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05.03.2013

10:34 Uhr

Fußball-WM 2014

Ein Stadion für jeden

VonJan Mallien

In einem Jahr empfängt Brasilien die Fußballwelt. Für die WM 2014 baut das Land modernste Stadien. Doch es hakt an allen Enden: Private Investoren sind überfordert und Politiker denken nur an sich. Ein Ortsbesuch.

Getty Images

Belo Horizonte/Sao PauloAls im Februar das zweite brasilianische WM-Stadion eröffnet, herrscht großes Chaos statt frühem Glanz. In Belo Horizonte treffen die lokalen Rivalen Cruzeiro und Atlético Mineiro aufeinander.  Vor den Tickethäuschen bilden sich lange Schlangen. Die Zufahrten zu den Parkplätzen sind zu eng und auf den Toiletten gibt es kein Licht. Hinterher muss Tiargo Lacerda, Chef des lokalen Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, einräumen: „Wir hatten ernsthafte Probleme.“ Eine Woche vorher noch hatte Lacerda versichert, der Bau werde pünktlich fertig.

Das Estádio Mineirão ist eines von zwei WM-Stadien in Brasilien, die schon fertig sind – zumindest offiziell.  Mit seinen Problemen steht es wohl beispielhaft für das, was dem Land in den kommenden zwölf Monaten bevorsteht.

Insgesamt zwölf Spielorte hat Brasilien für die Fußball-Weltmeisterschaft ausgewählt. Jeder einzelne war ein großes Politikum. Immer wieder gab es den gleichen Konflikt: Die Vorlieben der Politiker prallten auf nüchterne Fakten. Häufig kamen deshalb nicht die besten Standorte zum Zuge, sondern die politisch genehmsten. Durch politisches Missmanagement könnte die Weltmeisterschaft so zu einem teuren Abenteuer werden, das der Bevölkerung nichts nützt.

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

Wie eng persönliche Interessen mit dem Fußball verquickt sind, zeigt die Personalie Tiargo Lacerda. Er ist der Sohn des Bürgermeisters der Stadt Belo Horizonte. Die familiäre Bande habe bei der Berufung keine Rolle gespielt, meint sein Vater Marcio Lacerda. Sein Sohn habe Sportmanagement studiert. Er sei ausschließlich wegen seiner fachlichen Qualifikation ausgewählt worden.  

Dennoch ist es wie beim Stadion: Es fällt schwer, diesen Worten zu trauen. Kritiker der WM wie Felipe Saboya sind skeptisch. „Die brasilianische Gesellschaft profitiert nicht von der Weltmeisterschaft“, sagt er. Saboya ist Referent des  Ethos-Instituts, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für eine transparente Fußball-WM einsetzt. Sie finanziert sich aus Mitteln des Siemens-Konzerns, der im Zuge seines eigenen Korruptionsskandals zu einer Spende für Anti-Korruptionsprojekte verdonnert wurde. 

Kommentare (1)

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Kommunistennazi

05.03.2013, 11:29 Uhr

Klingt ganz nach dem Bau des Flughafens Berlin Brandenburg...

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