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02.01.2007

11:29 Uhr

Fünf Jahre nach der Einführung

Der Euro – Erfolgsgeschichte mit Schönheitsfehler

VonRalf Drescher

Vor fünf Jahren kam der Euro. Seither sind der Wert und das Ansehen der Gemeinschaftswährung im Ausland ständig gestiegen. Seine Bedeutung als internationale Reservewährung wächst dagegen nur langsam. Hier dominiert nach wie vor der US-Dollar. Das hat gute Gründe.

Die Euro-Scheine vom 5-er bis zum 500-er. Foto: dpa

Die Euro-Scheine vom 5-er bis zum 500-er. Foto: dpa

FRANKFURT. Die neue Währung kam in kleinen durchsichtigen Plastikpäckchen. Am 17. Dezember 2001 wurden europaweit die ersten Euro-Münzen in „Starter Kits“ ausgegeben. Und nur wenige Stunden später hatten gewiefte Händler ihre ersten Geschäfte mit dem unbekannten Geld erfolgreich abgeschlossen. Im Internet-Auktionshaus Ebay brachten manche der „Starter-Kits“ brachten ihren Besitzern Kursgewinne von 200 Prozent und mehr ein. Ein Münzpäckchen aus Monaco wurde gar für 226 Euro versteigert – ein Aufschlag von gut 1 400 Prozent auf den Nennwert der Geldstücke.

Von solchen Zuwächsen des Euros können die Händler an den Devisenmärkten nur träumen. Dennoch ziehen auch sie fünf Jahre nach Einführung des Euro-Bargelds ein positives Fazit. Seit Februar 2002 geht es für die Gemeinschaftswährung fast kontinuierlich bergauf. Im Vergleich zur US-Währung liegt sie mit Kursen um 1,32 Dollar heute knapp 50 Prozent höher als im Januar 2002, gegenüber dem japanischen Yen klettert der Euro von einem Allzeithoch zum nächsten, und für das britische Pfund muss man heute ebenfalls weniger Euro zahlen als vor fünf Jahren.

Auch wenn sich viele Bürger in der Euro-Zone in Umfragen nach wie vor ihre früheren Landeswährungen zurückwünschen und in manchen südeuropäischen Ländern Politiker im Wahlkampf gegen den Euro polemisieren – für Wirtschaftsexperten steht fest, dass die gemeinsame Währung ein voller Erfolg ist. „Der Euro hat sich als stabile Währung etabliert und erhebliche positive Veränderungen für die Wirtschaft der Mitgliedsländer gebracht“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt des Allianz-Konzerns. „Der schnelle Wertgewinn des Euros ist Ausdruck dieses Erfolges.“

Vor allem in Sachen Preisstabilität sprechen Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) ein gutes Zeugnis aus: „Mit Teuerungsraten um die zwei Prozent haben wir heute eine höhere Preisstabilität als zu D-Mark-Zeiten“, sagt Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank. Vor allem im Ausland habe sich die Notenbank mit ihrer „klaren Linie“ hohes Vertrauen erarbeitet, schließt sich Heise an.

Für ausländische Investoren ist der Euro hinter dem Dollar klar die zweitwichtigste Währung. Der Abstand zur US-Währung ist allerdings nach wie vor hoch. Deutlich abzulesen ist das an den weltweiten Devisenreserven. Hier kam der Euro nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) Ende des zweiten Quartals 2006 auf einen Anteil von 25,4 Prozent, auf den Dollar entfielen 65,4 Prozent der Reserven. Auch wenn der Anteil des Euros von 19 Prozent bei der offiziellen Einführung im Jahr 1999 kontinuierlich gestiegen ist, sieht ihn Volkswirt Lothar Heßler von HSBC Trinkaus & Burkhardt „noch lange nicht in der Position, um an der Monopolstellung des Dollars als Leitwährung zu rütteln“.

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