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18.12.2015

12:15 Uhr

Fußball in Griechenland

Für Tsipras brennt es auf dem Platz

VonLeonidas Exuzidis

In der griechischen Fußball-Liga kracht es regelmäßig – auf den Rängen und unter den Verantwortlichen. Die Korruptionsvorwürfe gegen Serienmeister Piräus sind nicht neu – und erreichen nun Ministerpräsident Tsipras.

Vermummte Fans von Panathinaikos verwüsten das Spielfeld: Die Partie gegen den Erzrivalen Olympiakos wurde abgesagt, nachdem ein Spieler der Gäste von einer Pyrofackel getroffen worden war. AFP

Das Derby zwischen Panathinaikos und Olympiakos im November

Vermummte Fans von Panathinaikos verwüsten das Spielfeld: Die Partie gegen den Erzrivalen Olympiakos wurde abgesagt, nachdem ein Spieler der Gäste von einer Pyrofackel getroffen worden war.

DüsseldorfMan stelle sich vor, die Verantwortlichen des FC Schalke 04 würden sich bei Angela Merkel über die Korruption im deutschen Fußball beschweren. Aufsichtsratschef Tönnies und Sportvorstand Horst Heldt, wutentbrannt über die Entscheidungen der Schiedsrichter, die den Ligaprimus Bayern München in gefühlt jeder Spielsituation bevorzugen und zum Erfolg verhelfen. Undenkbar? Nicht so in Griechenland.

Ioannis Alafouzos, Klubboss von Panathinaikos Athen, prangert in einem Brief an Ministerpräsident Alexis Tsipras die Korruption im griechischen Fußball an. „Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer und dramatischer“, schreibt Alafouzos. Neben Tsipras ist der Brief an Justizminister Nikos Paraskevopoulos, Sportminister Stavros Kontonis und an Verbandspräsident Kostas Simistoglou adressiert. Hauptziele der Beschwerde: Der verhasste Rivale Olympiakos Piräus und die Schiedsrichter.

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Anlass war das Pokalspiel des Serienmeisters aus Piräus am Dienstagabend beim Zweitligisten Apollon Smyrnis. Das 2:1-Siegtor kurz vor dem Ende erzielte Olympiakos aus klarer Abseitsposition – der Treffer zählte und befeuerte die ewige Diskussion in Griechenland aufs Neue. Piräus schmiere die Schiedsrichter, heißt es oft. Die Konkurrenz sei nur neidisch, antwortet hingegen das rot-weiße Lager.

Doch tatsächlich gab es – besonders in der laufenden und vergangenen Saison – zahlreiche zweifelhafte Entscheidungen, die die Referees zugunsten von Olympiakos auslegten. Allen voran im Strafraum des Gegners sind die Unparteiischen sehr streng. Fairerweise muss man dazu sagen, dass Olympiakos trotz dieser Entscheidungen das sportliche Maß aller Dinge ist: Die Maximalausbeute von 42 Punkten aus 14 Spielen spricht eher für Piräus und weniger gegen die Schiedsrichter.

Panathinaikos-Boss Alafouzos zählt in seinem Brief detailliert Schiedsrichter und Begegnungen auf, in denen der Rivale seiner Meinung nach bevorzugt wurde. „The show must go on“, schreibt er am Ende der Aufzählung ironisch. Auch das besagte Pokalspiel am Dienstagabend hat eine Vorgeschichte: Der Schiedsrichter, Andreas Pappas, war auch als Referee für das Derby zwischen Panathinaikos und Olympiakos am 21. November angesetzt. Vor der Partie traf eine bengalische Fackel den Piräus-Spieler Alfred Finnbogasson – Pappas entschied sich nach langer Zeit, die Partie nicht anzupfeifen, woraufhin zahlreiche Panathinaikos-Fans das Spielfeld stürmten und verwüsteten.

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