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10.02.2015

21:04 Uhr

G20-Gipfel

Euro-Schwäche erregt Unmut bei den USA

Die USA haben auf der G20-Konferenz angesichts des schwachen Euros eindringlich vor einem Abwertungswettlauf gewarnt. Europa sieht dafür allerdings keine Anzeichen.

Die USA haben in Istanbul entschieden vor einem Abwertungswettlauf für das Erreichen von handelsvorteilen gewarnt. AFP

G20-Treffen

Die USA haben in Istanbul entschieden vor einem Abwertungswettlauf für das Erreichen von handelsvorteilen gewarnt.

IstanbulIn den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) regt sich angesichts der Euro-Schwäche Unmut, vor allem in den USA. US-Finanzminister Jack Lew warnte die Partnerländer am Dienstag beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Istanbul davor, mit gezielten Abwertungen ihrer Währung einseitige Handelsvorteile zu suchen.

„Minister Lew hat mit Nachdruck betont (...), dass kein Land seinen Wechselkurs nutzen sollte, um seine Exporte zu erhöhen“, sagte ein US-Regierungsvertreter. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und sein EZB-Ratskollege Christian Noyer dagegen sehen nach eigenen Angaben keine Anzeichen eines Abwertungswettlaufs.

In der G20-Abschlusserklärung wird das Wechselkursthema allerdings nur lapidar abgehandelt. „Wir bleiben bei unseren bisherigen Wechselkurs-Festlegungen“, hieß es dort. In Erklärungen früherer Treffen war häufig die Versicherung enthalten, man werde alles unterlassen, was einen Abwertungswettlauf auslösen könnte.

Allerdings warnte der Bundesbank-Präsident davor, dass Deutschland wegen seines riesigen Leistungsbilanzüberschusses, der durch einen schwachen Euro noch gefördert wird, rasch wieder in den Fokus der G20-Debatte rücken könnte. Er erwartet, dass dieser Überschuss in diesem und im nächsten Jahr hoch bleiben wird, ehe er danach etwas sinken könnte.

Allerdings sei diese Situation eine Konsequenz von marktwirtschaftlichen Prozessen, und nicht einer gezielten Steuerung. Der niedrige Euro ist, darin sind sich Weidmann und Finanzminister Wolfgang Schäuble einig, unter anderem Folge auf die extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen, die im G20-Kommunique ob ihrer konjunkturfördernden Wirkung gelobt wird.

In der Einschätzung der Weltkonjunktur durch die G20 dominierte das Moll. Insgesamt seien die Wachstums-Aussichten in einigen Schlüsselländern, wie den USA, zwar günstig, hielt die Staatengruppe fest. Dem stünden aber in vielen Industrieländern, namentlich der Euro-Zone und in Japan, eher schwächere Tendenzen entgegen.

Wo die deutschen Exporteure 2015 wachsen – und wo nicht

Rekordjahr 2014

Die deutschen Exporteure haben 2014 ungeachtet der zahlreichen internationalen Krisen einen Umsatzrekord geschafft. Sie nahmen im Ausland 1133,6 Milliarden Euro ein und damit 3,7 Prozent mehr als 2013. In diesem Jahr soll es sogar um fünf Prozent nach oben gehen, sagt der Branchenverband BGA voraus. Es folgt ein Überblick über die boomenden und schrumpfenden Märkte.

USA

Keiner anderen großen Industrienation wird in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum zugetraut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 3,6 Prozent – nach 2,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die steigende Beschäftigung und die Entlastung der konsumfreudigen Verbraucher durch sinkende Energiepreise dürften die weltgrößte Volkswirtschaft ankurbeln. Beflügelt werden dürften die Geschäfte der deutschen Unternehmen zusätzlich vom schwachen Euro, wodurch sie ihre Produkte in den USA entweder billiger anbieten und so der Konkurrenz Marktanteile abjagen oder ihre Gewinnmarge steigern können.

China

Auch wenn die Zeiten eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich vorbei sind, so bleibt die Volksrepublik doch ein lohnender Markt für die deutschen Unternehmen. „Ein wichtiger Schlüssel zu profitablem Wachstum liegt für uns in China“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Seit Jahren ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wichtigster Absatzmarkt für die Autobauer und viele andere Branchen. Das Jahr begann verheißungsvoll: Mercedes Benz etwa steigerte seinen China-Absatz im Januar um 14,5 Prozent.

Euro-Zone

Das Geschäft auf dem wichtigsten Absatzmarkt entwickelt sich wegen der Schuldenkrise seit Jahren schleppend. Allerdings geht es in einigen Ländern wie Spanien und Portugal wieder aufwärts, was sich auch in der Exportstatistik niederschlägt: Die deutschen Ausfuhren in diese beiden Länder stiegen im vergangenen Jahr um jeweils rund zehn Prozent. Um immerhin 1,3 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone im laufenden Jahr wachsen, 2014 waren es nur 0,8 Prozent.

Russland

Die Wirtschaft rechnet mit milliardenschweren Einbußen. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagt DIHK-Experte Volker Treier. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Opec

Der sinkende Ölpreis drückt die Exporte in die zwölf Opec-Staaten. Im November etwa brachen die Ausfuhren in die Länder des Ölkartells um mehr als sieben Prozent ein. „Der Verfall der Ölpreise drückt unsere Exporte in viele rohstoffreiche Länder“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Angesichts fehlender Milliarden aus dem Ölgeschäft schieben viele Förderstaaten Investitionen auf, auch Unternehmen zögern. „Wir erwarten allenfalls ein schwaches Exportwachstum knapp über der Nulllinie in die Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika“, so Treier. Bislang hatte der DIHK mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet.

Südamerika

Die lange Zeit boomende Region steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In vielen Ländern wie Argentinien und Venezuela dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen, in Brasilien gerade einmal um 0,5 Prozent wachsen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus. Grund dafür sind sinkende Rohstoffpreise, aber auch eine wachsende Staatsverschuldung. „Es gibt mehr Risiken als Chancen“, sagt etwa der Chefvolkswirt der Banco Brasil Plural, Mario Mesquita.

Auch in wichtigen Schwellenländern lasse der Auftrieb nach. Dem setzte Weidmann entgegen, in Deutschland hätten sich zuletzt die Aussichten wieder verbessert. Wachstumsprognosen von 1,5 Prozent für 2015 halte er inzwischen für nachvollziehbar.

Sollten sich Stagnationsrisiken in wichtigen Teilen der Weltwirtschaft bewahrheiten, will die G20 dem mit zusätzlichen Impulsen durch die Finanz- und Geldpolitik begegnen. „Wir werden laufend unsere Finanz- und Geldpolitik überprüfen und wenn nötig entschieden handeln“, heißt es im Kommuniqué. US-Finanzminister Lew hält es schon aktuell für nötig, dass vielerorts mehr für die Stärkung der kurzfristigen Nachfrage getan wird.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

11.02.2015, 08:52 Uhr

Bei aller Unterstützung für Herrn Weidmann, wenn die USA einmal fundiert argumentieren, das Wort "staatliche Manipulation" in den Raum stellen, dann ist dem so bei sachlicher Betrachtung der Vorgänge.

Frau Ich Kritisch

11.02.2015, 18:49 Uhr

die extrem lockere Geldpolitik der USA hat doch vorher für einen zu hohen Wert des Euros gesorgt.

Die EU zieht doch gerade nur nach...

Den Währungskrieg hat die USA 2010 begonnen.

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