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20.05.2013

11:23 Uhr

Fünfter Raketentest in drei Tagen

Nordkorea setzt Provokationen fort

Die Muskelspiele Nordkoreas gehen weiter: Das Militär des isolierten Landes feuerte am Montag den dritten Tag in Folge eine Rakete in Richtung Japanisches Meer ab. Der Süden und der Uno-Generalsekretär sprechen von einer Provokation.

Das dokumentiert die staatliche Nachrichtenagentur gern: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un lässt sich am Sonntag demonstrativ von der Bevölkerung feiern. AFP

Das dokumentiert die staatliche Nachrichtenagentur gern: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un lässt sich am Sonntag demonstrativ von der Bevölkerung feiern.

SeoulEs habe sich vermutlich wieder um eine Rakete von kurzer Reichweite gehandelt, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Seoul.
Das Geschoss sei ins Meer gefallen. Ein Sprecher des südkoreanischen Stabschefs bestätigte den Abschuss. Es war bereits das fünfte Mal innerhalb von drei Tagen, dass das isolierte kommunistische Land eine Rakete abfeuerte. Den südkoreanischen Angaben zufolge ist noch unklar, welche Art von Waffen der Norden teste. „Wir prüfen derzeit, um was für Tests es sich konkret handelt“, erklärte der Sprecher. „Es besteht die Möglichkeit, dass es sich um Kurzstreckenflugkörper oder großkalibrige Raketen mit einer ähnlichen Flugbahn handelt.“ Der Norden entwickle eine neuartige, großkalibrige Artilleriewaffe und der Süden nehme die Bedrohung dadurch sehr ernst.

Die nordkoreanischen Raketenstarts waren offenbar Teil einer Militärübung. Das Land feuert regelmäßig Kurzstreckenraketen zum Test oder im Zuge von Militärübungen ab. Die jüngsten Abschüsse erfolgten nach einem gemeinsamen Marinemanöver der USA und Südkoreas, die Nordkorea als Provokation verurteilt hatte. Südkorea bezeichnete die nordkoreanischen Tests am Wochenende als „bedauerlich“ und als „Provokation“. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tests als Provokation und forderte Pjöngjang auf, von weiteren Raketenstarts abzusehen. Es sei Zeit, den Dialog wieder aufzunehmen und die Spannungen zu verringern. Auch die USA und Großbritannien forderten das international isolierte Land zur Zurückhaltung auf.

Nach Meinung von Analysten steckte hinter den Drohungen aus Nordkorea auch der Versuch, Washington zu Gesprächen über Hilfe im Gegenzug für eine Abrüstung zu bewegen. Nordkorea war zuvor wegen seines jüngsten Atomwaffentests vom Februar von den Vereinten Nationen mit neuen Sanktionen belegt worden.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit Monaten angespannt. Das Abfeuern nordkoreanischer Raketen ist zwar keine Seltenheit, doch die jüngsten Warnungen aus Pjöngjang vor einem Atomkrieg haben die Spannungen auf der Halbinsel angeheizt. Das abgeschottete Nordkorea hatte Südkorea und den USA unter anderem mit Atomangriffen gedroht. Die beiden koreanischen Staaten sind auch 60 Jahre nach Ende der Kampfhandlungen noch immer im Kriegszustand.

Zuletzt schien sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel jedoch wieder leicht zu entspannen. Nach US-Angaben zog Nordkorea in Position gebrachte Mittelstreckenraketen wieder ab.

Kommentare (8)

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Bunkerjoe

20.05.2013, 11:59 Uhr

Nordkorea setzt die Provokationen fort? Waren es nicht die USA und Südkorea die vergangene Woche neuerlich mit Seemanövern begannen, gerade als sich die Lage etwas entspannt hatte?

Harald

20.05.2013, 12:36 Uhr

Ich frage mich WER wohl mehr provoziert. Die USA oder die Koreaner? Es steht doch ausser Frage das die USA überall auf der Welt vor anderen Ländern mit ihren Schiffen kreuzen und dort massenhaft Manöver abhalten! Wieso sollte das also Korea nicht dürfen bzw. damit provozieren? Auch wenn man es öfter sagt wird es nicht wahrer liebe Journalisten! Die Amerikaner provozieren - Sonst Keiner!

Wolfsfreund

20.05.2013, 12:43 Uhr

Solche gemeinsame Manöver zwischen Alliierten sind ganz normales, militärisches Procedere und keine Provokation. Das Problem liegt im Größenwahn von Kim, der wohl wirklich glaubt, irgendwer wolle sein marodes Land tatsächlich überfallen. Als wenn sich jemand mit klarem Verstand dieses Armenhaus antun würde. Lächerlich!
Tatsächlich war und ist Nord-Korea der Aggressor, der seinerzeit ohne jeden Grund aus reiner Eroberungslust über seinen südlichen Nachbarn herfiel.
Hier gibt es m.E. nur eine vernünftige Lösung: Nord-Korea klarzumachen, daß es für die Welt keinerlei Bedeutung hat, sondern nur ein lästiges Überbleibsel des Stalinismus ist. Kein Handel, keine diplomatischen Beziehungen, keinerlei Unterstützung (auch keine Nahrungsmittel oder medizinische Hilfe!), kein Zugang zu High Tech oder Rohstoffen, keine Maus rein, keine raus, einfach zu 100% abschotten, bis man dort gelernt hat, sich zivilisiert zu benehmen. Mag sein, daß Nord-Korea einen Teil der Welt braucht, aber die Welt kann jedenfalls auf Nord-Korea gerne verzichten (selbst die Chinesen sind ja inzwischen zu Recht angefressen). Soll Klein-Kim, der nur ein aufgeblasener Wichtigtuer ist und nach Aufmerksamkeit giert, doch rumtoben. Ein Sack Reis, der in Peking vom Fahrrad fiel, hat mehr Bedeutung.
Gleichwohl ein Auge drauf haben, um ggf. Kim sehr gründlich auf die Finger zu schlagen. Denn ungefährlich ist dieser paranoide Giftzwerg nicht, das muß mal klar sein.

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