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28.01.2005

13:54 Uhr

Für viele Serben ist Lazarevic ein Held

Gesuchter Serben-General stellt sich UN-Tribunal

Nach Angaben der serbischen Regierung hat sich der mutmaßliche Kriegsverbrecher General Vladimir Lazarevic ergeben. Er wird sich kommende Woche dem UN-Tribunal in Den Haag stellen. Er soll für Verbrechen gegen albanische Zivilisten während des Kosovo-Kriegs 1999 verantwortlich sein.

HB BELGRAD. Der 55-jährige General habe sich nach einem Gespräch mit dem serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica zu dem Schritt entschlossen, hieß es am Freitag. Dieser sprach von einer patriotischen, moralischen und ehrenwerten Entscheidung. Das Tribunal hatte im Oktober 2003 Anklage gegen Lazarevic erhoben. Ihm und drei anderen Generälen wird vorgeworfen, während des Militäreinsatzes gegen albanische Rebellen im Kosovo 1999 Verbrechen „geplant, angestiftet, befohlen und begangen“ zu haben. Auf ihre Anweisungen hin seien hunderte von Kosovo-Albaner ermordet und bis zu 800 000 vertrieben worden. Lazarevic hat die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, viele der laut Anklageschrift getöteten Zivilisten seien in Wirklichkeit Terroristen gewesen.

Für viele Serben ist Lazarevic ein Held. Während der Nato-Luftangriffe auf jugoslawische und serbische Sicherheitskräfte im Kosovo soll er als Kommandeur der Truppen mit einer Katz-und-Maus-Taktik vielen Soldaten das Leben gerettet haben. Die Nato hatte 1999 mit 78-tägigen Luftangriffen die serbische Vertreibung und Verfolgung der Albaner im Kosovo beendet. Die USA und die Europäische Union (EU) üben massiven Druck auf den Staat Serbien und Montenegro aus, um die Regierung zur Zusammenarbeit mit dem Tribunal zu bewegen. Die USA hatten in der vergangenen Woche ihre Hilfsgelder gekürzt, die EU sagte einen Besuch ihres Außenbeauftragten Javier Solana ab. Eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem Tribunal bei der Suche nach mutmaßlichen Kriegsverbrechern gilt als eine wesentliche Bedingung für den Start eines EU-Beitrittsprozesses mit Serbien.

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