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23.07.2014

16:01 Uhr

Fußball-WM 2018 in Russland

„Wir müssen dorthin – auch wenn es weh tut“

VonStefan Kaufmann, Dietmar Neuerer

Ein WM-Boykott würde Moskau hart treffen. Dennoch lehnt es Fifa-Funktionär Theo Zwanziger ab, die WM 2018 neu zu vergeben. Politisch einmischen sollten sich Sportler – nur nicht so wie Siemens-Chef Joe Kaeser.

Fifa-Funktionär Theo Zwanziger hält wenig davon, Sport und Politik zu trennen. dpa

Fifa-Funktionär Theo Zwanziger hält wenig davon, Sport und Politik zu trennen.

DüsseldorfHäppchenweise verschärft der Westen die Sanktionen gegen Russland. Bis Donnerstag soll die EU-Kommission Vorschläge für gezielte Maßnahmen vorlegen, die erstmals direkt die russische und europäische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnten. Doch bislang haben alle Strafmaßnahmen Moskau wenig beeindruckt. Daher fordern deutsche Politiker vom Fußballweltverband Fifa, Russland wegen dessen möglicher Verwicklung in den mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über dem Osten der Ukraine die Gastgeberrolle bei der Fußball-WM 2018 abzuerkennen.

Für Theo Zwanziger, Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa und Ex-DFB-Präsident, ist eine solche Bestrafung wenig sinnvoll. „Der Ruf nach einem Einschreiten der Fifa kommt immer sehr schnell. Dabei hat ein Boykott im Sport nur selten etwas gebracht und deshalb halte ich von einem solchen Vorschlag auch nichts“, sagte Zwanziger im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Die WM ist nach Russland vergeben worden, es wurden Verträge unterschrieben und Rechte vergeben.“

Geplante neue EU-Sanktionen gegen Russland

1. Grundsatzbeschluss

Wenn Firmen und milliardenschwere Oligarchen zur Destabilisierung der Ukraine beitragen, können sie auf eine schwarze Liste kommen.

2. Grundsatzbeschluss

Von Sanktionen betroffene Unternehmen dürfen keine Geschäfte mit EU-Firmen machen und können nicht mehr über Vermögenswerte in der EU verfügen. Anzahl und Namen der Unternehmen sind aber bisher offen.

3. Grundsatzbeschluss

Bis Ende Juli soll über eine erste Liste von Unternehmen entschieden werden, für die neuen Sanktionen gelten sollen.

4. Grundsatzbeschluss

Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll die Unterzeichnung neuer Finanzierungsmaßnahmen in Russland aussetzen. Zudem wird die EU-Kommission aufgefordert, die Programme für die Zusammenarbeit mit Russland gegebenenfalls auszusetzen. Projekte aber, die auf die Zivilgesellschaft ausgerichtet seien, sollen aufrechterhalten werden.

Rückblick

Der EU-Gipfel vom 27. Juni hatte Russland aufgefordert, bis zum 30. Juni unter anderem für die Freilassung von OSZE-Geiseln zu sorgen und an Friedensverhandlungen teilzunehmen. Auf ausbleibende Fortschritte reagierte der EU-Ministerrat am 11. Juli mit elf weiteren Einreiseverboten und Kontensperrungen. Zudem wird als ein Grund für die Ausweitung eine mangelhafte Grenzkontrolle genannt.

Die EU und die Ukraine haben am 27. Juni ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es soll den EU-Markt für die Ukraine öffnen und zugleich demokratische Reformen im Land unterstützen. Außerdem hat die EU eine Zahlungsbilanzhilfe in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zugesagt. In den nächsten Jahren sollen auch EU-Hilfsmaßnahmen mit einem Volumen von elf Milliarden Euro greifen.

Angesichts der jüngsten Zuspitzung im Ukraine-Konflikt hatte der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, den Fußball-Weltverband Fifa aufgefordert, die geplante Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland neu zu vergeben. „Die Fifa sollte sich Gedanken darüber machen, ob Russland ein geeignetes WM-Land ist, wenn es noch nicht einmal sichere Luftwege garantieren kann“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online.

Deutschland könne zusammen mit Frankreich und Italien „ohne Probleme“ das Turnier übernehmen. „Wir haben genügend Stadien, die WM-tauglich sind.“ Fuchs betonte, dass eine Neuvergabe der WM als Strafmaßnahme wesentlich wirkungsvoller sei, als die Verhängung harter Wirtschaftssanktionen.

Dass Deutschland bereits als Ersatz-Austragungsort genannt wird, klingt für Zwanziger „sehr populistisch“. Nach dem Motto: „Jetzt sind wir schon Weltmeister, dann wollen wir auch die Weltmeisterschaft. Mit einem solchen Vorstoß erweckt man bei einer weltumspannenden Organisation wie der Fifa keine Sympathien.“

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