Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.03.2016

04:14 Uhr

Fünf-Jahres-Plan

China setzt sich ehrgeiziges Wachstumsziel

Der chinesische Volkskongress hat einen weiteren Fünf-Jahres-Plan gebilligt. Einkommen und Wirtschaftsleistung sollen sich demnach verdoppeln. Auch ein Rekorddefizit für den Staatshaushalt gehört zum Plan.

Soldaten marschieren vor dem Ende des 12. Nationalen Volkskongress in Peking. Knapp 2900 chinesische Delegierte stimmten am Mittwoch über den neuen Entwicklungsplan des Landes ab. dpa

Volkskongress in Peking

Soldaten marschieren vor dem Ende des 12. Nationalen Volkskongress in Peking. Knapp 2900 chinesische Delegierte stimmten am Mittwoch über den neuen Entwicklungsplan des Landes ab.

PekingDer chinesische Volkskongress hat zum Abschluss seiner Jahrestagung in Peking den neuen Fünf-Jahres-Plan verabschiedet. Von den knapp 2900 Delegierten in der Großen Halle des Volkes stimmten am Mittwoch 2778 für den Entwicklungsplan. 53 Abgeordnete stimmten dagegen, 25 enthielten sich. Das Votum war ähnlich wie bei der Annahme des letzten Planes 2011.

Trotz der schwächeren Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft sieht der erste Fünf-Jahres-Plan des neuen Staats- und Parteichefs Xi Jinping ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von jährlich 6,5 Prozent „oder mehr“ bis 2020 vor, was Experten allerdings für sehr ehrgeizig halten. Kritiker bemängeln auch unzureichende marktwirtschaftliche Reformen.

Reporter vor Ort

Zwischen 3000 Delegierten: Hier werden Chinas Weichen gestellt

Reporter vor Ort: Zwischen 3000 Delegierten: Hier werden Chinas Weichen gestellt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der Plan bekräftigt das Ziel einer Verdoppelung der Einkommen und der Wirtschaftsleistung bis 2020 gegenüber 2010. Die Wirtschaft soll mit Forschung und Innovation neue Triebkräfte entwickeln.

Der Dienstleistungssektor soll wachsen und Überkapazitäten in der Industrie abgebaut werden. Die Regierung verspricht weiter hohe Investitionen in die Infrastruktur und mehr Anstrengungen im Umweltschutz.

Was vom Volkskongress bleibt: Das Reich der Reformen

Was vom Volkskongress bleibt

Premium Das Reich der Reformen

Zu Beginn hat Chinas Ministerpräsident harte Reformen und den Umbau der Wirtschaft gefordert. Zum Abschluss wird klar: Die alten Garden wollen ihre Macht nicht einfach abgeben. Dabei würde China profitieren. Eine Analyse.

Zum Abschluss der zwölftägigen Plenarsitzung herrschte wie schon beim Auftakt schwerer Smog in Peking. Die Messstationen in der Hauptstadt zeigten „sehr ungesunde“ Werte des gefährlichen Feinstaubs, die das Zehnfache des empfohlenen Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreichten.

Die Abgeordneten billigten den Rechenschaftsbericht von Premier Li Keqiang, der für dieses Jahr ebenfalls ein hoch gestecktes Wachstumsziel von 6,5 bis 7 Prozent vorgibt. 2814 Abgeordnete stimmten für den Bericht. Mit 27 Nein-Stimmen und 16 Enthaltungen war der Widerstand etwas größer als im Vorjahr. Chinas Volkskongress hat noch nie eine Vorlage abgelehnt. Unmut zeigt sich nur in den begrenzten Nein-Stimmen und Enthaltungen. Die Abstimmungsergebnisse werden in den Staatsmedien nicht berichtet.

Höhere Ausgaben für das Militär

Die Abgeordneten billigten auch den Haushalt, der einen Anstieg der Verteidigungsausgaben von 7,6 Prozent vorsieht. Der Militäretat steigt wegen der schlechteren Wirtschaftslage zwar so langsam wie seit sechs Jahren nicht mehr, vor dem Hintergrund der Spannungen im Südchinesischen Meer aber immer noch schneller als die Gesamtausgaben mit 7 Prozent.

Wegen höherer Ausgaben und geringerer Einnahmen enthält der Haushalt in diesem Jahr ein Rekorddefizit von drei Prozent der Wirtschaftsleistung, das die Regierung aber als unbedenklich ansieht. 2467 Delegierte stimmten dafür, 299 dagegen. 90 enthielten sich. Das Votum war ähnlich wie im Vorjahr.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Die Abgeordneten nahmen erwartungsgemäß auch das neue Gesetz für Wohltätigkeitsorganisationen an. Es soll das Spendensammeln erleichtern, mehr Transparenz über die Verwendung der Gelder schaffen und Bürokratie abbauen. Nach mehreren Skandalen soll damit wieder Vertrauen in Wohltätigkeitsorganisationen hergestellt werden, da die Spendenbereitschaft für soziale Zwecke in China nicht weit entwickelt ist.

Politisch aktive Gruppen finden unter dem neuen Gesetz aber wenig Schutz. Es verbietet Organisationen, die „die nationale Sicherheit gefährden“, ohne das näher zu definieren. Mit diesem Vorwurf werden häufig Aktivitäten für illegal erklärt, die von den Behörden als politisch heikel empfunden werden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×