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11.04.2014

11:43 Uhr

Fukushima

Japans Ausstieg aus dem Atomausstieg

Vor drei Jahren kam es in Japan in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zum schwersten Atomunfall seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Doch die Regierung in Tokio setzt wieder auf die Kernenergie.

Die Atomruine Fukushima im November 2013: Nur drei Jahre nach der Atomkatastrophe in Japan, gehen die ersten Atommeiler wieder ans Netz. dpa

Die Atomruine Fukushima im November 2013: Nur drei Jahre nach der Atomkatastrophe in Japan, gehen die ersten Atommeiler wieder ans Netz.

TokioJapan setzt ungeachtet der Atomkatastrophe in Fukushima auch in Zukunft auf Atomenergie. Die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe ist endgültig von dem von der Vorgängerregierung verkündeten Atomausstieg wie in Deutschland abgerückt.

Ein am Freitag beschlossener neuer langfristiger Energieplan definiert Kernenergie als „wichtige Quelle“ zur Abdeckung der Grundlast bei der Energieversorgung. Man werde wieder Atomreaktoren hochfahren, die die neuen Sicherheitsauflagen erfüllen. Zugleich wolle man „so weit wie möglich“ die Abhängigkeit vom Atomstrom verringern. Zahlen für einen Energiemix gibt es nicht.

Fukushima in Zahlen

9,0

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 war das bisher schwerste in der Geschichte Japans.

260

Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

16.000

Beben und Flutwelle töteten rund 16.000 Menschen, 4000 gelten noch immer als vermisst.

130.000

Zehntausende mussten die Region verlassen. Zeitweise lebten 130.000 Menschen in Notquartieren. Zum Jahresende sollen immer noch Zehntausende auf eine Behelfsunterkunft angewiesen sein.

210 Milliarden

Mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von 210 Milliarden US-Dollar (156 Milliarden Euro) handelt es sich nach Angaben des Rückversicherers Munich Re um die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten.

2,1

Die japanische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal so stark, dass die Experten ein Minus von 2,1 Prozent für 2011 erwarteten.

5,8 Milliarden

Von April bis September verbuchte der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima einen Verlust von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro.

2 Millionen

Mindestens zwei Millionen Menschen sind von den gesundheitlichen Spätfolgen der Atomkatastrophe betroffen.

8,4 Milliarden

Mindestens 8,4 Milliarden Euro will die Regierung dem Betreiber zur Verfügung stellen, um Opfer zu entschädigen.

Vor der Atomkatastrophe in Fukushima in Folge des schweren Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 deckte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt rund ein Drittel ihres Strombedarfs mit Atomkraftwerken ab. Damals sollte dieser Anteil weiter erhöht werden. Derzeit sind alle 50 Akw aus Sicherheits- und Wartungsgründen abgeschaltet. Zum Ausgleich wurden Wärmekraftwerke hochgefahren, weswegen Japan verstärkt Gas, Öl und Kohle importieren muss. Das Ziel, den CO2-Ausstoß um 25 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken, wurde bereits über Bord geworfen.

Mit ihrem neuen Energieplan lässt die Regierung Abe die Möglichkeit offen, neue Atomreaktoren zu bauen. Abes Liberaldemokratische Partei LDP steht traditionell der Atomindustrie nahe. Experten in Tokio gehen davon aus, dass von den bestehenden Atommeilern etwa ein gutes Dutzend wiederangefahren werden könnte.

Hierzu müssen sie die neuen - nach Darstellung der Regierung weltweit schärfsten - Sicherheitsauflagen erfüllen. Zugleich hält die Regierung Abe an ihrem Vorhaben fest, ein System zur Wiederaufbereitung abgebrannten Atombrennstoffs zu schaffen.

Japans Stromversorgung wird damit auch zukünftig auf einem Mix aus Atomkraft, fossilen Energieträgern sowie erneuerbaren Energien basieren. Prozentuale Angaben dazu machte die Regierung in dem neuen Energieplan zwar nicht, da im Moment noch nicht vorhersehbar sei, wie viele Atomreaktoren nach Erfüllung der neuen Sicherheitsauflagen wiederangefahren werden können. In einer Fußnote wurde jedoch vermerkt, dass man den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 stärker ausbauen wolle als im vorherigen Energieplan vorgesehen. In dem Energieplan von 2010 war ein Anteil von 20 Prozent angestrebt worden.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

11.04.2014, 12:21 Uhr

sie sind eben unbelehrbar gefährlich.

Account gelöscht!

11.04.2014, 12:59 Uhr

Japans Ausstieg aus dem Atomausstieg
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Die Japaner sind eben schlau!
Die DummDeutschen setzen lieber auf "Zufallsstrom und steigen aus der Kernenergie aus.
Fukushima liegt ja auch direkt vor der Haustür! Und Erdbeben der Stärke 10 und Tsunamis sind in Deutschland an der Tagesordnung. Und deutsche AKWs sind/waren die unsichersten der Welt!
Und Tschernobyl war/ist das sicherste!

Account gelöscht!

11.04.2014, 14:58 Uhr

Japan handelt logisch und vernünftig !!!
Was hätte man von Japan erwarten können ?
Ein Land ohne Öl und Gasvorkommen , ein Land welches von Gebirgen durchzogen ist, die wenigen nutzbaren Flächen kann man natürlich nicht für Solaranlagen verschwenden wenn selbst der Agrarsektor auf terrassierten Flächen arbeitet .
Für Japan ist es in der tat die vernünftigste Lösung alle Atomkraftwerke wieder zu nutzen, wenn die Sicherheit es zulässt !

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