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14.10.2013

12:35 Uhr

Fukushima-Debatte

„Lebensbedrohende Atomtechnologie weltweit ächten“

ExklusivDie Debatte um Fehler des japanischen Krisenmanagements in Fukushima reißt nicht ab. Deutsche Umweltorganisationen werfen den Verantwortlichen Versagen vor. Jetzt könnte internationale Hilfe für Entspannung sorgen.

Eine Begehung des Pannen-Akw Fukushima: Die Probleme mit der Atomruine werden nicht weniger. dpa

Eine Begehung des Pannen-Akw Fukushima: Die Probleme mit der Atomruine werden nicht weniger.

BerlinJe länger sich die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima hinzieht, desto mehr wächst im Ausland das Unverständnis, warum Japan keine internationale Hilfe annimmt. Jetzt, zweieinhalb Jahre nach dem Super-Gau in Folge eines Erdbebens und Tsunamis, scheint Japan dazu endlich bereit zu sein. Hatten die Regierung und der Betreiber Tepco ausländischen Experten bislang kaum Einblick in Fukushima gewährt, erklärte Ministerpräsident Shinzo Abe nun kürzlich bei einer Tagung in Kyoto vor zahlreichen anwesenden Forschern aus dem Ausland: „Wir brauchen Ihre Weisheit und Expertenwissen“.

Der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, kritisierte die späte Einsicht und forderte Konsequenzen. „Die Vorgänge in Fukushima sind skandalös. Der Umgang der verantwortlichen Politik in Japan und des Kraftwerksbetreibers Tepco mit der Reaktorkatastrophe sind menschenverachtend“, sagte Weiger Handelsblatt Online. „Die einzige Konsequenz kann nur sein, dass die unbeherrschbare und lebensbedrohende Atomtechnologie weltweit geächtet wird, und zwar am besten sofort. Nur so können Katastrophen wie in Fukushima oder Tschernobyl künftig vermieden werden.“

Der Bundesvorsitzende der Umweltschutzorganisation Naturfreunde Deutschlands, Michael Müller, führt den „skandalösen Umgang“ mit Fukushima auf die generelle Unfähigkeit zurück, „sich vom Alten zu trennen, auch wenn es nicht mehr haltbar ist“. Man kenne zwar die Probleme, durchdringe aber ihre Tragweite nicht und sei daher auch „nicht zur Erneuerung fähig“, sagte Müller Handelsblatt Online. „Das Problematischste aber ist, dass über die großen Umbrüche unserer Zeit weder national noch international ein offener Diskurs geführt wird, der Lernprozesse auslöst und Veränderungen möglich macht. So ist das auch mit Fukushima.“

Die Probleme, mit denen die rund 3.000 Arbeiter im AKW Fukushima Daiichi täglich zu kämpfen haben, sind enorm. Da wären zum einen die gigantischen Mengen verseuchten Wassers, die durch die zerstörte Atomanlage schwappen und zum beträchtlichen Teil in den Pazifik sickern. Jeden Tag lässt Tepco Hunderte Tonnen Wasser in die beschädigten Reaktoren 1 bis 3 pumpen, um die geschmolzenen Brennstäbe zu kühlen. Wo die sich befinden, weiß bis heute jedoch niemand.

Zudem dringen weitere rund 400 Tonnen Grundwasser pro Tag in die Gebäude ein und vermischen sich dort mit dem verseuchten Kühlwasser. Daher pumpt Tepco ständig Wasser ab und lagert mittlerweile mehr als 300.000 Tonnen davon in rund tausend teils hastig zusammengenieteten Tanks. Diese reichen jedoch bald nicht mehr aus und fangen bereits an, zu lecken. Tepco will nun den Bau neuer Tanks beschleunigen und bis Ende März 2015 Platz für zusätzlich 800.000 Tonnen Wasser schaffen. Dabei geht Tepco jedoch davon aus, dass ein Filtersystem zur Beseitigung radioaktiver Substanzen normal funktioniert. Doch das ist eben nicht der Fall, das System ist in letzter Zeit immer wieder ausgefallen.

Kommentare (22)

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vandale

14.10.2013, 13:00 Uhr

Japan verfügt über mehrere Erbauer von Kernkraftwerken, Toshiba, Hitachi, Mitsubishi, betreibt ca. 60 Kernkraftwerke inkl. 1 Schnellen Brüter und einer Wideraufbereitungsanlage (im Bau). Technisches Wissen ist keine Mangelware. Internationale Experten können eher lernen als umgkehrt.

Bereits ein paar Tage nach den Reaktorunfällen kamen Teams der IAEA (auch Deutsche) nach Japan, AREVA war an den Aufräumarbeiten beteiligt.

(...)

Vandale

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Beratung

14.10.2013, 13:04 Uhr

"..unbeherrschbare und lebensbedrohende Atomtechnologie weltweit geächtet wird"

Der Unwissende Weigner vom BUND ist ein indoktrinierter und zugleich naiver "Gutmensch". Daß er seine dümmlichen Parolen verbreiten darf, verdankt er den Medien und leider auch dem Handelsblatt.

Über das Naturunglück in Fukushima wurde alles gesagt, 20.000 Tote durch Naturgewalt und NULL Tote durch Radioaktivität. Alles Andere ist dümmliches Geschwafel. Das die Technologie Risiken birgt , ist bekannt. "Ächtung" entspringt aber dem Vokabular der Verdummungssektierer.

Account gelöscht!

14.10.2013, 13:05 Uhr

Artikel: "Nur so können Katastrophen wie in Fukushima oder Tschernobyl künftig vermieden werden." Die Katastrophe von Fukushima hat fast 20 000 Menschen getötet. Das waren Naturgewalten (Erdbeben + Tsunami)! Das zeigt wie schwachsinnig die Leute vom B.U.N.D. und von Greenpeace sind, wenn sie sagen, sie wollen das verhindern.
Artikel: "Menschenverachtend". Ja es ist menschenverachtend, wenn die Medien immer wieder von den drei Kernschmelzen und den entsprechenden Problemen berichten (ohne menschliche Opfer) anstatt vom Leid der Opfer der Naturgewalten.

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