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04.11.2011

10:14 Uhr

G20-Gipfel

IWF stellt kurzfristige Kredite für Krisenstaaten bereit

Der Internationale Währungsfonds soll eine noch aktivere Rolle als Krisenfeuerwehr spielen. Darauf haben sich die 20 führenden Industriestaaten auf ihrem Gipfel in Cannes geeinigt.

IWF-Chefin Christine Lagarde. AFP

IWF-Chefin Christine Lagarde.

CannesDer Internationale Währungsfonds (IWF) soll als weltweite Finanzfeuerwehr mehr Geld für Krisenstaaten bereitstellen können. Die G20-Länder beschlossen am Freitag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Cannes, dass der IWF künftig kurzfristige Liquiditätskredite ausgeben kann, um Länder rasch und vorbeugend vor einer Ansteckung durch Finanzkrisen zu schützen. Diese Liquiditätslinien könnten auch von Euro-Ländern genutzt werden.

Künftig sollen Länder bis zu 500 Prozent ihres Kapitalanteils am Währungsfonds ziehen können. Für Italien könnte sich das nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auf rund 45 Milliarden Euro belaufen, für Spanien auf bis zu 23 Milliarden Euro.

Die Liquiditätskredite würden für sechs Monate vergeben und könnten einmal verlängert werden, heißt es weiter. Zugangsberechtigt seien nur Länder, die grundsätzlich eine gute Wirtschaftspolitik und solide Fundamentaldaten vorweisen können.

In der Nacht zu Freitag hatten sich Spitzenvertreter der Eurozone mit US-Präsident Barack Obama und US-Finanzminister Timothy Geithner getroffen. Thema war auch eine größere Ausleihkapazität des IWF und eine Einbindung des Fonds bei der Stärkung des Krisenfonds EFSF. Dabei geht es dem Vernehmen nach eher um ein Sonderkonto, das der IWF führt, ohne selbst eigenes Geld bereitzustellen. Dritte, vor allem IWF-Staaten, könnten dann in diesen Sondertopf einzahlen. Diese Mittel würden wiederum an den Euro-Rettungsfonds EFSF weitergeleitet. Mit diesem „Hebel“ würde die EFSF-Schlagkraft erhöht.

Umstritten war bisher auch eine generelle Aufstockung der Finanzmittel des IWF. Dies fordert neben dem Fonds auch Frankreich. Deutschland und die USA lehnten das bisher strikt ab. Aus ihrer Sicht besteht kein Bedarf an zusätzlichem Kapital für den IWF.

Die Chefs sind Franzosen (oder Deutsche)

IWF

Beim Internationalen Währungsfond (IWF) besetzt die französische Rechtsanwältin und Politikerin Christine Lagarde die Chefposition als geschäftsführende Direktorin. Deutschland geht bei den Chefposten leer aus, obwohl der deutsche Anteil am Budget bei 6,1 Prozent liegt. Der Anteil deutscher Mitarbeiter insgesamt beim IWF liegt bei 4,6 Prozent - der im Top-Management bei 3,1 Prozent.

WTO

Seit 2005 ist Pascal Lamy der Boss bei der World Trade Organisation (WTO). Nachdem er zuvor das Amt des EU-Kommissars für Außenhandel bekleidete, ist er vor sechs Jahren zum Generaldirektor der WTO aufgestiegen. Deutschland besetzt in dieser Organisation weder eine Chefposition, noch irgendeine Stelle im Top-Management. Der Anteil deutscher Mitarbeiter insgesamt bei der WTO liegt bei 5,5 Prozent, Deutschlands Anteil am Budget beträgt hingegen 8,9 Prozent.

EU-Kommission

In der Europäischen Kommission sitzt seit 2004 der Spanier José Manuel Barroso auf dem Chefsessel. Jeweils ein Deutscher und ein Franzose sitzen als Kommissare in der Kommission. Günther Oettinger kümmert sich um Energie, der Franzose Michel Barnier um Binnenmarkt und Dienstleistungen. Im Top-Management der Kommission sind 14,6 Prozent der Stellen mit Deutschen besetzt - auf alle Mitarbeiter bezogen liegt der deutsche Anteil bei 10,6 Prozent. Deutschlands Anteil am Budget beträgt beachtliche 20 Prozent.

EZB

Noch ist der Franzose Jean-Claude Trichet Präsident der Europäischen Zentralbank, doch seine Tage sind gezählt - am 31. Oktober endet seine Amtszeit. Als heißer Kandidat für die Nachfolge gilt Jörg Asmussen, der derzeit noch Staatssekretär im Finanzministerium ist. Mehr als ein Viertel aller Mitarbeiter in der EZB sind Deutsche (28,1 Prozent) und der Anteil im Top-Management liegt bei 16,7 Prozent. Deutschlands Anteil am Kapital der EZB beträgt 18,9 Prozent.

EBRD

An der Spitze der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) steht ein Deutscher: Der SPD-Politiker Thomas Mirow leitet seit 2008 die Geschicke des Hauses. Bei der Osteuropabank sitzt kein Franzose auf einem hohen Posten. Die Zahlen über deutsche Mitarbeiter insgesamt und der Anteil an deutschen Kapital liegen nicht vor.

EFSF

Im Juni 2010 wurde die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) gegründet. Sie ist eher unter dem Namen Europäischer Rettungsschirm bekannt. Chef der Aktiengesellschaft ist der Deutsche Klaus Regling. Im Finanzvorstand sitzt der Franzose Christophe Frankel. Die Zahlen über deutsche Mitarbeiter insgesamt und der Anteil an deutschen Kapital liegen nicht vor.

In einem Entwurf für eine G20-Erklärung in Cannes hieß es: „Wir unterstützen den IWF bei der Vorlage der neuen Vorsorge-Liquiditäts-Linie (PLL).“ Zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte der IWF bereits in der Vergangenheit eine neue Kreditlinie geschaffen - die Flexible Credit Line (FCL).

Diese steht den Mitgliedern bereit, die nach Meinung des IWF eine vernünftige Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben und grundsätzlich gesund sind, aber unverschuldet in den Sog der Krise gerieten. Wichtigster Unterschied zu bisherigen IWF-Krediten war, dass die Bewilligung dieser Kreditlinien nicht an Bedingungen wie harte Auflagen und Reformprogramme geknüpft ist.

Im Frühjahr 2009 hatten die G20 zudem beschlossen, die IWF-Ressourcen zur Kreditvergabe auf 750 Milliarden US-Dollar zu verdreifachen. Diese ist bisher noch nicht voll umgesetzt. Um IWF-Ländern aus Finanzproblemen zu helfen, sollten zusätzliche Sonderziehungsrechte (SZR) verteilt werden - eine Reserveeinheit, die in Währungen wie Dollar, Euro, Pfund und Yen eingetauscht wird.


Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

04.11.2011, 11:51 Uhr

"Zugangsberechtigt seien nur Länder, die grundsätzlich eine gute Wirtschaftspolitik und solide Fundamentaldaten vorweisen können."
Die Frage ist, wer das beurteilt.
Und - auf wessen Anweisung - positiv entscheidet.

Account gelöscht!

04.11.2011, 12:30 Uhr

Solche Länder könnten sich auch am freien Kapitalmarkt zwischenfinanzerien: Hier wird im großen Stil weider einmal "genebelt", die Öffentlichkeit für dumm verkauft. Staaten, die über gesunden finanzielle und fiskalische Verhältnisse verfügen, benötigen keine Hilfen des IWF...

Geldsklaven

04.11.2011, 12:53 Uhr

Das ist als würde man versuchen Feuer mit Benzin zu löschen!

Wann werden die Menschen endlich unser Geldsystem ( Geld = Schulden ) verstehen und in Frage stellen???


Wer wissen will wie die Geldmacht unsere Welt regiert sollte folgende Seite besuchen:

www.steuerboykott.org


Wie Geld entsteht:

http://video.google.com/videoplay?docid=6433985877267580603#


Zeitgeist unsere Welt unzensiert:

http://www.youtube.com/watch?v=QDTg749Rq9s

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