit-Organisation Adbusters, unterstützt von Anonymous und anderen Aktivistengruppen, begann die Besetzung des Zuccotti Parks nahe der Wall Street.

Es folgten die diverse Protestaktionen, teilweise von Ausschreitungen und Polizeigewalt begleitet, und eine rasche Ausbreitung in andere Städte. Die Bewegung erlangte in kurzer Zeit große Berühmtheit und erhielt viel Zuspruch auch von Prominenten, wie etwa den Wirtschaftsnobelpreisträgern Joseph Stiglitz und Paul Krugman. Doch im November 2011 wurden die Protestcamps von der Polizei geräumt und danach wurde es schnell ruhig um Occupy.

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Doch die Bewegung ist alles andere als tot, sagt Vanessa Williams, Expertin für Sozialpolitik bei der Denkfabrik Brookings. „Occupy Wall Street hat sich auf andere Grassroots-Initiativen verteilt.“ Dass das Thema soziale Ungleichheit die öffentliche Debatte in den USA heute bestimme, sei maßgeblich ihr Verdienst. Im US-Vorwahlkampf habe die Bewegung mit Bernie Sanders erfolgreich einen Kandidaten gestützt, der für nahezu 100 Prozent ihrer Ideale gestanden habe.

„Heute ist Politikern klar, dass sie die Sorgen der Menschen um soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit thematisieren müssen“, sagt auch die Occupy nahe stehende Soziologin Heather Hurwitz, die am Barnard College zu Grassroots-Bewegungen forscht. Occupy stehe heute hinter demokratischen Gallionsfiguren wie Sanders oder der Senatorin von Massachusetts, Elizabeth Warren. Ihre Popularität zeige, dass der Einfluss der Demonstranten von damals weiterhin groß sei.

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