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10.03.2016

11:07 Uhr

Fukushima – fünf Jahre danach

So lebt es sich in einem verstrahlten Land

VonMartin Kölling

Naraha, das Örtchen südlich der Atomruinen in Fukushima, ist eine Geisterstadt. Zwar sinkt die Strahlung und evakuierte Gebiet werden wieder zur Besiedlung freigegeben. Doch Mediziner streiten über die Strahlenfolgen.

Radioaktiver Müll: Naraha, die idyllische Küstengemeinde 15 Kilometer südlich der Meiler von Fukushima, gleicht einer Geisterstadt. AP

Naraha

Radioaktiver Müll: Naraha, die idyllische Küstengemeinde 15 Kilometer südlich der Meiler von Fukushima, gleicht einer Geisterstadt.

TokioEigentlich könnte Naraha ein Zeichen der Hoffnung sein. Eigentlich. Die 8.000-Seelengemeinde gehört zu jenen Ortschaften, die die Anwohner vor fünf Jahren nach der Atomkatastrophe im Atomkraftwerk Fukushima 1 fluchtartig verlassen mussten. Und nun ist die Gemeinde unter jenen, in die die Menschen bereits seit Herbst 2015 zurückkehren dürfen. Denn die Strahlenwerte liegen dank Halbwertszeit und Dekontaminierung derzeit unter den Grenzwerten. Doch noch immer gleicht Naraha, die idyllische Küstengemeinde 15 Kilometer südlich der Meiler, einer Geisterstadt.

Bisher siedelten sich vor allem Bauarbeiter an, die entweder bei der Dekontaminierung der Region oder den Rettungsarbeiten im Akw helfen. Von der ursprünglichen Bevölkerung kehrten nur fünf Prozent zurück. Und die meisten sind alt oder Angestellte der Regierung. Familien mit Kindern bleiben weg, obwohl Regierung und viele Experten versichern, dass Strahlung nun mehr kein Problem sei.

Ruiko Muto, eine Mitorganisatorin der Evakuierteninitiative Hidanren, nennt einen Grund für das Zögern. Der Medizinerstreit über die gesundheitlichen Folgen auch niedrigdosierter Strahlung halte die Menschen zurück. „Es gibt so viele Ansichten dazu, welche Werte sicher sind. Aber wir kennen die Auswirkungen der Strahlung noch nicht,“ erklärt sie.

Bisher ist nur ein Krebsfall eines Arbeiters im Atomkraftwerk amtlich als Strahlenfolge anerkannt worden. Einige Experten halten Werte von einem bis zehn Millisievert pro Jahr statistisch unbedenklich. Andere wie der japanische Epidemologe Toshihide Tsuda von der Universität von Okayama warnen allerdings, dass man sich bei Kindern wie in Tschernobyl auf einen zeitversetzten Ausbruch von Schilddrüsenkrebs einrichten müsse.

Auch die nüchterne Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spendet wenig Trost, da sie Kritikern als zu regierungsnah gilt. Die WHO sagte 2013 in einer Studie nur leicht erhöhte Krebsfälle voraus. Denn in Fukushima wurde nicht nur weniger Strahlung als in Tschernobyl freigesetzt. Außerdem ging der größte Teil des radioaktiven Fallouts über dem Meer nieder.

Kommentare (17)

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10.03.2016, 12:12 Uhr

Welche Mediziner streiten da?! Das sind NGOs die schon immer gegen die Kernkraft waren. Das sind NGOs wie Greenpeace, WWF die sog. Experten dafür bezahlen ihren Senf abzugeben.
Fakt ist! Japan war, ist und bleibt der zukunftsfähigen Hochtechnologie und Spitzenforschung der Kernenergie treu und damit weist Japan für seine Gesellschaft einen innovativen und wissenschaftsreichen Weg im Energie- und Industriesektor auf.

Herr Wolfgang Wüst

10.03.2016, 12:25 Uhr

Vielleicht sollte man sich über verschiedene Quellen sachlich informieren. Es ist SUPER !!!, dass Deutschland der Kernkraft abgeschworen hat, trotz eifriger und messianischer Fürbeter. Ein Unfall, wie in Fukushima hätte für unser sehr dicht besiedeltes Deutschland verheerende Folgen. Spannend zu lesen ist das Interview aus dem Spiegel mit dem damaligen japanischen Ministerpräsidenten:

http://www.spiegel.de/einestages/fukushima-fuenf-jahre-danach-keine-garantie-fuer-sicherheit-a-1077800.html

G. Nampf

10.03.2016, 12:28 Uhr

@Marc Hofmann - 10.03.2016, 12:12 Uhr

Kapieren Sie es doch endlich! Die Kernenergie ist und war shon immer ein Irrweg, allein schon wegen des ungelösten Müllproblems.

Einer der wenigen Dinge die in D in den letzten Jahren richtiggelaufen sind, ist die Abkehr vom Atomstrom (von Ihnen "Grün-Sozialistische Energiewende" - den Passus vermisse ich in Ihrem jetzigen Kommentar - genannt).

Den abgeschalteten KKWs trauere ich keine Träne nach.

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