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03.01.2011

09:26 Uhr

G-8-Vorsitz

Sarkozy feilt auf dem Weltparkett an seinem Image

VonTanja Kuchenbecker

Frankreichs Präsident übernimmt zu Jahresauftakt den G-8-Vorsitz. Für seine Amtszeit hat Sarkozy sich wie so oft viel vorgenommen. Mit auf dem Plan steht ein neues Weltwährungssystem, bei dem er besonders auf die Zusammenarbeit mit Deutschland setzt.

Nicolas Sarkozy: Der französische Präsident hat sich viel vorgenommen. Reuters

Nicolas Sarkozy: Der französische Präsident hat sich viel vorgenommen.

PARIS. Sein neues Präsidentenflugzeug hat Nicolas Sarkozy schon: "Air Sarko One" wird der Jet genannt, und das passt zur neuen Rolle im Jahr 2011, in dem sich der französische Präsident als Weltenlenker zeigen will. Sarkozy hat Anfang dieses Jahres den Vorsitz über die G-8-Gruppe der großen Industriestaaten übernommen und steht seit November schon der G-20-Gruppe der bedeutenden Industrie- und Schwellenländer vor. Mit seiner internationalen Doppelrolle hofft Sarkozy, auch innenpolitisch punkten zu können. Als starker, international geachteter Präsident und Reformer will er sich präsentieren.

"Moralisierung des Kapitalismus"

Wie schon so oft, hat sich Sarkozy viel vorgenommen. Schließlich liebt er es, als Krisenmanager aufzutreten, wie etwa zuletzt beim Ringen um den EU-Vertrag, die Regulierung der Finanzmärkte oder in der Georgien-Krise.

Und so wird die Vorsitzfunktion bei der G8 unter ihm sicherlich nicht unbemerkt bleiben. Am 10. Januar ist bereits ein Treffen mit US-Präsident Barack Obama vorgesehen, Ende Januar will er bei einer Pressekonferenz seine Ziele für die die G-8 und G-20-Gruppe erklären.

Einiges von Sarkozys ehrgeizigen Plänen ist schon bekannt, er setzt auf mehr Regeln in der Wirtschafts- und Finanzwelt, um ein stabiles Wachstum zu fördern. Er will das Weltwährungssystem erneuern, Rohstoffpreise stabilisieren und "die Moralisierung des Kapitalismus vorantreiben". Dabei will er sich gerade mit Deutschland "Hand in Hand an unseren ehrgeizigen Zielen arbeiten, vor allem an einem neuen Währungssystem".

Sarkozy kritisiert, dass die instabilen Wechselkurse das Wachstum gefährden und einige Länder wie China ihre Währungen künstlich niedrig halten. Er setzt sich dafür ein, dass die Wechselkurse mit der Wirtschaftsleistung des Landes übereinstimmen. In dem Zusammenhang zweifelt er auch an der Rolle des Dollars als Leitwährung, was für Spannungen mit den USA sorgen dürfte.

Neben den Wechselkursen hofft er auch, die Rohstoffpreise stabiler zu gestalten und die Spekulation einzudämmen, um die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu reduzieren und Hungersnöte in armen Ländern zu verhindern. Weitere Themen sind eine internationale Finanztransaktionssteuer, deren Ertrag armen Ländern zugute kommen könnte, Entwicklungshilfe und Klimaschutz, sowie eine Erweiterung des Uno-Sicherheitsrates.

Für Sarkozy ist die Rolle als internationaler Staatsmann eine große Chance, sein Image auch im eigenen Land wieder aufzuwerten. Im Jahr 2012 ist Präsidentschaftswahlkampf, und es zweifelt niemand mehr daran, dass Sarkozy ein zweites Mandat anstrebt. Aber seit Monaten liegen seine Beliebtheitswerte ganz unten, gerade mal bei 30 Prozent. Bei den Franzosen kommt seine Politik nicht an, gegen die Rentenreform wurde im Herbst mit landesweiten Streiks protestiert. Dazu kamen Skandale wie die Parteispendenaffäre um L´Oreal-Erbin Liliane Bettencourt und die Roma-Abschiebungen.

Doch in Frankreich sorgte in den vergangenen Tagen ein Video im Internet für mehr Aufsehen als Sarkozys neue Weltregenten-Rolle. "Ich habe angekündigt, dass ich den Kapitalismus moralisieren werde - und ich habe gelogen", gesteht Sarkozy in einer angeblichen Neujahrsansprache, die im Internet zirkuliert. Sie ist gefälscht, die Kommunistische Partei Frankreichs macht sich darin über Sarkozy lustig. Sie hat Archivbilder des Präsidenten mit einem neuen Text belegt. Zeitweilig verschwand die Parodie-Rede und war nicht mehr auffindbar. Die Frage, wer hinter der Zensur steckt, war in der Öffentlichkeit das große Thema.

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