Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.02.2013

16:04 Uhr

G20-Gipfel

Kampf dem Währungskrieg

Der G20-Gipfel in Moskau spricht sich vehement gegen Wechselkursziele aus. Priorität vor Schuldenabbau wird der Wachstumsförderung eingeräumt. Kanzlerin Merkel nimmt die globale Finanzmarktregulierung ins Visier.

Das Teilnehmerfeld des G20-Gipfels in Moskau. Reuters

Das Teilnehmerfeld des G20-Gipfels in Moskau.

Moskau/BerlinMit einer unerwartet klaren Absage an Wechselkursziele versucht die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) die Debatte über einen Währungskrieg zu beenden. Darüber hinaus signalisierten die G20-Finanzminister und Notenbank-Chefs am Samstag bei ihrem Treffen in Moskau, dass sie kurzfristig der Wachstumsförderung Vorrang geben wollen vor Maßnahmen zum Abbau der Staatsdefizite. Deutschland hatte zuvor auf konkretere Festlegungen zur Etatsanierung bedrängt. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an, ihre Regierung werde im G20-Rahmen auf eine noch härtere Finanzmarktregulierung drängen.

Wie aus dem Abschlusskommunique zu dem G20-Treffen hervorgeht, in das die Nachrichtenagentur Reuters vorab Einblick nehmen konnte, wurde Japan darin nicht an den Pranger gestellt. Die Regierung in Tokio hatte mit einer massiv expansiven Geld- und Finanzpolitik den Yen auf Talfahrt geschickt und damit die jüngste Wechselkursdebatte maßgeblich ausgelöst.

Hintergrund zum Währungskrieg

Währungskrieg

In volkswirtschaftlichen Lehrbüchern steht der Begriff nicht, der angeblich 2010 vom brasilianischen Finanzminister Guido Mantega geprägt wurde. Gemeint ist damit, dass mehrere Länder eine Art Wettlauf starten, wer seine Währung am stärksten abwerten kann. Davon versprechen sie sich Vorteile bei der Wettbewerbsfähigkeit: Ist die eigene Währung schwach, profitieren davon Unternehmen, die ins Ausland exportieren - ihre Produkte werden billiger. Nachweisen ließ sich ein Währungskrieg bisher nicht.

Wechselkurs

Der Wert einer Währung lässt sich am besten im Verhältnis zu einer anderen Währung bemessen - das nennt man Wechselkurs. In Deutschland am geläufigsten ist der Euro-Dollar-Wechselkurs, er liegt derzeit bei etwa 1,33 Dollar. Fällt dieser dauerhaft, kann man sagen, der Euro habe gegenüber dem Dollar abgewertet. Oder umgekehrt: Der Dollar hat gegenüber dem Euro aufgewertet. Es kommt immer auf die Perspektive an.

Zentralbanken

Wechselkurse ergeben sich - wie die meisten Preise in einer Marktwirtschaft - in der Regel aus Angebot und Nachfrage. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Zentralbanken, denn sie können große Mengen der einheimischen Währung (oder einer fremden) kaufen oder verkaufen und nehmen damit Einfluss auf die Wechselkurse. Ein Beispiel: Die Schweizer Notenbank hatte 2011 beschlossen, den Franken vor einer weiteren Aufwertung zum Euro im Zuge der Schuldenkrise zu bewahren beziehungsweise den Wechselkurs nicht unter 1,20 Franken fallen zu lassen. Dafür kauft die Zentralbank laufend Euro und andere Fremdwährungen.

Japan

Die starke Abwertung des Yen in den vergangenen Monaten ist der Auslöser für die jüngste Diskussion über einen „Währungskrieg“. Die im Vergleich zu Dollar oder Euro günstiger gewordene japanische Währung hilft der exportorientierten japanischen Wirtschaft. Dies ist politisch - von der neuen Regierung und der Zentralbank - erwünscht, denn das Land steckt seit Jahrzehnten in der Stagnation. Mit dem Anwerfen der Notenpresse - dem „Drucken“ von Geld - hilft die Zentralbank dabei, dass der Yen an Wert verliert.

Teuerung

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Stärke beziehungsweise Schwäche einer Währung und der Teuerungsrate. Stark vereinfacht gesehen verschärft eine Abwertung die Inflation, bei einer Aufwertung schwächt sich die Preissteigerung hingegen ab. Geht diese gegen null oder fallen die Preise, spricht man von Deflation. Dies ist für eine Volkswirtschaft viel gefährlicher als eine moderate Inflation. Einflussmöglichkeiten haben wiederum die Notenbanken, die ja in erster Linie über die Preisstabilität wachen. In der Eurozone spricht man von stabilen Preisen, wenn die Teuerung mittelfristig bei knapp unter zwei Prozent liegt.

Nach langwierigen und harten Debatten entschieden sich die G20-Minister und -Notenbankchefs am Ende beim Thema Wechselkurse für eine Wortwahl, die der Erklärung der sieben traditionellen Industrieländer (G7) vom Dienstag näher kam als es sich zunächst abgezeichnet hatte. Insbesondere hieß es nun, die G20 werde „ihre Wechselkurse nicht an Wettbewerbs-Gesichtspunkten ausrichten“, also gewisse Zielwerte für die Wechselkurse verfolgen. Zudem versichert die Staatengruppe - der auch Schwellenländer wie China angehören - dass sie in keinen Abwertungswettlauf eintreten würden. Die Geldpolitik solle sich an der Preisstabilität der jeweiligen Währungsräume ausrichten, aber auch der wirtschaftlichen Erholung dienen. Die G20 wollen sich zudem schneller in Richtung marktbestimmter, flexibler Wechselkurse bewegen.

„Wir waren uns alle einig, dass wir nicht in einen Währungskrieg geraten wollen“, sagte Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici. Sein britischer Kollege George Osborne erklärte: „Die G7 hat ein sehr klares Statement in dieser Woche abgegeben.“ Auch im G20-Text werde nun deutlich gemacht, dass Währungen kein Mittel für einen Abwertungswettlauf sein sollten. „Länder sollten nicht den Fehler der Vergangenheit machen und Währungen als Instrument der wirtschaftlichen Kriegsführung einsetzen“, sagte er.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

fischereber

16.02.2013, 12:15 Uhr

Da wäre es doch ein erster konsequenter Schritt von Schäuble, dafür zu kämpften, diese Schwarzgeldoase Zypern schnellstmöglich still zu legen, sprich: Pleite gehen zu lassen.
Statt dessen wird er wohl nach einigem des sich Zierens diesen geforderten Rettungsmilliarden für ausgerechnet die dortigen Banken gern zustimmen.
Da frage ich mich dann doch, wie das wohl in Schäubles Kopf zusammenpasst ???

Rechner

16.02.2013, 12:23 Uhr

Und was erzählte noch vor drei Wochen ein gewisser Hans Redeker, Chefstratege bei Morgan Stanley?

„Der Euro wird massiv abwerten“

....

Selten so gelacht.

Wieviele Millionen hat der Herr Redeker wohl mit seiner Fehlmeinung für seinen Arbeitgeber in den Sand gesetzt?

Ob er wohl noch immer Chefstratege bei Morgan Stanley ist?

Account gelöscht!

16.02.2013, 12:38 Uhr

Erhebt mal 60 % Steuern auf Diäten und Pensionen von Politikern ! Warum bekommt Frau Schavan 13.000 EUR (unverteuerte) Pension und 200.000 EUR "Übergangsgeld" ?

Politiker und Beamte sollen auch Steuern zahlen !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×